450 Luftballons für Stefan Hell

Göttinger Max-Planck-Institut nahm Nobelpreisträger in Empfang

Die Überraschung ist gelungen: Mitarbeiter des Göttinger Max-Planck-Instituts organisierten still und hemlich eine Willkommensfeier für den Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell. Foto: Niemann

Göttingen. Eigentlich wollte der frisch gebackene Nobelpreisträger Stefan Hell am Donnerstagnachmittag nur mit Kollegen einen Kaffee trinken gehen. Doch dann kam alles ganz anders.

Im Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie warteten bereits 450 Mitarbeiter, Freunde und Verwandte bewaffnet mit Nobelpreis-Luftballons, um den Stockholm-Heimkehrer zu begrüßen. „Eine Stunde lang haben fünf unerschrockene Mitarbeiter die Luftballons mit Helium gefüllt“, verriet MPI-Pressesprecherin Dr. Carmen Rotte.

Als Chemie-Nobelpreisträger Hell schließlich um kurz nach 15 Uhr den Raum betrat, ließen die Gäste die typisch schwedisch blauen und gelben Ballons mit seinem Konterfei darauf empor steigen. Statt eines Kaffees bekam der überraschte 51-Jährige einen Sekt in die Hand gedrückt. Klammheimlich hatten die Institutsmitarbeiter eine „Welcome Back From Stockholm“-Party (Deutsch: „Willkommen zurück aus Stockholm“-Feier) für Hell organisiert.

Eine besondere Überraschung hatte der geschäftsführende Direktor des Instituts, Prof. Dr. Gregor Eichele, für den überwältigten Forscher parat. Er überreichte dem Chemie-Nobelpreisträger einen Chemie-Baukasten: „Damit Sie sich endlich einige Chemie-Kenntnisse aneignen können“, frotzelte er. Tatsächlich hatte der Physiker bislang kein besonderes Faible für die Chemie gehabt, in der Schule hatte er das Fach nach der zehnten Klasse abgewählt.

Auch der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Martin Stratmann, hatte Hell einzig als Kandidaten für den Physik-Nobelpreis gesehen. „Ich war ganz schön enttäuscht, als sein Name nicht gefallen ist“, erklärte er den Gästen. „Und dann hieß es auf einmal, er gewinnt die Auszeichnung in Chemie. Wer rechnet denn mit sowas?“

Stratmann hob besonders Hells Forscherleistung hervor. Der Preis sei aber auch eine Belohnung für eine „tolle Leistung“ des Göttinger Max-Planck-Instituts, das inzwischen vier Nobelpreisträger hervorgebracht habe. Zwei von ihnen - Erwin Neher und Manfred Eigen - waren ebenfalls zur Feier gekommen.

Nobelpreis-Überraschungsfeier für Stefan Hell

Sichtlich gerührt bedankte sich Hell anschließend bei allen, die ihn auf seinem Weg zum Nobelpreis begleitet und unterstützt hatten: „Ich darf an einer der besten Forschungseinrichtungen der Welt mit super Kollegen arbeiten.“ Jeder Wunsch würde einem von den Augen abgelesen und kompetent umgesetzt. Im Gesamtpaket sei das die beste Voraussetzung, um „Spitzenforschung zu machen“ , so der 51-Jährige. Jungen Mitarbeitern gebe er immer folgendes mit auf den Weg: „Ihr werdet hier höchstes gehemmt durch eigene Dummheit oder durch Faulheit - beides kann man abstellen.“

Im Anschluss an die interne Feier fand noch ein offizieller Festakt für den Nobelpreisträger in der Aula der Universität Göttingen statt. Danach freute sich Stefan Hell vor allem auf eines: Endlich mal wieder auszuschlafen.

Von Jasmin Paul und Heidi Niemann

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