Interview mit Literaturherbst-Geschäftsführer Johannes-Peter Herberhold

Corona beeinflusst auch den Göttinger Literaturherbst

Literaturherbst Göttingen: Dr. Joachim Kreuzburg und Johannes-Peter Herberhold.
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Dynamisch in den „Herbst“: Literaturherbst-Geschäftsführer Johannes-Peter Herberhold (rechts) und Dr. Joachim Kreuzburg vom Hauptsponsor Sartoirus, der auch die Übertragung der Veranstaltungen im Netz ermöglicht.

Der Göttinger Literaturherbst legt ab Freitag so richtig los – aber es bleiben viele Fragezeichen, die vom Verlauf der Corona-Pandemie gesetzt werden.

Göttingen – Wir sprachen mit Literaturherbst-Geschäftsführer Johannes-Peter Herberhold über die Auswirkungen und Neuigkeiten. Eine ist, dass Robert Seethaler am Sonntag nicht anreisen und im Deutschen Theater lesen wird.

Herr Herberhold, Robert Seethaler wird nicht kommen, wird es weitere Absagen geben?
Wir können das nicht ausschließen, vor allem, weil wir nicht wissen, wie es mit der Pandemie und den Fallzahlen weitergeht. Fakt ist: Wir fahren auf Sicht, das haben wir mit der Stadt und unserem Hauptsponsor Sartorius abgestimmt.
Hat sich bezüglich der Hygiene- und Abstandsregelungen sowie der Sitzplatzkapazität noch etwas verändert?
Seit der letzten Vorgabe des Landes vor einer Woche nicht. Die Reduzierung des Abstandes in Räumen mit Hochleistungslüftungsanlagen von 1,50 Meter auf einen Meter hat bei uns nur mehr Plätze in der PS-Speicher-Halle in Einbeck gebracht. Die 50 zusätzlichen Tickets sind verkauft. Für die Lokhalle wären mehr Plätze möglich gewesen, dort stoßen wir aber an die geltende Obergrenze von 500 Gästen. Für die drei Veranstaltungen dort mit Achim Reichel, Anna Thalbach sowie Cordula Stratmann und Edin Hasanovic gibt es übrigens noch Karten, während sonst fast alle Veranstaltungen ausverkauft sind.
Warum gibt es für die Lokhalle noch Karten?
Nun, der Vorverkauf lief sensationell an, dann verschärfte sich die Corona-Krise samt der Warnungen durch Kanzlerin Angela Merkel. Die Leute sind vorsichtig geworden, die Angst ist gewachsen. Das ist verständlich, aber ich kann sagen: Wir haben hohe Sicherheitskonzepte, in den Hallen und Sälen ist viel Luft, Begegnungen werden vermieden, das Verlassen ist schnell möglich – wir spielen also nur an Orten, wo wir weitestgehend sicher sind. Bei derartigen öffentlichen Veranstaltungen mit entsprechenden Sicherheitskonzepten ist meines Wissens auch noch keine große Infektionswelle entstanden.
Wie waren die Erfahrungen nach den ersten Veranstaltungen des Festivals am vergangenen Wochenende?
Die ausverkaufte Lesung mit der Buchpreisträgerin Anne Weber am vergangenen Samstag im Alten Rathaus hat gezeigt, dass die Menschen kommen, aber nach der Lesung auch schnell wieder gegangen sind. Das ist scheinbar typisch und verständlich.
Wie ist die Resonanz auf das 18-Euro-Literaturherbst-On-Air-Ticket, mit dem die Veranstaltungen auch zu Hause und auf mobilen Geräten geschaut werden können?
Wir haben mehr als 2000 verkauft, 30 000 sind für Studierende kostenlos freigeschaltet worden. Bei Anne Weber waren 72 Gäste im Saal, mehr als 700 haben länger als zwölf Minuten online zugeschaut. Sehen wir es positiv: Mit diesen Besuchern werden wir zusätzlich zu den 4500 verkauften Karten für die Veranstaltungsorte am Ende einen Besucherrekord vermelden können. Die eingeschränkte Platzkapazität bei den Veranstaltungen sorgt natürlich für mehr Nachfrage bei dem OnAir-Ticket. Ein Beispiel: Für die Lesung mit dem Göttinger Rechtsanwalt und Roman-Autor Markus Thiele hätten wir 500 Karten verkaufen können, es finden aber nur 30 Gäste im Gerichtssaal Platz.
Wie erfahren Gäste, die Karten gekauft haben, ob Veranstaltungen abgesagt werden?
Wir teilen das über die Medien, unsere Internetseite und die sozialen Netzwerke mit. Man sollte immer wieder nachschauen. Wir versuchen, alles was in unserer Kraft steht zu unternehmen, damit die Veranstaltungen über die Bühne gehen. Uwe Timm, der heute auf dem Sartorius-Campus auftritt, wird per Auto in München abgeholt, weil er das Risiko einer Bahnfahrt nicht eingehen wollte. Klar ist aber auch: Es kann Absagen geben. Wir fahren auf Sicht – und zwar so lange man fahren kann und darf. (Thomas Kopietz)

Aktuelle Programminfos und OnAir-Tickets gibt es hier.

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