Coronavirus in Stadt und Landkreis Göttingen

Trotz Corona-Krise - Leben in der Göttinger City muss erhalten bleiben

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Nix los: Viele Geschäfte und Einrichtungen in der Göttinger Innenstadt haben wegen der Krise geschlossen.

Auswirkungen der Corona-Krise: Verwaiste Straßen in der Innenstadt in Göttingen zu „normalen“ Hauptöffnungszeiten und leere Geschäfte.

Göttingen - Neben verriegelten Türen und unbeleuchteten Schaufenstern in der Innenstadt von Göttingen, kommen noch Aushangzettel hinzu. Darauf zu lesen sind Texte, die irgendwie mit Bedauern erklären sollen, was eigentlich immer noch schwer verständlich ist: dass es gilt, die Corona-Pandemie-Ausbreitung zu verhindern.

Auch für Frederike Breyer ist das eine schwere Zeit. Die Pro-City Geschäftsführerin kämpft sonst für das Gegenteil, eine belebte Innenstadt mit vielen Geschäften und dort klingelnden Kassen. Zurzeit unterstützt Breyer deshalb nicht nur die Mitglieder der Händlergemeinschaft Pro City – sondern viele Geschäftsleute in der Innenstadt und darüber hinaus bei der Bewältigung der Krise.

Corona in Göttingen: Tür-Abholung-Verbot

Einige machen aus der Not eine Tugend. Sie, die die lebendige Alternative zum Online-Bestellen und ins Hausliefern verkörpern, nehmen Bestellungen an, verkaufen sie nach Anruf an der Tür oder liefern aus. Der Verkauf von Waren an der Tür und Abholer ist seit Montag untersagt, außer für Geschäfte mit „Waren des täglichen Bedarfs“ laut Allgemeinverfügung. Aber Lieferungen an die Kunden bleiben erlaubt.

Corona in Göttingen: Pro City ist gefragt

So ist das in der kurzatmigen Krisenzeit mit sich überschlagenden Entwicklungen, Anordnungen: Auch die Pro-City-Arbeit ist „im Moment getrieben von den Ereignissen“, wie Frederike Breyer sagt. „Aber wir sind durchaus gefragt“.

Es gehe darum, den Kontakt zu den Mitgliedern zu halten, die nicht nur aus Einzelhandel, sondern auch Kultur und Gastronomie kommen, oder aus Arztpraxen. Alle steckten in unterschiedlichen Situationen und doch sind sie alle von der Corona-Krise gleich betroffen.

Corona in Göttingen: Fragen beantworten

Für viele tauchten in dieser wirren Zeit der Restriktionen und Schließungen ständig neue Fragen auf. Frederike Breyer versucht, mit mehreren Rundmails pro Woche all das zu bündeln, Dinge abzuklären und Antworten zu geben – so auch am Montag zu den neuen Restriktionen.

„Verlässliche Informationen sind jetzt ein hohes Gut“, sagt Breyer. „Und das ist jetzt auch unsere Arbeit.“ So leitet Pro City auch Infos von anderen wie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft GWG an die Händler weiter.

Für Unsicherheit habe zuvor gesorgt, dass keine Einzeltermine mit Kunden gemacht werden konnten, diese aber vorher per Mail oder Telefon bestellte Ware abholen können. „Einmal ging es um bestellte Eheringe und deren Abholung.“ Das Klären solcher Fragen auch im Ordnungsamt sei nicht immer leicht, Breyer hat dafür Verständnis: „Wir alle kennen diese Situation und Fragen nicht.“

Corona in Göttingen: Sorge um kleine Läden

Besonders groß ist bei ihr die Sorge, um den Fortbestand, vor allem kleiner Betriebe: „Solle es länger dauern, dann wird es für viele schwierig.“ Auch dürften sich nach ihrer Einschätzung viele Umsätze nicht so einfach „nachholen lassen“.

Soforthilfen seien daher nötig und gut, sagt Breyer. „Es muss schnell gezahlt werden, bevor Liquiditätsengpässe entstehen, denn die Ausgaben laufen weiter und die Einnahmen gehen fast auf Null herunter.“ Sie appelliert deshalb auch an Banken und Vermieter, den Geschäftsleuten entgegenzukommen.

Corona in Göttingen: Toller „Zufall“-Service

Breyer hofft letztlich, „dass es am Ende viele unserer kleinen, charmanten Geschäfte schaffen durchzuhalten“. Sie appelliert auch an die Kunden, bestimmt Käufe zurückzustellen und später in den Geschäften zu tätigen. „Wir müssen das Leben in der Stadt erhalten.“ Denn: „Je länger es geht, desto dramatischer wird es werden – und desto mehr werden nicht mehr öffnen.“

Trotz dieser Sorgen und Nöte hat die Pro-City-Managerin noch keine Beschwerden gehört. „Unter den Händlern herrscht großes Verständnis über die Maßnahmen – das ist ein schönes Zeichen.“ Beschwerden kämen eher darüber, dass noch immer Gruppen in der Stadt unterwegs sind – und das ist normalen Zeiten schlicht die Geschäftsgrundlage der Kaufleute.

Frederike Breyer, Pro-City Geschäftsführerin

Aber Initiativen erleichtern vieles, so auch im Falle des Abholverkaufsverbotes von Montag, wie Frederike Breyer erklärt: „Es gibt ein tolles Angebot der Firma Zufall, die kostenlos Ihre Pakete in Göttingen ausliefern.“ Die Aktion läuft noch bis kurz vor Ostern, Gründonnerstag, 9. April.

Corona in Göttingen: "Göttingen zieht an" und "Nacht der Kultur" sind abgesagt

Pro City hat ein Veranstaltungshighlight früherer Jahre, „Göttingen zieht an“, der diesmal am 19. April geplant war, abgesagt. Zu diesem Frühjahrsevent war die Innenstadt in den vergangenen Jahren bei meist herrlichem Wetter voll und bot den Geschäftsinhabern, die mitmachten, Zusatzeinnahmen und viele Kunden. „Uns blieb keine Wahl, „Göttingen zieht an“ kann nicht stattfinden“, sagt Pro-City-Geschäftsführerin Frederike Breyer. Ausfallen wird nun auch die eim Publikum äußerst beliebte „Nacht der Kultur“, die für den 19. Juni geplant war. Man habe noch mit der Absage gewartet, weil man die „Nacht der Kultur“ nicht leichtfertig absagen könne, weil „viele Göttinger Künstler und externe Parter beteiligt sind“, sagte die Stadtmanagerin

Corona in Göttingen: Zufall liefert für Läden kostenlos Pakete aus

Die geschlossenen Geschäfte können ihre Kunden dann mithilfe von der Spedition und dem Logistiker Zufall unkompliziert beliefern. Die Sendungen werden dazu von den Händlern einfach tagsüber per Telefon (-666) oder E-Mail citylogistik.goe@zufall.de angemeldet. Von Montag bis Freitag stehen an drei Abholpunkten (Papendiek Ecke Prinzenstraße, Theaterstraße Ecke Burgstraße, Kurze Straße Ecke Turmstraße) zwischen 17 und 18 Uhr Zufall-Mitarbeiter mit Fahrzeugen, bei denen die Packstücke abgegeben werden können.

Von Thomas Kopietz

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