Comeback für Tante Emma?

Stadt Göttingen will Nahversorger in den Wohnquartieren fördern

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Positives Beispiel in der Uni-Stadt: Der Rewe-Markt an der Langen-Geismar-Straße in der Göttinger Innenstadt dient als Nahversorger.

Der gute alte Tante-Emma-Laden hat schon lange ausgedient. Auf ein Lebensmittelgeschäft in direkter Nachbarschaft wollen viele Menschen dennoch ungern verzichten.

Aktuell können jedoch nur rund die Hälfte der Göttinger einen Nahversorgungsmarkt innerhalb von zehn Minuten zu Fuß erreichen. Deshalb will die Stadt ihr Nahversorgungskonzept überarbeiten.

Um das Konzept von 2013 möglichst sinnvoll zu aktualisieren und zu vertiefen, hat die Stadt Göttingen die Marktforschungsgesellschaft GMA beauftragt. „Wir wollen der Stadt Göttingen helfen“, sagte Monika Kollmar, Niederlassungsleiterin der GMA in Köln, beim „Forum Nahversorgung“ im Neuen Rathaus. Dort stellten Stadtbaurat Thomas Dienberg und die Marktforschungsgesellschaft gemeinsam ihre Planungen vor.

„Auf den ersten Blick ist die Nahversorgung in Göttingen sehr gut. Wenn man aber konkreter schaut, ist da doch die ein oder andere Lücke“, erklärte Dienberg. Insbesondere in kleineren Ortsteilen und den Wohnquartieren am Rand der Kernstadt, aber auch in Teilen von Geismar, Weende oder der Oststadt können Menschen oft nicht in unmittelbarer Wohnnähe einkaufen. Dabei geht es nicht nur um die Nahversorgung an sich, wie Maik Lindemann vom Fachdienst Planung, Bauordnung und Vermessung, betonte: „Das hat für uns auch mit dem Quartiers- und Stadtleben zu tun. Es geht auch um die städtebauliche Qualität.“

Als Vorbild für das überarbeitete Konzept könnte die Innenstadt dienen. Dort gebe es bereits viele kleinere Supermärkte und auch andere Einzelhändler, die zudem gut verteilt seien, erklärte Kollmar, die ein besonderes Augenmerk auf eine ausgewogene räumliche Verteilung legen will. Dabei gebe es noch keinen konkreten Plan. „Wir wollen zunächst einen Austausch zwischen den Einzelhändlern und der Lokalpolitik, damit jeder die Bedürfnisse der anderen kennenlernt.“

Interessen der großen Ketten

Das größte Problem bei der Nahversorgung stellen aber die Interessen der großen Supermarkt- oder Warenhausketten dar. Kleine Läden seien oft nicht rentabel genug, erläuterte Lindemann. „Supermärkte werden immer größer und dadurch auch seltener.“ Die Betreiber bevorzugten vor allem autofreundliche Standorte, wie Kristin Lorenz von der Stadt Göttingen sagte. Gemeint sind große Einkaufszentren mit riesigen Parkplätzen, die häufig in Gewerbegebieten oder Autobahnnähe liegen.

Die Stadt will diesem Trend entgegenwirken, wie Dienberg betonte: „Das Ziel ist es, die Strukturen in etwas benachteiligten Gebieten zu verbessern.“ Lorenz ergänzte: „Wir haben vor, möglichst allen Bevölkerungsteilen an allen Orten in Göttingen eine Nahversorgung zu bieten.“ Dabei schwebt der Stadt ein anderes Modell vor, als etwa bei vielen Aldi-Märkten, die in eingeschossigen „Hütten“ untergebracht sind und häufig über einen platzraubenden Parkplatz verfügen.

Lindemann sprach sich für mehrgeschossige Häuser aus – mit Wohnungen in den oberen Stockwerken. Dort könnten aber auch Friseure, Nagel- oder Sportstudios untergebracht werden. „So bringt man verschiedene Angebote zusammen“, erläuterte Lindemann.

Auch das trägt wieder zur Lebensqualität bei. Einziges Problem: Der Lärmschutz ist manchmal kompliziert, etwa wenn frühmorgens die Ware mit großen Lastwagen angeliefert wird.

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