"Ohne Erlaubnis betrieben"

Bundes-Finanzaufsicht stoppt Einlagengeschäft von Göttinger Vermögensberater

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Verwaltungsgebäude der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: Es steht in Frankfurt am Main.

Göttingen – Ein 51-jähriger Vermögensberater aus Göttingen, der sich bereits mehrfach vor Gericht verantworten musste, hat von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen Riegel vorgeschoben bekommen.

Die BaFin hat einer von ihm betriebenen Kapitalanlagefirma in Göttingen sowie ihm als Geschäftsführer und einer weiteren Firma in Erfurt in einer Verfügung aufgegeben, „das ohne Erlaubnis betriebene Einlagengeschäft sofort einzustellen und unverzüglich abzuwickeln.“

Die BaFin beaufsichtigt und kontrolliert als Finanzmarktaufsichtsbehörde alle Bereiche des Finanzwesens in Deutschland. Wer in Deutschland Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen, Versicherungsgeschäfte, Investmentgeschäfte, Zahlungsdienste oder E-Geld-Geschäfte betreiben will, muss vorher die schriftliche Erlaubnis der BaFin einholen. Anderenfalls kann die Behörde diese Geschäfte untersagen. Die Behörde veröffentlicht ihre formellen Untersagungsverfügungen und Abwicklungsanordnungen auf ihrer Webseite. Interessierte können sich dort informieren, gegen welche Unternehmen und Personen die BaFin wegen unerlaubter Geschäfte eingeschritten ist.

Die Verfügung gegen den Göttinger Finanzdienstleister wurde bereits am 17. März erlassen. Darin heißt es, dass die betreffenden Unternehmen Privatanlegern Geldanlagen auf Festgeld- und Renditekonten anbieten. Damit betrieben die Unternehmen sowie deren Geschäftsführer das Einlagengeschäft ohne die erforderliche Erlaubnis der BaFin.

Der 51-Jährige, der sich auf diversen Internet-Portalen unter anderem als Jurist, Vermögensmanager und „Reichenflüsterer“ ausgegeben hat, hatte sich erst im vergangenen Herbst wegen besonders schweren Betruges vor dem Landgericht Göttingen verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, als Verantwortlicher einer Investment-Gesellschaft unter Vorspiegelung falscher Umstände in drei Fällen von Kunden Depotübertragungen im Gesamtwert von rund 60 000 Euro erschlichen zu haben. Außerdem habe er einen Kunden mit falschen Versprechen dazu bewegt, 100 000 Euro auf ein Gesellschaftskonto zu überweisen. Statt das Geld wie versprochen in festverzinsliche Papiere renommierter Unternehmen anzulegen, sei es für hochspekulative Finanzgeschäfte verwendet worden.

Am Ende des Prozesses wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Nach Ansicht des Gerichts ließ sich nicht mit der erforderlichen Gewissheit feststellen, dass die Depotübertragungen ohne Rechtsgrundlage erfolgt seien. Im vierten Fall habe der Angeklagte zwar absprachewidrig 100 000 Euro in Genussrechte investiert. Ob und welcher Schaden daraus entstanden sei, lasse sich aber nur durch ein aufwendiges und somit teures Gutachten klären. Der Angeklagte erhielt die Auflage, insgesamt 3000 Euro an das Hospiz an der Lutter sowie an den Förderverein für das Kinder- und Jugendhospiz „Sternenlichter“ in Göttingen zu zahlen.

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