Streik-Woche

Eine Woche lang: Camping for Future in Göttingen

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Climate for Future – Camping for Future: Zelte und „offene“ Wohnzimmer stehen auf dem Platz vor dem Deutschen Theater in Göttingen. Die Aktion dauert bis Freitag. 

Der Platz vor dem Deutschen Theater (DT) hat sich über Nacht in ein Protest-Camp verwandelt. Am Montag hat „Fridays for Future“ auf dem Platz vor dem Deutschen Theater ein Klimaschutz-Camp aufgebaut.

Fünf große Zelte und einige kleine Pavillons stehen zwischen den Bäumen. Bis Freitag wollen die jungen Leute bleiben. „Wir bestreiken so lange auch die Schule“, sagt Paula Lüers, die auch bei „Fridays for Future“ mitmacht. Aufgespannte Transparente zeigen, dass hier für mehr Klimaschutz demonstriert wird. „Fridays for Future“ veranstaltet in dieser Woche Vorträge, Workshops und Aktionstrainings. Abends werden Filme gezeigt.

Das „Wohnzimmer“ hat keine Wände, keine Decke und keinen Fußboden. Wer sich dort aufhält, sitzt unter freiem Himmel auf Campingstühlen, alten Sofas und Strohballen. „Das ‘Wohnzimmer’“, sagt Gianna Mascioni von der Ortsgruppe von „Fridays for Future“, „ist der Versammlungsort. Hier machen wir unser Plenum und besprechen Aktionen.“

Die Klimabeschlüsse der Bundesregierung taugten nichts, seien völlig unzureichend: „Die Demos am Freitag waren nur der Anfang. Wir machen so lange weiter, bis es konkrete und wirksame Maßnahmen gegen die Klimakrise gibt“. Allenfalls Abitur relevante Klausuren wollen die Schüler mitschreiben. 

Lebensmittel, Zelte und Stühle wurden gespendet

Jeder Tag im Camp beginnt mit einem Frühstück. Im Küchenzelt, das ebenso wie die Schlafzelte von der Jugendorganisation „Die Falken“ gestellt wurde, stapeln sich Lebensmittel auf mehreren Tischen. „Alles ist gespendet“, sagt Mascioni: Das Obst und Gemüse kommt von der Gruppe „Veggietag“, Getränke von einem Bio-Großhandel, Brote und Aufstrich brachten Nachbarn vorbei. 

Die „Parents for Future“ organisierten Kocher und Geschirr. Das Göttinger Umwelt- und Naturschutzzentrum stellt Stühle und Sofas, die „Farmers for Future“ luden Strohballen ab. Am Rand stehen zwei Toilettenhäuschen. „Wir dürfen aber auch im Theater aufs Klo gehen,“ sagt Mascioni. Auch Strom und Wasser kann im DT kostenlos „gezapft“ werden.

Aktionen im Camp: Seminare, Vorträge und Workshops

Fast rund um die Uhr gibt es im Camp Aktionen, Veranstaltungen und Workshops zum Klimaschutz und anderen politischen Themen. Am Dienstag bot „Fridays for Future“ ein „Aktionstraining“ an, für den Nachmittag war ein öffentliches Seminar über „Framing“ angekündigt – eine manipulative Kommunikationsstrategie. Die „Scientists for Future“ wollen am Mittwoch einen Vortrag über die Auswirkungen der Klimakrise auf die Kakaoproduktion halten.

Am Donnerstag leitet die Göttinger Sterneköchin Jacqueline Amirfallah eine Kreativ-Werkstatt Kochen. Anschließend referiert der Verein Seebrücke über die Zusammenhänge von Flucht, Migration und Klimawandel.

Zum Abschluss des Camps am Freitag ist eine "öffentlichkeitswirksame Aktion“ in der Stadt angekündigt, Einzelheiten dazu wollen die Aktivisten noch nicht verraten.

VON REIMAR PAUL

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