Kultureinrichtungen leiden unter Corona

Folgen der Corona-Krise: Clubs, Discos und Solo-Selbstständige stehen unter Druck

Im Fokus steht Gabriele Andretta, die mit einem älteren Mann spricht.
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Hannover: Gabriele Andretta, Landtagspräsidentin von Niedersachsen, empfängt die Besucher am Tag der offenen Tür im niedersächsischen Landtag (Symbolbild).

Selbstständige Künstler und privat betriebene Clubs sind bisher bei Corona-Hilfen weitgehend leer ausgegangen. Deshalb gibt es Kritik.

Göttingen – Darauf hat der Geschäftsführer des Landschaftsverbands Südniedersachsen, Olaf Martin, die Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtags, Gabriele Andretta (SPD), bei deren Besuch hingewiesen. Sie besuchte den Verband, der unter anderem mit Landesmitteln das Kulturleben fördert.

„Private Musikclubs erhalten anders als Kultureinrichtungen wie Theater bisher keine öffentliche Unterstützung, da sie nicht gemeinnützig sind“, führte Martin aus. Das beunruhigt auch Gabriele Andretta. Sie fürchtet gar um den Fortbestand der „lebendigen, vielfältigen Szene“ in Göttingen.

Soloselbstständige Künstler, sagt Martin, lebten derzeit oft von ihren Ersparnissen. Dort zeichne sich jedoch eine Wende ab. Im Gespräch sei, dass die öffentliche Hand Veranstaltern die Gagen und Honorare von Künstlern zu 100 Prozent erstatte. Das würde diesen die Ausrichtung von Kulturveranstaltungen unter Corona-Auflagen erleichtern und so mittelbar den Soloselbstständigen zugutekommen.

Kritk äußerte der Geschäftsführer am Corona-Sonderprogramm für gemeinnützige Kultureinrichtungen und -vereine, das das Land im Juni aufgelegt hat. Sein Verband, so Martin, habe bisher nur ein Drittel der ihnen insgesamt zur Verfügung stehenden knapp 150 000 Euro ausschütten können.

Der Grund: Auf Anweisung des Finanzministeriums in Hannover würden Personalkosten nicht erstattet. Diese bildeten aber bei den Einrichtungen und Vereinen den größten Kostenblock. Und: Sie könnten das Kurzarbeitergeld vielfach nicht nutzen, da sie ihre Mitarbeiter oft nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigten.

Unzufrieden ist Martin mit dem Bund. Dieser stelle der Kultur zwar mittlerweile viel Geld bereit, doch das Beantragen der Corona-Hilfen sei „extrem aufwändig“. Das überfordere kleine Kultureinrichtungen. Der Geschäftsführer warb dafür, dass der Bund die Hilfen von den Ländern und Kommunen verteilen lässt.

Martin machte sich für den Ausbau von Strukturförderungen anstelle der bisher gepflegten Projektförderung stark. „Statt mit der Gießkanne herumzulaufen, macht es mehr Sinn, den Grundwasserspiegel zu erhöhen“, sagte der Geschäftsführer.

Die damit angesprochene Gabriele Andretta versprach, sich dafür auf Landesebene einzusetzen. Der Landschaftsverband kenne „die vielen kleinen freien Träger des Kulturlebens“ besser als die Behörden in Hannover oder Berlin. Das Land Niedersachsen wolle daher die Mittel für die Landschaftsverbände in Niedersachsen vom kommenden Jahr an dauerhaft aufstocken.

Kultureinrichtungen bauten Brücken zwischen Menschen und Völkern, betonte die Landtagspräsidentin. Sie seien daher unverzichtbar in einer Demokratie und nicht nur „die Kirsche auf der Torte“.

„Danke für dieses Bekenntnis“, erwiderte Dr. Peter Götz von Olenhusen, der Vorstandsvorsitzende des Landschaftsverbands. (Michael Caspar)

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