Straßenverkehr

Breite Autos auf schmalen Straßen in Göttingen sorgen für Probleme - Audifahrer schlägt Radler nieder

Die Obere-Masch-Straße in Göttingen. Zu sehen sind links und rechts am Fahrbahnrand parkende Autos. Eine weiterer Pkw fährt durch die schmale Straße, hinter ihm ein Radfahrer
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Auf schmalen Straßen mit Parkplätzen rechts und links kann es eng werden, wenn sich Rad- und Autofahrer begegnen: Probleme gibt es beispielsweise im Bereich Obere-Masch-Straße in Göttingen.

Die Autos werden breiter. Da kann es auf schmalen Straßen eng werden, wenn sich Rad- und Pkw-Fahrer begegnen. Das erfuhr nun ein 55-jähriger Ingenieur schmerzhaft.

Göttingen - „Ich fuhr die Obere-Masch-Straße in Richtung Goetheallee, als mir ein schwarzes Oberklassefahrzeug entgegenkam“, berichtet der Radfahrer, was ihm in der Göttinger Innenstadt passierte. Er rechnete damit, dass der Autofahrer in eine Parklücke ausweichen würde.

Das tat dieser allerdings nicht. So mussten beide Verkehrsteilnehmer scharf bremsen, um nicht zusammenzustoßen. Der Ingenieur kam ins Schwanken, berührte mit den Knie den Kotflügel und stützte sich auf dem mittlerweile stehenden Fahrzeug kurz ab.

Rasend vor Wut sprang der kräftig gebaute Autofahrer aus den Wagen und herrschte den Radler an: „Spinnst Du, was schlägst Du gegen meinen Wagen.“ Diesem wurde im nächsten Moment schwarz vor Augen. Als der Radfahrer wieder zu Bewusstsein kam, lag er mit schmerzendem Unterkiefer auf der Straße. „Er hat mich niedergeschlagen“, sagt der Ingenieur.

Autofahrer muss sich wegen Verkehrsgefährdung und Körperverletzung verantworten

Augenzeugen riefen Polizei und Notarzt. Der Ingenieur hat nach eigenen Angaben ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Noch Tage später klagt er über Kopf- und Nackenschmerzen. Der Hausarzt schrieb ihn eine Woche lang krank. Der Autofahrer muss sich nun wegen Verkehrsgefährung und Körperverletzung verantworten, berichtet der Radler.

Jasmin Kaatz von der Polizeiinspektion Göttingen bestätigt den Vorfall. Der Radfahrer habe bei seinem Sturz zudem ein parkendes Auto beschädigt. Gegen den Bovender Audifahrer liefen zwei Verfahren.

Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme

„Kommt es im Verkehr zu unklaren Situationen oder zeitweiligen Behinderungen, so gilt der Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme“, kommentiert Polizeihauptkommissar Jörg Arnecke den Vorfall.

Der Verkehrssicherheitsberater verweist auf die Straßenverkehrsordnung. Niemand dürfe einen anderen schädigen oder gefährden. Nur den Umständen nach unvermeidbare Behinderungen oder Belästigungen seien zu dulden.

Ungeschützte Verkehrsteilnehmer – Radfahrer, Senioren auf Pedelecs, junge E-Roller-Fahrer, vor allem aber Kinder – seien „besonders gefährdet“, betont Arnecke. Diesen Gruppen gegenüber müssten Autofahrer stets besonders rücksichtsvoll auftreten.

Verwundert über den Fahrstil des Autofahrers zeigt sich Peter Hüttenmeister von der Verkehrswacht Göttingen. Kraftfahrzeuge müssten einen Sicherheitsabstand von anderthalb Metern zu Radlern wahren. Wenn sie das nicht einhalten könnten, sollten sie stehenbleiben und den Radfahrer vorbei lassen.

Radlern wiederum rät der Verkehrswacht-Vorsitzende mit Blick auf „weniger nette Verkehrsteilnehmer“ das eigene Recht nicht forsch durchsetzen zu wollen. Im Falle eines Unfalls seien sie verletzlicher, selbst wenn sie einen Helm tragen würden Hüttenmeister empfiehlt, in engen, unübersichtlichen Straßen das Rad gegebenenfalls zu schieben. (Michael Caspar)

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