Justiz

Amtsgericht Göttingen im Corona-Modus: Freiheitsentzug per Videochat

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Richter Dr. Oliver Jitschin (links) im Gespräch mit Gerichtsmitarbeiter Hermann Capelle via Skype. So sehen die Anhörungen mit dem Videochatdienst mit Ärzten und Patienten aus. 

Corona-Krise in Göttingen: Im Amtsgericht wird nun der Freiheitsentzug per Videochat verkündet. 

  • Die Corona-Krise trifft auch die Justiz in Göttingen.
  • Viele Mitarbeiter des Amtsgerichts Göttingen arbeiten im Homeoffice.
  • Für eilige Verfahren kommt auch der Videochat zum Einsatz.

Das öffentliche Leben brennt seit der Corona-Krise auf Sparflamme. Auch die Justiz spürt die Ausbreitungen des Coronavirus - wie das Göttinger Amtsgericht. Viele Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice. Pro Abteilung ist nur noch ein Richter im Gebäude. Die meisten Prozesse sind verschoben. Nur eilige Verfahren werden noch vor Ort verhandelt - und einige per Videochat.

Corona in Göttingen: Anhörungen

Darunter fallen Anhörungen nach dem sogenannten „Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke“ (PsychKG). Dabei handelt es sich um ein Landesgesetz, das die freiheitsentziehende Unterbringung psychisch kranker Menschen im Falle akuter Selbst- oder Fremdgefährdung in einer Psychiatrie regelt. „Ein Freiheitsentzug muss so schnell wie möglich von einem Richter überprüft werden“, erklärt Dr. Oliver Jitschin. Der Ermittlungsrichter am Göttinger Amtsgericht ist seit zwei Wochen durchschnittlich dreimal pro Tag in die Asklepios Klinik oder in die Universitätspsychiatrie live zugeschaltet.

Corona in Göttingen: Videochat per Skype

Dafür nutzt der 48-Jährige den Videochat-Anbieter Skype. Erst sei er skeptisch gewesen, ob er die Atmosphäre gut einfangen könne, wenn er mit einem Arzt und dem Betroffenen spricht. „Ich bin erstaunt, wie gut das funktioniert“, sagt Jitschin. Denn letztlich laute das Motto: „Lieber Skype als gar nicht“.

Corona in Göttingen: Arzt schildert Vorfall

Bei einer Anhörung schildert ein Arzt den Vorfall. Dann darf der Betroffene Stellung dazu nehmen. Die meisten Patienten leiden unter Psychosen und Wahnvorstellungen. Im Anschluss entscheidet ein Richter, ob der Freiheitsentzug rechtens ist. Dieser könne für sechs Wochen bewilligt werden. Eine einmalige Verlängerung auf bis zu drei Monate ist möglich.

Corona in Göttingen: Verzicht auf persönliche Termine

Auf persönliche Anhörungen müssen die Richter während der Coronakrise verzichten. „Es wäre eine richtige Katastrophe, wenn das Coronavirus in einer geschlossenen Station ausbrechen würde“, meint Jitschin. Per Skype könne sich der Richter ein gutes Bild von der jeweiligen Situationen - völlig gefahrlos für alle Beteiligten.

VON JAN-FREDERIK WENDT

Weitere Neuigkeiten rund um den Coronavirus in der Region Göttingen finden Sie im News-Ticker. 

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