Wildtiermärkte bleiben Gefahr

Corona-Forscher fordern Regulierung und Tierschutz

Dr. Trishna Dutta
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Dr. Trishna Dutta

Weitere Epidemien und Pandemien die von tierischen Wirten ausgehen und auf Menschen übertragen werden, sind unvermeidlich, wenn nicht schnell Maßnahmen ergriffen werden.

Göttingen – Davon geht ein internationales Forschungsteam, darunter auch Wissenschaftlerinnen der Abteilung Wildtierwissenschaften der Uni Göttingen, aus. So müsse der Handel mit Wildtieren weltweit wirksam reguliert, die Lebensräume der Tiere geschützt und das Zusammentreffen von Mensch, Wild- und Nutztieren eingeschränkt werden.

Nur so könne man sich vor künftigen Pandemien, die noch schwerwiegender als Covid-19 sein könnten, schützen, heißt es in der Studie, die in „Trends in Ecology & Evolution“ erschienen ist.

Wie real die Gefahr weiterer super-gefährlicher Infektionskrankheiten ist, zeigt, dass seit 1990 die Mehrzahl der Krankheitserreger, die der Gesundheit und der Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt haben, von Wildtieren oder Nutztieren ausgegangen sind. Es waren Ebola, Aids und SARS. Covid-19 ist einer der jüngsten dieser Zoonosen, eine Pandemie, die weltweit bisher mehr als eine Million Todesopfer gefordert hat.

Zwei Hauptfaktoren erleichtern die Ausbrüche: der Handel mit Wildtieren und die Zerstörung des Lebensraumes – Folge sind häufigere direkte Kontakte zwischen Mensch und Wild. Die Tiere werden zudem auf überfüllten Wildtiermärkten unter unhygienischen verkauft – eine perfekte Umgebung für Krankheitserreger und das Überspringen auf Menschen.

China, Vietnam und Korea haben seit dem Covid-19-Ausbruch Kontrollen des Wildtierhandels eingeführt. So bleiben die Tierbestände erhalten, ebenso die Einkünfte aus dem Verkauf für die Bauern. Die Forscher raten so auch von einem fixen Verbot der Tiermärkte ab, zunächst müssten andere Einkünfte ermöglicht werden. Zurzeit würde alle Energie in den Umgang mit Covid-19 konzentriert. „Aber um den nächsten Ausbruch, zu verhindern, muss erkannt werden, dass sich die Beziehung des Menschen zur Natur ändern muss“, sagt Dr. Trishna Dutta von der Uni Göttingen. (Von Thomas Kopietz)

Erregersprung auf Menschen: Zoonose

Eine Infektionskrankheit, die durch einen Erreger verursacht wird, der vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist, wird als Zoonose bezeichnet. Erreger können zum Beispiel Bakterien, Viren oder Parasiten sein. Im Fall Corona und Covid-19-Erkrankung geht man davon aus, dass der Sprung der Erreger vom Tier auf den Menschen über Fledermäuse auf einem Wildtiermarkt in Wuhan (China) entstand. Weltweit gibt es weiter unkontrollierte Wildtiermärkte.

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