Land will Flüchtlingsqouten erhöhen - Planungen der Stadt schon wieder überholt

Wohnungen für Flüchtlinge auf den Zietenterrassen: Nach diesem Vorbild sollen Neubauten an der Europaallee entstehen. Foto: Geier

Göttingen. Die neuen Standorte für Flüchtlingsunterkünfte stellte die Stadt Göttingen am Donnerstag bei einer Bürgerversammlung vor. Dabei gab es Kritik an den Plänen. Und: Am Freitagabend waren die Zahlen schon wieder überholt, das Land kündigte an die Vergabezahlen von Flüchtlingen an die Kommunen zu erhöhen.

Plätze reichen nicht

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler machte zunächst am Donnerstag deutlich, dass die jetzt geplanten etwa 1000 Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge vermutlich nicht ausreichen werden. Man werde weitere Plätze benötigen. Die Stadt geht davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge bis zum Jahresende auf etwa 1200 steigt. Für 2016 rechnet Göttingen mit einer Verdopplung der Zahl auf etwa 2500. „Das muss korrigiert werden, sagte Köhler am Freitagabend auf HNA-Anfrage und nach Ankündigung des Landes, den Kommunen deutlich mehr Flüchtlinge als bisher zuweisen zu wollen. „Wir laufen permanent hinterher, so ist die Situation. Der Druck des Landes auf uns wächst.“ Wie sich die Ankündigung des Landes konkret für Göttingen auswirken wird, das sei aber noch nicht bekannt. „Wir warten den Montag ab, dann müssen wir neu planen. Ich weiß aber so langsam nicht mehr, wo wir die Betreuer bekommen können.

Hagenweg

Am Hagenweg soll eine Unterkunft für 100 Flüchtlinge entstehen. Darin entzündete sich zum Teil heftige Kritik. Hintergrund: In diesem Teil der Weststadt wohne ohnehin schon einige schwierige soziale Klientel. Deshalb wird eine Verschlechterung der Situation befürchtet. „Will man dort ein Ghetto bauen?“, hieß es während der Versammlung. Dem widersprach Sozialdezernentin Dr. Dagmar Schlapeit-Beck. Außerdem gab es Kritik von Bewohnern einer Anlage mit Eigentumswohnungen. Man habe aus der Presse von den Bauplänen für die Flüchtlingsunterkunft erfahren. Ein leitender Mitarbeiter der Städtischen Wohnungsbau entschuldigte sich. Er hatte offenbar vergessen, die Info-Briefe an Anwohner zu versenden.

Europaallee

Im Bereich Hagenberg an der Europaallee sollten ursprünglich Gebäude für 180 Flüchtlinge entstehen. Jetzt werden dort nach dem Vorbild von den Zietenterrassen Wohnungen für 300 Flüchtlinge geschaffen. Bonveno, Betreiber der Anlagen auf den Zietenterrassen, soll auch für die Europaallee zuständig sein.

In einigen Jahren will die Stadt die Gebäude als Sozialwohnungen nutzen. Kritik gab es an der Lage in der Nähe der Bundesstraße 27. Dies führe zu einer hohen Lärmbelastung im Bereich der neuen Häuser. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler will deshalb das Thema Lärmschutz anpacken und nach Lösungen suchen.

Telekom-Gebäude

Im Telekom-Gebäude an der Hannoverschen Landstraße sollen insgesamt 200 Flüchtlinge untergebracht werden. Dazu ist ein Umbau erforderlich. Später könnten dort Gründer einziehen. Für die Betreuung der Flüchtlinge dort ist der Verein Cap Anamur im Gespräch.

Nohlstraße

180 bis 240 Flüchtlinge sollen in Neubauten an der Nohlstraße in der Nähe des Uni-Sportzentrums untergebracht werden. Dazu ist vorgesehen, alte Gewächshäuser abzureißen. Später sollen dort einmal Studenten wohnen.

Rodeweg

Ganz im Süden der Stadt ist der Rodeweg zu finden. In diesem familienfreundlichen Umfeld sollen etwa 180 Flüchtlinge in drei bis vier Neubauten wohnen.

Gleichmäßige Verteilung

Oberbürgermeister Köhler betonte, dass mit dem Konzept alle Stadtteile gleichmäßig belastet werden. Er will auf alle Fälle vermeiden, dass Flüchtlinge in Turnhallen untergebracht werden müssen. 

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