Geschäftsführer fordert Hilfen

Öffentlicher Nahverkehr: Corona hat drastische Auswirkungen

Eine Frau trägt eine Atemschutzmaske. Sie steht vor einem Bus.
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Die Corona-Krise hat drastische Auswirkungen auf den Nahverkehr in Göttingen.

Der öffentliche Personennahverkehr musste wegen der Corona-Krise starke Einschränkungen in Kauf nehmen. Im Interview erklärt der Chef vom Verkehrsverbund die Auswirkungen.

Göttingen – Wir sprachen mit Michael Frömming, Geschäftsführer des Zweckverbandes Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN), über die Auswirkungen – insbesondere auf den Busverkehr.

Wirbt für den Nahverkehr in Corona-Zeiten: Michael Frömming ist Geschäftsführer des Zweckverbandes Verkehrsverbund Südniedersachsen.
Es besteht weiterhin Ansteckungsgefahr: Wie kann man Corona-Infektionen in öffentlichen Verkehrsmitteln verhindern?
Ganz einfach: Durch ständige Hygiene-Maßnahmen, die im Bereich des Verkehrsverbandes Südniedersachsen durch die Unternehmen umgesetzt werden. Beispielsweise werden viele Busse am Göttinger Bahnhof deutlich mehr als üblich gereinigt und die Haltestangen desinfiziert. Das Fahrpersonal wird auch zusätzlich durch Plexiglasscheiben geschützt.
Wie sieht es mit der Akzeptanz des Maskengebots im Nahverkehr in Südniedersachsen?
Über 90 Prozent der Fahrgäste setzen die Maske auf. Bei Zuwiderhandlungen wird freundlich ermahnt. Wenn ein Fahrgast sich partout weigert, wird er von der Fahrt ausgeschlossen.
Wie wird das Maskengebot in Südniedersachsen kontrolliert beziehungsweise geahndet?
Der Busfahrer kontrolliert das Maskengebot. In Ausnahmefällen muss die Polizei oder das Ordnungsamt eingreifen, um das Hausrecht und den Hygieneschutz durchzusetzen. Alles in allem läuft es gut. Ich fahre selbst oft mit den Bussen und habe keine Probleme feststellen können.
Wie ist es um Verkehrsunternehmen in Südniedersachsen in der Corona-Krise finanziell bestellt?
Wir haben einen prognostizierten Verlust für die Unternehmen in Südniedersachsen bis zum Jahresende von 3,2 Millionen Euro. Dieser Betrag fehlt allen Unternehmen zusammen in den Kassen und muss durch die öffentliche Hand ausgeglichen werden, um den Betrieb dauerhaft aufrecht erhalten zu können.
Wie wird den Unternehmen geholfen?
Es gibt glücklicherweise den ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes und der Länder, der die meisten Verluste ausgleichen soll.
Was hat der ZVSN unternommen, um die Verkehrsbetriebe zu unterstützen?
Wir haben frühzeitig die Landesregierung um Unterstützung gebeten. Niedersachsen hat dankenswerterweise sehr stark für den Rettungsschirm beim Bund engagiert. Außerdem hat das Land selbst zusätzliche finanzielle Unterstützung zugesagt. Einige Unternehmen betreiben neben Linien- auch Reisebusse. Deshalb hat der ZVSN auch diese Problemlage gegenüber dem Land artikuliert, weil sonst Nahverkehrsangebote in der Region wegfallen könnten.
Könnte es Unternehmen geben, die durch die Krise Insolvenz anmelden müssen?
Aktuell gibt es in Südniedersachsen keinen Fall. In anderen Regionen, zum Beispiel in der Eifel, ist dies schon eingetreten. Das ist eine Katastrophe für den Unternehmer, die Mitarbeiter, die Fahrgäste und den Verkehrsverbund.
Was können Fahrgäste tun, um die Situation für die Unternehmen zu verbessern?
Einfach wieder mehr in Bus und Bahn einsteigen. Die Situation hat sich schon verbessert. Am Ende war der Nahverkehr nur zu zehn Prozent ausgelastet. Inzwischen liegen wir bei 60 Prozent. Da ist noch Luft nach oben. Es ist wichtig, dass die Fahrgäste Bus und Bahn wieder Vertrauen schenken. Schließlich wollen wir die Verkehrswende und damit mehr Fahrgäste als vor Corona. (Bernd Schlegel)

Frömming ist studierter Politikwissenschaftler

Michael Frömming (50) ist studierter Politikwissenschaftler. Er stammt aus Rotenburg (Wümme) und engagierte sich über 20 Jahre beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Niedersachsen. Von 1999 bis 2011 war Michael Frömming Koordinator internationaler Verkehrsprojekte beim Bremer Senat und von 2011 bis 2016 als parteiloser Berater der grünen Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz tätig. Um das Thema Verkehr einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen, gründete er den Spezialverlag „Laut und Gleise“. Er ist ledig und pendelt am Wochenende nach Mainz.

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