Vier Versammlungen

Corona-Gegner mobilisieren im Landkreis Göttingen via Telegram und jetzt auch über Twitter

Vor dem Alten Rathaus in Göttingen versammelten sich am Montag in den frühen Abendstunden Corona-Gegner. Die Polizei war ständig vor Ort. Screenshot: Bernd Schlegel
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Vor dem Alten Rathaus in Göttingen versammelten sich am Montag in den frühen Abendstunden Corona-Gegner. Die Polizei war ständig vor Ort. (Screenshot)

Erneut kam es am Montag in den Abendstunden zu Aktionen von Corona-Gegner in Göttingen, Hann. Münden, Duderstadt und Herzberg. Das berichtet die Polizei.

Göttingen – Mobilisiert wurde dabei über den Messenger-Dienst „Telegram“ und zusätzlich auch über „Twitter“. Es gab Gegenproteste und als Reaktion auf die Leugner wurde unterdessen die „Harzer Erklärung“ veröffentlicht.

80 Corona-Kritiker in Göttingen

Vor dem Neuen Rathaus in Göttingen versammelten sich am Montag in den Abendstunden etwa 80 „Corona-Kritiker“ zu einer Mahnwache gegen die aktuelle Coronapolitik. An einer Gegendemo gegen die Kundgebung der „Freien Niedersachsen“ beteiligten sich etwa 50 Menschen. Zu Zwischenfällen kam es laut Polizei nicht. Mit Lautsprecherdurchsagen wurden die Teilnehmer auf die geltenden Corona-Hygienevorschriften sowie auf räumliche Beschränkungen hingewiesen. Die Durchsagen wurden mehrfach wiederholt. Alle Personen, die entweder keine Mund-Nasen-Bedeckung oder die Maske nicht korrekt trugen, wurden von Einsatzkräften angesprochen und kontrolliert. Gegen 18.50 Uhr wanderten die „Corona-Kritiker“ nach und nach vom Hiroshimaplatz in Richtung Innenstadt ab. Schließlich trafen sich etwa 70 von ihnen zu einer neuen Versammlung am Gänseliesel ein. Die Einsatzleitung der Polizei gab den Teilnehmern dieser „versammlungsrechtlichen Aktion“ erneut die bereits bekannten Verfügungen bekannt. Wegen des Verstoßes gegen die Maskenpflicht wurde eine Frau zur Feststellung ihrer Personalien von den Beamten durchsucht und wenig später aus der Versammlung ausgeschlossen, da sie kein entsprechendes Attest zur Befreiung von der Maske vorlegen konnte.

Ein weiterer Versammlungsteilnehmer, der ebenfalls keine Mund-Nase-Bedeckung trug, legte den Beamten zwar ein Attest vor, weigerte sich aber, sich auszuweisen. Auch er wurde zur Feststellung seiner Personalien durchsucht. Es wurden entsprechende „Ordnungswidrigkeitenverfahren“ eingeleitet. Gegen 19.25 Uhr löste sich die Versammlung schließlich auf, berichtet die Polizei.

45 Teilnehmer bei Aktion in Hann. Münden

In Hann. Münden kamen gegen 18.30 Uhr rund 45 Corona-Kritiker an der Rotunde zusammen. Die Gruppe ging danach durch mehrere Straßen der Altstadt. Auf dem Rathausvorplatz bildeten die Teilnehmer einen Kreis und stellten Kerzen auf den Boden. Die Abstände wurden coronakonform und gemäß der zuvor erteilten beschränkenden Verfügung weitestgehend eingehalten. Vom Rathaus gingen die Teilnehmer zurück zur Rotunde. Dort löste sich die Versammlung in Kleingruppen auf.

Bis zu 45 Teilnehmer in Duderstadt

In Duderstadt versammelten sich „in der Spitze“ etwa 45 Personen im Bereich des Alten Rathauses. Von dort setzte sich die Gruppe mit Kerzen in Richtung Unterkirche und zurück zur Oberkirche in Bewegung. Dort löste sich die Gruppe nach dem Singen von Weihnachts- und einer Art Friedenslieder auf. Die entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln wurden größtenteils eingehalten. Die Versammlung verlief nach Polizeiangaben friedlich und störungsfrei.

60 Corona-Gegner in Herzberg

In Herzberg trafen sich etwa 60 Personen gegen 18.30 Uhr am Juessee im Bereich des Skaterplatzes, um unter dem Motto „Gemeinsam gegen Spaltung, Hetze und Zwang“ zu demonstrieren. Auch dort hatten zahlreiche Teilnehmer Kerzen und Lichter dabei. Die Gruppe zog über die Straße „An der Alten Mühle“ zur Fußgängerzone und von dort aus zum Marktplatz. Dort gab es eine Abschlusskundgebung mit mehreren Redebeiträgen, die sich gegen die Impfpflicht wandten. Auch diese Versammlung verlief störungsfrei und ohne Vorkommnisse. Beschränkungen sowie Abstands- und Hygieneregeln wurden laut Polizei eingehalten.

Messenger-Dienste dienten zur Mobilisierung

Bei der Mobilisierung der Teilnehmer spielte erneut der Messenger-Dienst „Telegram“ eine zentrale Rolle. Die Aufrufe wurden aber auch bei „Twitter“ veröffentlicht. Allein der Telegram-Kanal hat jetzt knapp 18 000 Follower. Vor einer Woche waren es 2000 weniger.

Reaktion auf Corona-Leugner: Harzer Erklärung

Unterdessen wurde als Reaktion auf die Corona-Leugner die „Harzer Erklärung“ veröffentlicht. Darin wenden sich mehr als 100 Persönlichkeiten aus Südniedersachsen gegen rechtsextreme Corona-Leugner und Verschwörungstheorien. Zu den Erstunterzeichnern des Papiers gehören den Angaben zufolge Vertreter aller demokratischen Parteien, aus Gewerkschaften, Verbänden und der Zivilgesellschaft, darunter Göttingens Landrat Marcel Riethig (SPD).

„Impfungen haben in der Vergangenheit zahlreiche Krankheiten ausgerottet“, heißt es in der neuen Erklärung. „Wir sind überzeugt, dass die wirkliche Gefahr von der Krankheit ausgeht und nicht vom Impfstoff. Wir sind ebenso überzeugt, dass die heute verfügbaren Impfungen gegen Corona einen sehr guten Schutz bieten, insbesondere gegen schwere Verläufe.“ (Bernd Schlegel)

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