Bürgermeister im Interview

Brandes sieht auch Bewegung beim Gewerbegebiet Bovenden

Ein Sorgenkind der Gemeinde: Das Industriegebiet in der Ortslage von Bovenden weist viele Leerstände, wie den ehemaligen Mobe lgroßmarkt, auf. Die Verwaltung bemüht sich, wieder mehr Leben in das Gebiet zu bringen, Verhandlungen mit Eigentümern zu unterstützen. Foto: Thomas Kopietz

Bovenden - Bürgermeister Thomas Brandes blickt im Interview positiv voraus. Die wachsende Gemeinde hat 2019 so einige vor und hofft auch auf Bewegung im Gewerbegebiet.

Der Flecken Bovenden ist eine prosperierende Kommune, auch, weil sie nah an Göttingen gelegen und so ein interessanter Wohnort ist. Das soll so bleiben, wie Bürgermeister Thomas Brandes (SPD) im Interview betont. Er benennt aber auch die Problemzonen.

Herr Brandes, beim Neujahrsempfang zogen sie eine positive Bilanz für 2018 in Ihrer Gemeinde. Warum wird das auch 2019 so bleiben?

Weil wir mit den Dingen, die wir erreicht haben, perspektivisch etwas geschaffen haben oder umsetzen: Das sind der Neubau der Kindertagesstätten 2018 in Bovenden und dieses Jahr in Eddigehausen, in die mehr als fünf Millionen Euro investiert werden. Mit den neuen Krippengruppen stehen wir im Vergleich kreisweit hervorragend da. Wir erreichen mit 71 Prozent exakt die Bedarfsdeckung die gleiche hohe Quote wie Göttingen.

Was passiert beim Kita-Neubau in Eddigehausen?

Dort entsteht ein Neubau, mit drei Kindergartengruppen, zwei Hortgruppen und einer Krippengruppe. Die bisher extern in der Schule und im Pfarrhaus untergebrachten Hortgruppen werden in die neugebaute Kita integriert. Die Krippengruppe wird neu entstehen, um dem Bedarf im östlichen Gemeindegebiet Rechnung zu tragen. Weil die Gruppenräume größer werden, gibt es dann auch neun zusätzliche Plätze im Kindergarten. Die Trägerschaft beleibt bei der ev. Kirchengemeinde, die sich natürlich auch sehr über diese Lösung freut.

Wie steht es um die Gesamtschule Bovenden. Immer wieder ist zu hören, dass für sie zu wenig starke Schüler übrig bleiben?

Das ist eine unbefriedigende Situation. Das Verteilverfahren muss transparenter und fairer gestaltet werden. Ich werbe immer wieder für die Gesamtschule Bovenden, wie es auch Kreis-Schuldezernent Marcel Riethig tut. Ich freue mich immer, wenn Eltern aus Bovenden ihre Kinder zur IGS im Ort schicken, oder sie jetzt auch für die Oberstufe anmelden. Ich sage auch: An der IGS Bovenden leisten die Lehrkräfte eine tolle Arbeit, das Image ist leider schlechter. Die nahe Lage zu Göttingen und den Schulen dort macht die Sache generell nicht leicht. Und die Planung und Eröffnung einer IGS im nahen Stadtteil Weende ebenfalls nicht.

Das bleibt also eine Aufgaben, was steht 2019 an wichtigen Projekten an?

Wir investieren 4,5 Millionen Euro in die Infrastruktur. Die Altdorfsanierung in Bovenden geht weiter, es ist der achte Bauabschnitt. Im Ortsteil Billingshausen wird die Dorferneuerung vorangetrieben, für beide Projekte sind 800 000 Euro im Haushalt. In Harste werden im ersten Abschnitt die Umkleiden in der Sporthalle saniert.

Sie haben beim Neujahrsempfang die ehrenamtliche Tätigkeit sehr gelobt...

Das ist herausragend, was in der Gemeinde in vielen Vereinen und Verbänden ehrenamtlich auf die Beine gestellt wird. Mir ist es ein großes Anliegen, das immer wieder hervorzuheben, weil diese Arbeit für die Gemeinschaft so enorm wertvoll ist. Und: Sie macht Bovenden lebenswerter. Die Feuerwehren zählen natürlich dazu. Die Ortsfeuerwehr Bovenden wird ein neues Löschgruppenfahrzeug erhalten, das 2020 ausgeliefert wird.

Bovenden ist rasant gewachsen, neue Baugebiete waren im Nu ausverkauft, gibt es neue Überlegungen zu Baugebieten?

Ja, wir denken ständig darüber nach. Sie haben Recht, bei den Neubauten ging es fix. So waren am 2018 die 38 Bauplätze schnell weg, es gab dafür mehr als 200 Bewerber. Die Nachfrage ist riesengroß. Natürlich auch, weil wir so nah an Göttingen liegen eine gute Anbindung haben und alles mit dem Rad fix erreichbar ist. Gerade entwickeln wir neue Baugebiete in Lenglern, Reyershausen und Emmenhausen.

Sie gehen neue Wege in der Kooperation mit der Kreiswohnbaugesellschaft..

Ja. Wir sind glücklich über das Engagement der Kreiswohnbau bei uns. Das Wohnungsangebot wird spürbar erweitert. Das erste Projekt bietet 52 Wohnungen am Steffensweg. Zwei weitere Häuser in Lenglern sind geplant. 16 Wohnungen werden dort 2020 fertig sein. Damit nicht genug: Neben dem Netto-Markt in Bovenden werden ebenfalls 2020 etwa 24 Wohnungen entstehen – alle barrierefrei und zu bezahlbaren Preisen für viele. Insgesamt baut die Kreiswohnbau 92 Wohnungen.

Die Frage richtete sich nach weiteren Planungen..

Die gibt es: Wir wollen einen neuen Flächennutzungsplan aufstellen, um mittelfristig weitere Reserven an Baugebieten und -plätzen zu haben. Dafür investieren wir 400 000 Euro.

Und Gewerbeflächen?

Dort gibt es eine Erweiterung des Gewerbegebietes Area 3, das wir mit Nörten-Hardenberg gemeinsam entwickeln – also Landkreis übergreifend. Dort bekommen wir auch deshalb eine höhrere Förderung. Die Lage an der B 3 ist ja hervorragend, und die Autobahn ist nah. Es gibt auch schon Nachfragen von Interessenten.

Da sind aber auch brachliegende Flächen und Gebäude an der alten B 3 in Bovenden..

Die beschäftigen uns schon seit Längerem. Allerdings ist hier kein produzierendes Gewerbe, sondern nur Einzelhandel möglich. Dies macht es nicht einfacher. Die Leerstände sind natürlich nicht schön. Eine schnelle Lösung ist nicht einfach zu realisieren, das liegt auch an den Eigentumsverhältnisse. Aber ich kann sagen: Es gibt Bewegung. Wir warten auf eine Entwicklung.

Im großen Ortsteil Lenglern fehlt ein Nahversorger. Gibt es auch dort Bewegung?

Seit Jahren bemüht sich auch hier die Gemeinde, das Interesse eines Supermarktes und Discounters für den Standort Lenglern zu wecken und dafür zu begeistern. Bislang vergeblich. Meist reichten die zu erwartenden Umsatzzahlen nicht aus. Wir bleiben aber dran. Denn: Ein Nahversorger wäre sehr wichtig für Lenglern.

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