Dramatische Lage in der Gastro-Branche

Gastronom und Hotelier Olaf Feuerstein: „Wir brauchen ein Hilfspaket“

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Olaf Feuerstein ist seit einigen Jahren Vorsitzender des Kreisverbandes Göttingen-Duderstadt des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes.

Die Gastronomie- und Hotelleriebranche trifft die Corona-Krise mit voller Wucht. Dringend wird nun um Unterstützung gebeten. 

Die Gastronomie- und Hotelleriebranche trifft die Corona-Krise mit voller Wucht. Olaf Feuerstein, Vorsitzender des Kreisverbandes Göttingen-Duderstadt im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), fordert Unterstützung.

Was hat die Öffnung der Restaurants für die Betreiber gebracht?

Wer glaubt, dass durch die Öffnung jetzt alles in Ordnung ist, sieht sich getäuscht. Gerade jetzt ist die Auslastung noch zu gering. Die Erlöse können die Kosten derzeit noch nicht aufwiegen. Deshalb ist die Lage für viele Betriebe weiterhin dramatisch. Durch Abstands- und Hygieneregeln können weniger Gäste kommen.

Lohnt sich es sich trotzdem, die Restaurants zu öffnen?

Ja, damit uns die Gäste nicht vergessen. Viele freuen sich wieder, dass sie wieder in ein Restaurant gehen können. Die aktuelle Situation dient zur Eingewöhnung an die neuen Regeln.

Wie reagieren die Gäste auf die Corona-Regeln?

In vielen Restaurants stehen zum Teil weniger als die Hälfte der üblichen Plätze für Gäste zur Verfügung. Die Gäste wussten, was auf sie zukommt. Es gibt aber viele Nachfragen, weil das Regelwerk zum Teil etwas unverständlich ist.

Wie hoch sind die Verluste für die Gastronomie-Branche in Südniedersachsen durch die Pandemie?

Das kann man nicht genau sagen. Die Betriebstypen sind höchst unterschiedlich. Einige Betriebe konnten einen Teil ausgleichen, weil sie einen erfolgreichen Liefer- und Abholservice installiert haben, den viele Gäste gern angenommen haben. Die Umsatzverluste liegen in manchen Bereichen bei bis zu 95 Prozent.

Wie steht es um die Hotel-Branche?

Zum Teil noch schlimmer. Einige Hotels waren geschlossen, die Umsatzverluste liegen dort bei 90 bis 100 Prozent. Wie geht es bei den Bars und Diskotheken? Dort ist die Lage hochdramatisch. Bars, Clubs und Diskotheken werden als letzte der Gastro-Branche öffnen dürfen. Sie mussten aber schon als erste Betriebe schließen. Es gibt noch keine Zeitschiene, wann sie wieder aufmachen können.

Rechnen Sie mit Insolvenzen in Ihrer Branche?

Der Dehoga-Bundesverband rechnet mit einer Insolvenzwelle von etwa 30 Prozent. Ich hoffe, dass das nicht eintritt.

Welche Hilfen gab es für die Betriebe der Gastronomie und Hotellerie? Reichen diese aus?

Die bisherige Unterstützung durch die N-Bank war ein Tropfen auf den heißen Stein. Es müssen viel größere Hilfen her. Die beschlossenen Überbrückungskredite allein werden nicht reichen. Wir brauchen echte Hilfspakete ohne Rückzahlungsverpflichtung. Die beschlossene Mehrwertsteuersenkung gilt leider nur für Speisen. Finanziell kommt da nicht viel für die Betriebe rüber.

Wie sollten aus Ihrer Sicht die nächsten Schritte bei der Lockerung aussehen?

Die nächste Lockerung kommt am 25. Mai. Dann dürfen touristische Gäste wieder kommen. Betriebe, die auf Wellnessangebote setzen, haben trotzdem Probleme, weil den Touristen das Angebot neben der Übernachtung fehlt. Wir brauchen eine gleichmäßige und vorsichtige Öffnung aller Angebote.

Haben Sie konkrete Wünsche an die Politik?

Wir brauchen jetzt ein Hilfspaket mit rückzahlungsfreier Unterstützung für die Unternehmen unserer Branche und nicht erst im Herbst. Dann könnten schon viele Unternehmen in der Insolvenz sein. Außerdem brauchen wir einen Tourismus-Gipfel, ähnlich wie für die Automobilindustrie. Wir sind genauso erfolgreich, werden aber von der Politik nicht ausreichend ernst genommen.

Zur Person: Olaf Feuerstein

Olaf Feuerstein (56) ist seit einigen Jahren Vorsitzender des Kreisverbandes Göttingen-Duderstadt des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Er betreibt in Göttingen mit dem „Freizeit In“ ein Hotel, außerdem die Speise- und Schankwirtschaft „Bullerjahn“, ehemaliger Ratskeller im Alten Rathaus. Feuerstein lernte Koch, studierte später Betriebswirtschaft. Er engagiert sich als CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt. Feuerstein ist verheiratet, lebt in Göttingen und ist Fußball-Fan. Foto: privat/nh

Weiter Neuigkeiten zu Corona in Niedersachsen sind im News-Ticker zu finden. 

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