Bundesgerichtshof bestätigt Haft für zwei Dorfbewohner

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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier waren die beiden Männer verurteilt worden.

Göttingen/Seulingen. Zwei Einwohner aus dem Dorf Seulingen im Eichsfeld müssen wegen einer brutalen Gewaltattacke gegen einen Nachbarn endgültig für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Revision der heute 32 und 28 Jahre alten Angeklagten gegen ein Urteil des Landgerichts Göttingen zurückgewiesen. Der BGH habe die Revision als offensichtlich unbegründet verworfen, teilte am Montag ein Gerichtssprecher mit. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Das Landgericht hatte im März dieses Jahres den 32-jährigen Familienvater zu einer Freiheitsstrafe von dreieineinhalb Jahren verurteilt. Der Angeklagte hatte im Herbst 2013 einem heute 72-jährigen Nachbarn mit einem Baseballschläger so heftig auf den Kopf geschlagen, dass dieser schwere Schädel- und Hirnverletzungen erlitt und seitdem ein Pflegefall ist.

Sein 28-jähriger Cousin, der ebenfalls an der nächtlichen Aktion beteiligt gewesen war, erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Der Fall hatte damals großes Aufsehen erregt. Bis zuletzt blieb unklar, warum die Angeklagten sich zu dieser folgenschweren Gewalttat hatten hinreißen lassen. Es hatte zwar zuvor wiederholt Konflikte zwischen einheimischen Dorfbewohnern und der Familie des 72-Jährigen gegeben, die ein Jahr zuvor nach Seulingen gezogen war. Die Angeklagten waren aber in keine dieser Streitereien verwickelt gewesen. In der Tatnacht waren sie zunächst bei einem Fest im Nachbardorf gewesen, wo diese Konflikte ebenfalls Thema waren. Nach Ansicht des Gerichts hatten sich die beiden Cousins daraufhin entschlossen, etwas gegen die Familie zu unternehmen. Vermummt und mit Baseballschlägern bewaffnet zogen sie vor das Nachbarhaus und warfen mehrere Böller. Als der 72-Jährige daraufhin aus dem Haus kam, schlug ihm der 32-Jährige mit dem Baseballschläger gegen den Kopf. Dieser erlitt einen Schädeltrümmerbruch und Hirnblutungen.

Als die Polizei zum Tatort mit dem schwer verletzten Opfer kam, standen dort johlende und grölende Menschen herum. „Endlich macht mal jemand was“, habe jemand gesagt, berichtete eine schockierte Polizistin.

Für den Vorsitzenden Richter Ralf Günther war der Prozess „einer der schwierigsten Fälle überhaupt“, der ihm in seiner bisherigen Laufbahn begegnet sei. Um den Tathergang und die Motivation der Angeklagten zu ergründen, hatte die Kammer knapp zwei Dutzend Zeugen – darunter auch zahlreiche Dorfbewohner – vernommen, war aber „auf eine Mauer des Schweigens“ gestoßen. Manche Zeugen hätten das Gericht sogar bewusst belogen.

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