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Bund der Vertriebenen ehrt den Göttinger Historiker für Arbeit zugunsten Russlanddeutschen

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Von: Michael Caspar

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Stammt aus dem Gebiet der Wolgadeutschen: Dr. Alfred Eisfeld.
Stammt aus dem Gebiet der Wolgadeutschen: Dr. Alfred Eisfeld. © Michael CAspar

Ehrenplakette für den Göttingen Historiker Dr. Alfred Eisfeld. Er forscht zu der Rolle und dem Schicksal der Deutschen im Russischen Reich, der Sowjetunion und der Russischen Föderation.

Göttingen – Der Bund der Vertriebenen hat den Göttinger Historiker Dr. Alfred Eisfeld für sein Engagement zugunsten der Russlanddeutschen mit der Ehrenplakette, ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung des Verbands.

„Drei Millionen Russlanddeutsche leben in der Bundesrepublik“, berichtet Eisfeld. Aufgrund anderer historischer Erfahrungen reagierten sie vielfach nicht so wie die alteingesessene Bevölkerung.

Um das Verständnis zu fördern, schreibt der Wissenschaftler seit Jahrzehnten über Rolle und Schicksal der Deutschen im Russischen Reich, der Sowjetunion und der Russischen Föderation.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion fanden sich die Russlanddeutschen in verschiedenen Staaten wieder.

Die Rückkehrer sollten in Deutschland eine Heimat finden, nicht nur eine Arbeit oder einen Rentenbescheid.

„Deutsche haben in der russischen Geschichte eine wichtige Rolle in Militär, Wirtschaft und der Wissenschaft gespielt“, betont Eisfeld. Deutsch war in Russland die verbreitetste Fremdsprache, bis es nach der Wende vom Englischen verdrängt wurde.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion fanden sich die Russlanddeutschen in verschiedenen Staaten wieder.

In der Ukraine, wo die Zahl auf heute knapp 30.000 Deutschstämmige gesunken ist, hat es ernsthafte Anstrengungen bei der Aufarbeitung der Verbrechen des Sowjetregimes gegeben, etwa der Hungersnot im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft oder des Großen Terrors 1937/38.

400 000 bis 500 000 Deutschstämmige

„Kasachstan, wohin ein Großteil der einst an der Wolga ansässischen deutschsprachigen Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs deportiert wurde und wo heute noch 160 000 Deutschstämmige leben, bemüht sich seit der Wende die verschiedenen Völker zu einer Staatsnation zusammenzuführen“, berichtet Eisfeld.

In Russland, wo es 400 000 bis 500 000 Deutschstämmige gebe, propagiere der Staat seit einigen Jahren den Nationalismus, führt der Historiker aus.

Eine durch die Wende gedemütigte Nation komme wieder auf die Füße, müsse im Namen der „russischen Zivilisation“ ihr altes Imperium wieder herstellen, heiße es in den Staatsmedien. Diese Erzählung verfange auch bei Russlanddeutschen.

„Neben den Deutschstämmigen aus der ehemaligen Sojwetunion leben in der Bundesrepublik noch einmal drei Millionen russischsprachige Menschen – Unternehmer, Fachkräfte, Studierende, Eingeheiratete sowie die 200.000 jüdischen Kontingentflüchtlinge.

„Nach dem Krieg wird die Ukraine viel Geld für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur benötigen“

Die Community sei mit Blick auf den Krieg in der Ukraine gespalten. Eisfeld ist überzeugt, dass es den zum Kampf entschlossenen ukrainischen Soldaten mit der Waffenhilfe aus dem Westen in kommenden Monaten gelingen werde, die russische Armee aus dem Land zu drängen.

Russland werde die Ausrüstung ausgehen. Rüstungsfabriken ständen still, weil aufgrund der Sanktionen Elektronikteile fehlten. China helfe, aber nicht so stark wie der Kreml sich das wünsche.

„Nach dem Krieg wird die Ukraine viel Geld für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur benötigen“, betont der Historiker. Dann müsse sich das Land dem Problem der Korruption und der mangelnden Rechtsstaatlichkeit stellen.

Sie hätten bisher einer Annäherung an die Europäische Union im Wege gestanden. (Michael Caspar)

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