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Wo die Nazis Bücher verbrannten: Fotograf blickt auf "Verbrannte Orte“ in Südniedersachsen

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Der Albaniplatz mit der Albani-Kirche in Göttingen: Der Platz hieß im Dritten Reich „Adolf-Hitler-Platz“. Am 10. Mai 1933 wurden dort Bücher verbrannt.

Göttingen/Hann. Münden. Jan Schenck ist Berufsfotograf. Seit fünf Jahren fotografiert er Orte, an denen die Nazis 1933 Bücher verbrannt haben. Jetzt war er in Göttingen und Hann. Münden zu Gast.

In Südniedersachsen hat er Aufnahmen von den historischen Orten gemacht. Begonnen hat das Projekt mit einer Aktion der Fotografen-Vereinigung Freelance. Daraus entwickelte Jan Schenck, der im Wendland wohnt, die Idee, „Verbrannte Orte“ abzulichten und zu veröffentlichen.

Inzwischen hat er 25 Orte in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Südhessen, Ost-Sachsen, Hamburg und inzwischen auch in Niedersachsen besucht.

In Göttingen fotografierte er am Albaniplatz, der in den 1930er-Jahren „Adolf-Hitler-Platz“ hieß. „Mir ist aufgefallen, dass es dort noch sehr viel historische Bebauung gibt. Ich konnte mir die Situation damals noch vorstellen“, sagt der 37-Jährige.

Fotografiert Orte, an denen die Nazis Bücher verbrannten: Dazu hat Jan Schenck das Internet-Projekt „Verbrannte Orte“ ins Leben gerufen.

In Göttingen wurden tausende Bücher am 10. Mai 1933 bei der reichsweiten Aktion „Wider den undeutschen Geist“ vernichtet, den die „Deutsche Studentenschaft“ initiiert hatte. Eine Tafel erinnert noch an die Bücherverbrennung der Nazis.

"Stätten der Bücherverbrennung ein Gesicht geben"

In Hann. Münden fotografierte Jan Schenk am Samstag auf dem Marktplatz. Auch dort gab es am 10. Mai 1933 eine Bücherverbrennung, die von der Studentenschaft der damaligen Forsthochschule ausging. „Es gibt dort leider keine Gedenktafel, die an die Verbrennung erinnert“, bedauert Schenck und hofft mit der Aktion, auf dieses Manko aufmerksam zu machen.

Auf seinen Reisen wird Jan oft seinem Vater Wolfgang (70) begleitet. Er unterstützt das Projekt seines Sohnes. „Es ist wichtig, den Stätten der Bücherverbrennung ein Gesicht zu geben“, sagt Wolfgang Schenck.

Nach der Fotoexkursion in steht noch jede Menge Arbeit an. Die Bilder müssen gesichtet und katalogisiert werden. Außerdem setzt Jan Schenck aus Einzelbildern jeweils eine 360-Grad-Rundumsicht zusammen, die im Internet veröffentlicht wird.

Lesen Sie auch: Hier brannten 1933 in Kassel die Bücher

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Fotograf sucht Materialien

Das im Online-Atlas gesammelte Hintergrundmaterial dient als Basis für Materialien der politischen Bildung und für den Geschichtsunterricht. Die Fotografien werden für Ausstellungen und Veröffentlichungen im kulturellen Bereich genutzt.

Außerdem arbeitet der Fotograf mit regionalen Akteuren zusammen, um weiteres Material zu den jeweiligen Orten zu sammeln.

Alle Orte sind bereits im Internet abrufbar. Nach und nach kommen jetzt die Bilder und ausführlichen Texte hinzu. Aktuell würde sich der Fotograf Jan Schenck über Kontakte und Materialien zu den „Verbrannten Orten“ in Südniedersachsen freuen.

Kontakt: per E-Mail unter info@verbrannte-orte.de

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