Entschärfung am 30. Januar geplant

Bombe in Göttingen: Für die Evakuierung werden die Corona-Regeln gelockert

Die roten Punkte zeigen den Bereich, wo je Bomben nach Sondierungsbohrungen vermutet werden – der lila Punkt steht für den Ort – am heutigen Standort der S-Arena – ,,wo es 2010 zu einer Explosion bei Entschärfung kam“.
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In Göttingen werden am 30. und 31. Januar Bomben entschärft. Wieder liegen sie im Erdreich in der Nähe des Schützenplatzes, Leineufer, Godehardstraße und Kirche. 8000 Menschen müssen dafür evakuiert werden. Die roten Punkte zeigen den Bereich, wo je Bomben nach Sondierungsbohrungen vermutet werden – der lila Punkt steht für den Ort – am heutigen Standort der S-Arena – ,,wo es 2010 zu einer Explosion bei Entschärfung kam“.

In Göttingen wurde eine Bombe entdeckt. Im Lockdown müssen bei der Entschärfung rund 8000 Menschen evakuiert werden, dafür werden Corona-Regeln gelockert.

Update von Dienstag, 12.01.2021, 17.26 Uhr: Wohin mit 8300 Menschen, die für eine Bombenentschärfung ihre Wohnungen über Nacht verlassen müssen - und das im Corona-Lockdown? Ende Januar wird die Stadt Göttingen vor dieser Aufgabe stehen. Osnabrück musste eine ähnliche Situation kurzerhand am Montagabend meistern: „Das Problem war, wir mussten von jetzt auf gleich 4200 Menschen evakuieren - und das unter Corona-Bedingungen“, sagte Gerhard Meyering, Sprecher der Stadt, der dpa am Dienstag (12.01.2021).

Etwas mehr Vorlauf hat die Stadt Göttingen: Am Samstag, 30. Januar, müssen gut 8300 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Sämtliche Gebäude im Umkreis von einem Kilometer, Straßen und Plätze sowie der Bahnhof werden gesperrt. Bei Bauarbeiten waren verdächtige Objekte im Boden geortet worden. Es handelt sich nach Angaben der Stadt wahrscheinlich um Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Es werde damit gerechnet, dass die Entschärfung bis zum Morgen des 31. Januar dauert.

Das niedersächsische Sozialministerium informierte die Stadt über die Ausnahmeregelungen. Vor allem die Kontaktbeschränkungen sollen gelockert werden: So dürfen sich zwei Haushalte, unabhängig von der Personenzahl, in einer Wohnung aufhalten. Alternativ dürfen enge Familienangehörige aufgenommen werden, selbst wenn sie aus mehr als zwei Haushalten stammen. Das Abstandsgebot soll eingehalten und eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

Bombe in Göttingen: 8000 Menschen müssen im Corona-Lockdown evakuiert werden

Erstmeldung vom Samstag, 09.01.2021: Göttingen - Im Oktober 2020 wurden bei Bauarbeiten im Bereich der Godehardstraße in Göttingen verdächtige Objekte geortet. Nachdem sich der Verdacht erhärtet hat und es sich wenigstens bei einem der Objekte um eine Weltkriegsbombe handeln dürfte, wurde die Räumung für Samstag den 30.01.2021 angesetzt.

Das stellt die Stadt Göttingen und alle beteiligten Behörden und Institutionen unter Corona-Auflagen vor große Probleme. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein verdächtiger Fund aus dem Zweiten Weltkrieg in Göttingen gemacht.

