Autoren und Verlage aus Südniedersachsen

Büchertipps zum Jahreswechsel: Der Duft des Buches und kleine Grausamkeiten

Starke Bücher über Justiz-Skandale schreibt der Göttinger Autor Markus Thiele. In diesem Jahr erschien sein zweiter spannender Roman „Die Wahrheit der Dinge“. Thiele ist im Hauptberuf Rechtsanwalt.
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Starke Bücher über Justiz-Skandale schreibt der Göttinger Autor Markus Thiele. In diesem Jahr erschien sein zweiter spannender Roman „Die Wahrheit der Dinge“. Thiele ist im Hauptberuf Rechtsanwalt.

Bücher gehen immer – gerade zu Weihnachten! Ob direkt ausgesucht – oder als Gutschein zum Geschenk nach eigener Wahl: Noch keine Idee?

Göttingen – Wir können helfen, haben aus dem Angebot von Autoren und Verlagen aus der Region wieder einige – nicht repräsentative – Tipps parat.

Ostviertel-Blues

Mit der Abrissbirne Fakten schaffen: Im aktuellen Göttingen-Krimi von Wolf S. Dietrich spinnt der Autor um den geplanten Abriss einer Ostviertel-Villa und einen möglichen Bauskandal im Immobilienmonopoly der Uni-Stadt eine spannende Kriminalgeschichte samt grausiger Entdeckung. Wer lokale Kriminalgeschichten mit amüsanten wie nachdenkenswerten Anspielungen auf reale Geschehnisse und Personen mag, findet Spaß am Lesen von „Ostviertel-Blues“. Nur die Journalistin hätte von einer anderen Zeitung kommen können… Wolf S. Dietrich, Ostviertel-Blues, Prolibris, 278 Seiten, 14 Euro.

101 kurze Geschichten

Starke und schöne Kurzgeschichten zu schreiben, ist eine Kunst. Robert Schneider beherrscht diese, wie er in 101 Mal in seinem neuen Buch beweist. Die Geschichten sind wirklich kurz und nehmen oft eine vom Leser nicht erwartete Wendung. Wunderbare Lektüre für zwischendurch, für gute Momente. Natürlich hat das Buch eine Bedeutung! Robert Schneider, „Buch ohne Bedeutung“, Wallstein, 122 S., 24 Euro, erscheint im März 2022.

Brüder-Tragödie

Und noch ein Krimi, einer der aber nicht in Göttingen spielt, sondern in einer Familie mit drei höchst unterschiedlichen Brüdern als Protagonisten und gleichzeitig eine Tragödie ist. Starke Geschichte mit Drehungen und Wendungen, stark geschrieben, stilvoll-hochwertiges Hardcover. Liz Nugent, „Kleine Grausamkeiten“, Steidl, 400 Seiten, 24 Euro.

Notizen eines Jahres

Die Unterzeile verrät viel: „Roman eines Jahres“, haben der Autor Wolfgang Hegewald und der Göttinger Wallstein-Verlag das Buch „Tagessätze“ genannt. Der Autor hat notiert, was ihm auf Reisen und zu Hause durch den Kopf geht – in einem Jahr, das geprägt war von Einschnitten und dem Corona-Virus. Es geht auch um die Frage, ob wir begreifen, was wir gerade erleben. Das steht auf dem Buchcover. Auch das trifft es. Wolfgang Hegewald, „Tagessätze - Roman eines Jahres“, Wallstein, 286 Seiten, 24 Euro.

Wieder Weihnachten

Alle Jahre wieder ist es wie verhext: Studentin Marlene erlebt ein desaströses Weihnachtsfest nach dem anderen. Erst trennen sich an Weihnachten ihre Eltern, im Jahr drauf verliert sie den Job. Diesmal macht ihr Freund mit ihr Schluss und verlobt sich an Weihnachten mit der Neuen. Also beschließt Marlene, am 24. Dezember kein Weihnachten mehr zu feiern – stattdessen in den elf anderen Monaten des Jahres. Der Spaß beginnt also am 24. Januar und endet am 24. November. So jedenfalls der Plan. Jeanine Rudat ist Göttingerin und schreibt, beruflich wie privat – ihr ist ein prima Weihnachtsbuch gelungen. Jeanine Rudat, Ein Jahr Weihnachten, Piper, 272 S, 15 Euro.

Kunst des (Ski-)Fliegens

Jahreswechsel ist Vierschanzen-Tournee. Einfach immer wieder da, jedes Jahr. Was wie ein Standard-Werk klingt, ist keines, sondern ein mit feinen Texten und auf den Punkt gebrachten Interviews gespicktes Buch über eine faszinierende Sportart. „Das Buch vom Skispringen“ des SZ-Sportjournalisten Volker Kreisl zeigt Geschichte, Entwicklung und Grundlagen des Sports auf, aber auch, wie nah Triumph und Absturz beieinanderliegen.

Volker Kreisl: „Das Buch vom Skispringen“ und dem Verlag „Die Werkstatt“.

Davon erzählen auch Legenden wie Sven Hannawald und Toni Innauer. Und sie sagen, worauf es ankommt: Auf dieses faszinierende „Gesamtpaket“ Athlet, Material, Schanze und Tagesform; diese Balance zwischen Kraft und Gefühl, zwischen Ausrüstung und Körper; auf den Kopf und das Maß zwischen Anspannung und Lockerheit; eben auf diesen Wimpernschlag von drei Zehntel, der zwischen zu früh und zu spät wegspringen vom Tisch, die entscheiden über Wohl und Wehe des Sprungs, der ein Flug ist. Volker Kreisl, „Das Buch vom Skispringen“, 190 Seiten. 29,90 Euro.

