20-jähriges Jubiläum

Die Bürgerstiftung Göttingen arbeitet für die Zukunft der Gesellschaft

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Sie feiern gemeinsam das 20-jähriges Jubiläum der Bürgerstiftung Göttingen (von links): Peter Cordes, Dr. Harald Noack, Andreas Schreck, Dagmar Kriener, Rüdiger Reyhn, Kerstin Eineke, Heinz Weitemeyer.

Göttingen. Seit 20 Jahren engagiert sich die Bürgerstiftung Göttingen für Kinder aus sozial schwachen Familien. Das Jubiläum begeht die Stiftung mit einer Festveranstaltung im Alten Rathaus am Donnerstag, 15. März, um 18 Uhr.

Die Bürgerstiftung verfolgt das Ziel, die Kinderarmut in Göttingen abzubauen. Aktuelle Projekte sind „Entdeckungsreise Essen“, „LeseStark mit Antolin“, „Zeit für Jugendliche“ oder „Zeit für ein Kind“.

Bei „Zeit für ein Kind“ können Menschen eine Patenschaft für ein Kind aus einer sozial-schwachen Familie übernehmen. Die Paten nehmen sich zwei Stunden in der Woche Zeit, in der die Aufmerksamkeit einzig und allein dem Patenkind gilt. Zunächst ist die Patenschaft auf ein Jahr begrenzt. Meist laufen sie aber über mehrere Jahre, wie Andreas Schreck, Geschäftsführer der Bürgerstiftung sagt.

Kerstin Eineke ist eine junge Frau, die bei der Bürgerstiftung ein Praktikum absolviert. Kennengelernt hat sie die Einrichtung eher zufällig. In der Uni machte ein Flyer der Studierendeninitiative „Weitblick“ auf das Projekt „Zeit für ein Kind“ aufmerksam. „Ich war direkt Feuer und Flamme“, erzählt Eineke. Obwohl eine „Zugezogene“, wollte sich die Studentin unbedingt in Göttingen engagieren. „Mir liegen Kinder am Herzen. Früher habe ich als Babysitterin gearbeitet. Ich möchte einfach gerne Zeit mit Kindern verbringen“, erzählt Eineke.

Sich diese Zeit zu nehmen, ist bei dem Projekt „Zeit für ein Kind“ das Wichtigste. Sie habe sich anfangs gefragt: ‘Was erwartet das Kind von mir?’, erinnert sich Eineke. Doch da seien die Patenkinder ganz unkompliziert: „Es ist einfach nur wichtig, dass ich da bin, dass sich das Kind mit mir unterhalten kann. Ich bekomme ganz viel Dankbarkeit zurück.“

Letztendlich ist die Bürgerstiftung Göttingen auch dafür zuständig: „Die Menschen, die bei uns anrufen und helfen wollen, suchen nach einem Sinn im Leben“, sagt Schreck. „Sinnstiftung ist das, was die Bürgerstiftung leistet.“

Zum Bedauern von Dr. Harald Noack, Vorsitzender des Stiftungsrates, ist die Arbeit der Bürgerstiftung noch nicht tief genug ins Herz der Göttinger Bürger vorgedrungen. „Wir sind in einem Bereich tätig, der möglicherweise nicht so öffentlichkeitswirksam ist“, so Noack. Laut Schreck liegt das auch daran, dass die Diskretion in seiner täglichen Arbeit „sehr wichtig“ sei, um Vertrauen zu den Eltern aufbauen zu können.

Dabei engagiert sich die Bürgerstiftung auf einer elementaren Ebene, wie Initiator Peter Cordes betont: „Immerhin handelt es sich um die Zukunft unserer Gesellschaft.“

Die Bürgerstiftung Göttingen: Seit 20 Jahren Ehrenamts-Arbeit für Kinder und Jugendliche

Den Anstoß gab Peter Cordes: Der Gründer der Göttinger Tafel suchte Mitte der 1990er Jahre nach einer Möglichkeit, der Tafel finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. So kam es zur Gründung einer „Tafel-Stiftung“. Doch „das Nebeneinander von Tafel und Stiftung war auf Dauer nicht förderlich“, erinnert sich Cordes. 

Als Schwerpunkt der Arbeit hatte die Stiftung von Beginn an Kinder, Jugendliche und Sozial-Benachteiligte in ihrer Satzung festgeschrieben. 2000 wurde sie in „Bürgerstiftung Göttingen“ umbenannt. Damals war Göttingen die zweite niedersächsische Stadt nach Hannover, die eine Bürgerstiftung vorzuweisen hatte. 

Die Maxime, sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu helfen, hat sich seitdem nicht verändert. Im Mittelpunkt steht die Präventionsarbeit, wie Dagmar Kriener, die ehrenamtlich für die Bürgerstiftung tätig ist, betont. 

Passend dazu erzählt Cordes von einem ehemaligen Patenkind aus einer türkischen Familie, das nun studiert. Er habe seinen „Paten-Eltern“ oft gesagt, dass er ohne ihre Zuwendung wohl auf die schiefe Bahn geraten wäre. 

Laut dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, Dr. Harald Noack, lebt die Bürgerstiftung vor allem von Spenden und den Einnahmen des Bürgerfrühstücks. Geschäftsführer Andreas Schreck sagt: „Die finanzielle Ausstattung muss so sein, dass wir unsere Strukturen, wie sie sind, beibehalten können. Das ist im Moment nicht gegeben.“ 

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer hätte die Bürgerstiftung jedenfalls ein Problem. Doch auch hier gibt es weiteren Bedarf: Kriener wünscht sich insbesondere mehr Männer als Paten.

Das Ehrenamt würdigt die Stiftung auch mit einer speziellen Ehrung: dem alljährlichen Zivilcourage-Preis.

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