Stehen vor großer Herausforderung: Auf Abstand saßen die Teilnehmer bei der Pressekonferenz zur Bombenentschärfung in Göttingen um den Orndungsdezernenten Christian Schmetz (Mitte). Links daneben Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler.
Warum ist die geplante Bombenräumung so problematisch?
Das hat mehrere Gründe. „Wir haben gleich vier verdächtige Stellen in einem Radius von nur 100 Metern“, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler am Freitag bei einer Pressekonferenz. „Ein Verdacht hat sich jetzt erhärtet und bei den anderen drei müssen wir nach Stand der Dinge davon ausgehen, dass es sich dabei ebenfalls um Weltkriegsbomben handelt“. Da sich Umstände ergeben hätten, die dazu führen könnten, dass die Bomben von alleine explodieren – was in der Nachkriegszeit bereits sechs Mal in Göttingen passiert ist – und sich die Fundstellen in einem dicht besiedelten Gebiet befinden, sei Eile geboten. Genau das führt zu Problem Nummer zwei: Weil die Bombenräumung mitten in den verschärften Corona-Lockdown fällt, wird die nötige Evakuierungsmaßnahme alles andere als leicht.
Wer muss evakuiert werden?
Betroffen sind etwa 8300 Menschen, die in einem Radius von 1000 Meter um die Fundstellen wohnen. Weil durch die unmittelbare Nähe der Fundorte die Gefahr besteht, dass bei einer möglichen kontrollierten Sprengung gleich mehrere Bomben explodieren, wird es außerhalb des 1000-Meter-Bereichs noch einen weiteren, 250 Meter breiten Radius geben, in dem sich die Menschen nicht im Freien aufhalten dürfen.
Warum ist die Evakuierung so problematisch?
Das ist eine lange Zeitspanne von bis zu 24 Stunden, die für die Räumung angesetzt wird. Dadurch sind die Betroffenen gezwungen, eine Bleibe für die Nacht auf den 31. Januar zu finden. „Durch die am Montag in Kraft tretende neue und deutlich verschärfte Corona-Verordnung haben sich außerdem die Vorgaben für eine solche Aktion maßgeblich geändert“, sagte der erste Stadtrat Christian Schmetz, der die Aktion koordiniert. Durften bislang bis zu fünf Menschen aus zwei Haushalten zusammenkommen (Kinder nicht mit eingerechnet), sind es jetzt nur noch maximal drei Menschen aus zwei Haushalten. „Dadurch können wir die Betroffenen nicht wie gewohnt in Turnhallen oder anderen großen Räumen unterbringen, sondern müssen alle Haushalte voneinander trennen“, so Schmetz. Dazu werde man nach jetzigem Stand der Planung auf drei Schulen ausweichen, wo dann die Klassenzimmer als Unterkunft für einzelne Familien dienen. „Wir appellieren allerdings vor allem an die vielen allein Lebenden in dem betroffenen Gebiet, sich selbst eine Unterkunft zu suchen“, so Schmetz. Diejenigen, die Hilfe brauchen, bittet er dagegen eindringlich, sich frühzeitig bei der Stadt zu melden. „Das ist für unsere Planungen von immens großer Bedeutung“, meinte auch Oberbürgermeister Köhler.
Welche Möglichkeiten gibt es für die Betroffenen noch?
Elf Göttinger Hotels stellen insgesamt 800 Doppelzimmer zur Verfügung, die für einen teilweise stark ermäßigten Preis von 77 Euro gemietet werden können. Das Geld muss allerdings von den Betroffenen selbst bezahlt werden.
Wie schätzt der mit der Räumung beauftragte Sprengmeister Thorsten Lüdecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen die Situation ein?
„Auf Luftbildern aus der Nachkriegszeit sind an den Fundorten Einschläge zu erkennen“, sagt Thorsten Lüdecke. „Außerdem liegen die Störkörper in einer Tiefe, in der normalerweise keine zu finden sind.“ Deshalb müsse davon ausgegangen werden, dass es sich um Bomben handelt. „Welche Art von Bomben es sind und welche Zünder sie haben, wissen wir allerdings nicht“, so der Sprengmeister.
Was müssen die Menschen im Evakuierungsgebiet jetzt beachten?
„Alle betroffenen Haushalte werden schnellstmöglich per Flyer informiert“, sagt Oberbürgermeister Köhler. Außerdem sei schon jetzt auf der Internetseite der Stadt unter www.goettingen.de genau ersichtlich, wer sein Haus oder seine Wohnung verlassen muss. „Wir appellieren dringend an alle, die an diesem Tag Hilfe brauchen, sich so schnell wie möglich mit uns in Verbindung zu setzen“, betont Krisenstableiter Christian Schmetz. „Dies ist eine außerordentliche Situation, in der wir auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen sind.“ Das entsprechende Bürgertelefon ist ab Montag, 11. Januar, 9 Uhr unter der Telefonnummer 0551/4004048 freigeschaltet. Weitere Informationen gibt es hier. (Per Schröter)

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