Foto-Buch-Kunst

Kaum ein Verlag weltweit produziert so aufwändige Foto-Bände wie Steidl in Göttingen. Weltklasse-Fotografen treffen hier auf großartige Fotogestaltung und Herstellungstechnik. Dafür stehen aktuell im Steidl-Programm die Bände „In India“ von Mitch Epstein und „Taking Pictures, making Pictures“ von Alberto Venzago.

Wunderbare Fotobücher aus dem Steidl Verlag: „In India“ von Mitch Epstein und „Taking Pictures Making Pictures“, von Alberto Venzago.

Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen, Fotografien von Menschen – Venzago hat sie weltweit abgebildet, Epstein - wie gesagt – in Indien. Eingefangen werden Momente. Kunstvoll. Schlicht. Das fasziniert – wie auch der Duft der Bücher nach dem Auspacken. Mitch Epstein, „In India“, Steidl, 55 Euro. – Alberto Venzago, „“Taking Pictures, making Pictures“, Steidl, 45 Euro.

Justizskandale

Tatsächliche Begebenheiten, Justizirrtümer und Skandale, in eine teilfiktive Handlung verpackt der Göttinger Autor und Rechtsanwalt Markus Thiele. Ihr gelingt das in seinem zweiten Buch ausgesprochen gut. Die Geschichte dreht sich um einen fürchterlichen, leider realen, Fall: Antonio Amadeu Kiowa wurde 1990 in Eberswalde von Neonazis zu Tode geprügelt. Der Haupttäter kam mit einer geringen Strafe davon. Nicht nur für Thiele ist das einer der größten Justizskandale in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Den Autor interessieren aber besonders die Menschen dahinter, um sie spinnt er feine Geschichten, so wie um den zweifelnden Richter Petersen. Ein spannender Roman, der den Leser mitreißt und nachdenklich zurücklässt. Markus Thiele, „Die Wahrheit der Dinge“, Benvento, 240 S.; 22 Euro.

Demos und Protest

Göttingen in den 80er-Jahren: Verbarrikadierte Schaufenster, brennende Barrikaden, Demos im Tagesabstand, harte Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Eine heftige Zeit. Natürlich auch für die, die politisch aktiv waren, für die Demonstrieren zur Lebensnotwendigkeit gehört, die auch in Grohnde, Brokdorf, Wackersdorf und an der StartbahnWest protestieren.

Reimar Paul: „Unterwegs“ - Die Jahre 1984 bis 1989 in Göttingen. (Repro)

Der Göttinger Autor Reimar Paul setzt mit „Unterwegs“ seine szenischen 80er-Jahre-Schilderungen nach dem ersten Band „In Bewegung“ fort. Diesmal von ´84 bis ´89. Ein Buch – nicht nur – für Ex-Studenten und Demonstranten. Reimar Paul, „Unterwegs - Die Jahre 1984 bis 1989“, Die Werkstatt, 256 S., 18,90 Euro.

Zauberhafte Figuren

Das Northeimer Theater ist ein Kulturhighlight der Region. Über das Werden berichten in dem schön gestalteten Buch die Figuren, die in dem markanten Haus leben, die das TDN letztlich seit 20 Jahren ausmachen.

Theater der Nacht Northeim: „Geschichten aus dem Drachenhaus“. (Repro)

Allein die Idee, Baba Jaga, Schedir, Rupert vom Retoberg und die anderen die Geschichten aus dem Drachenhaus erzählen zu lassen, ist wunderbar. Theater der Nacht, „Geschichten aus dem Drachenladen“, 288. S., 33 Euro. Bestellen über www.theater-der-nacht.de

Kultur des Schweigens

Manchmal ergibt sich aus der einen Recherche, dem einen Text plötzlich eine Fortsetzung, dann öffnen sich neue Türen zu Menschen. Der ehemalige GT-Redakteur Jürgen Gückel aus Peine hat das erlebt und genutzt.

Jürgen Gückel: Ein Buch auch übers Schweigen. (Repro)

Nach seinem Buch über seinen Grundschullehrer, ein SS-Verbrecher, der unter falscher Identität lebte, legt Gückel akribisch recherchiert nach: „Heimkehr eines Auschwitz-Kommandanten“ ist die kaum fassbare Geschichte des Fritz Hartjenstein, der drei Todesurteile überlebte. Es ist auch eine Story über das (Ver-)Schweigen, das Folgegenerationen ratlos macht. Jürgen Gückel, “Heimkehr eines Auschwitz-Kommandanten“, Vandenhoeck&Ruprecht, 304 S., 29 Euro.

1100 Bayern-Trikots

Okay, es gibt Menschen, wie Elisa, die bekommen Ausschlag, wenn sie versehentlich ein Bayern-Trikot berühren. Wiederum andere gehen damit zum Schrecken ihrer Frauen sogar ins Bett. Der Fan und Friseur Raymund Simmet könnte so einer sein. Er hat ALLE etwa 1100 Trikots des FC Bayern seit Gründung vor 121 Jahren am Computer gezeichnet und sie nun mit der „Werkstatt“ in ein Buch gepackt, gespickt mit Erläuterungen zu Spielen, Design, Material und denen, die sie getragen haben. So Sepp Mayer, der ein Le-Coc-Sportif-Zweter lieber als ein Adidas-Trikot trug und den Le Coc-Schriftzug übernähen ließ. Ein verrücktes Buch, das selbst den Anti-Bayern-Fan und Fußballer durchaus begeistern kann – aber nur für ganz kurze Zeit. Raymund Simmet, „Alle Bayern-Trikots“, Die Werkstatt, 350 S., 39,90 Euro. (Thomas Kopietz)

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