Cindy aus Marzahn in der Göttinger Lokhalle: Pink und dick sein ist Kult

Cindy aus Marzahn in der Göttinger Lokhalle: Künstlerin Ilka Bessin überzeugte ihre Fans mit ihrer vierten Bühnenshow. Foto: Niesen

Göttingen. Sie ist derb, vulgär, zotig, witzig, spontan und mit einem riesengroßen Herzen ausgestattet. Cindy aus Marzahn überzeugte ihre Fans in der ausverkauften Göttinger Lokhalle mit ihrem neuen Bühnenprogramm „Ick kann ooch anders“.

Wie sehr die 44-Jährige mit ihren Themen den Nerv trifft und zur Identifikationsfigur wird, zeigte ein Blick ins Publikum. Da waren pinkfarbene Leuchtkrönchen zu sehen und der eine oder die andere hatte sich einen pinkfarbenen Hausanzug angezogen, das absoluten Markenzeichen von Cindy aus Marzahn.

Ausgaben davon verschenkte sie gleich mehrfach an Fans, die sie sich für ihre Späße aus dem Publikum holte. So wie David, einen 32-jährigen Soldaten aus Nordhausen, dem sie erst Respekt für seinen verantwortungsvollen Job zollte und dann als profanen Halter für einen Liedtext benutzte.

Ganz ernst wurde sie, als sie klar machte, dass sie von Nazis nichts hält: „Rechts ist definitiv Scheiße.“ Stattdessen warb sie für Toleranz und ihren Traum: „Die ganze Welt reicht sich die Hände.“

Dass bei allem Spaß hinter der Berliner Schnauze ein verletzlicher Kern steckt und sie wie jeder andere das Gefühl braucht, geliebt und anerkannt zu werden, wurde in den kleinen Sketchen über die Suche nach der neuen, besten Freundin und dem Mann für Leben deutlich. „Ich will einen Kerl haben, der der Kuh das Steak aus dem Arsch reißt – mit den Zähnen.“

Komisch und berührend zugleich sind auch die Schilderungen über die Auseinandersetzungen mit ihrer Sachbearbeiterin im Arbeitsamt. Sie soll, so hält sie in ihrem Testament fest, ihr Sparbuch erhalten – auf dem allerdings nichts ist. „Wie du mir, so ich dir.“

Künstlerin Ilka Bessin war vor ihrer Karriere als Cindy selbst vier Jahre arbeitslos, kennt die Nöte, mit einem Minimum auskommen zu müssen. Wenn sie daraus die schräge Forderung „Mindestlohn nach Körpergewicht“ ableitet, ist er wieder da, der wahre Kern hinter der scheinbar unerschütterlichen Fröhlichkeit und Derbheit, die sich sonst in Pointen äußert wie: „Meine Winkearme – da kannste einen Waldbrand mit aus machen.“ Oder: „Wenn ich furze, denken die Nachbarn, ick räum die Wohnung aus.“

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