Immer mehr Covid-Patienten

Uni-Klinik Göttingen an der Kapazitätsgrenze: Nur noch wenige freie Intensivbetten verfügbar

Hier eine Herz-Lungen-Maschine in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).
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High-Tech: Covid-19-Erkrankte werden auch an externe Beatmungsgeräte angeschlossen. Hier eine Herz-Lungen-Maschine in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Die Situation um Bettenkapazitäten und Corona-Patienten in der Uni-Klinik Göttingen hat sich drastisch verschärft. Es gibt nur noch wenige freie Intensivbetten.

Göttingen – Das bundesweit massive Covid-19-Infektionsgeschehen wirkt sich also auch auf die Krankenhäuser der Region und die größte Klinik in Südniedersachsen aus, in Landkreisen, die vergleichsweise moderate 7-Tage-Inzidenzwerte aufweist. An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben sich seit den Weihnachtstagen, als 18 Covid-Patienten dort lagen, die Betten sowohl auf Normal- und Intermediate-Care, sowie Intensivstationen mit Covid-19-Patienten gefüllt: Am Freitag (08.01.2021) waren es 30. „Nach Weihnachten wurden es stetig mehr“, schildert UMG-Pressesprecher Stefan Weller.

Ursache dafür sind die bundesweit verabredeten Hilfen für überlastete Kliniken in stärker betroffenen Bundesländern, Regionen und Städten. „Wir haben acht Patientinnen und Patienten aus anderen Bundesländern aufgenommen“, sagt Stefan Weller auf Anfrage unserer Zeitung. Sie wurden per Krankentransport und Helikopter aus dem ohnehin als Einzugsgebiet der UMG geltenden Bereichen Thüringen, Nordhessen und Nordrhein-Westfalen, aber auch aus den Ländern Bremen, Berlin und Brandenburg in die Göttinger Uni-Klinik gebracht und geflogen, um vor allem an Beatmungsplätzen behandelt zu werden.

Corona in Göttingen: Zahlreiche Patienten künstlich beatmet

Insgesamt wurden Stand Freitag (08.01.2021) 30 Patienten und Patientinnen mit Covid-19-Erkrankung in der Uni-Klinik versorgt – also deutlich mehr als noch vor Weihnachten, als die Zahlen sich unter 20 bewegten.

21 Covid-Patienten lagen am Freitag auf der Intensiv- und Intermediate-Care-Station (IMC) – bei einer aktuellen Gesamtkapazität von 24. Von diesen 21 Intensivpatienten wurden 14 künstlich beatmet, sechs davon an ECMO-Maschinen, also über einen externen Beatmungskreislauf. Auch auf Normalstationen werden positive Corona-Patienten behandelt, aktuell waren es neun.

Coronavirus in Göttingen: Covid-19-Patienten werden länger behandelt

Die Kapazität für Covid-Patienten beträgt laut Weller in der Intensivmedizin 24 Betten, auf den Normalstationen 15 bis 20 Betten. Das klingt wenig, angesichts der Zuwächse in den vergangenen Wochen, aber die UMG relativiert: Man sei jederzeit in der Lage, innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach einem genau definierten Belegungsplan weitere Kapazitäten aufzubauen und einzurichten. Allerdings ginge das dann zu Lasten der elektiven Patienten mit anderen Erkrankungen. Problem auch: Die Covid-Patienten werden oft länger stationär behandelt als Patienten mit anderen Erkrankungen.

Das hatte der UMG-Vorstand-Krankenversorgung Dr. Martin Siess auch im Interview mit unserer Zeitung im Dezember beschrieben. Zudem stimmt sich der UMG-Krisenstab intern über die Situation ab, ebenfalls im Netzwerk der Kliniken Südniedersachsen. Dort werden auch die Bettenkapazitäten besprochen. Hinzu kommen allerdings laut Weller stetig die „Bedarfsanfragen aus den anderen Bundesländern“.

Patienten werden eingeflogen: Ein DRF-Helikopter brachte einen Covid-Patienten aus Chemnitz nach Göttingen in das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende.

Corona in Göttingen: Auch Krankenhaus Weende versorgt viele Patienten

Auch das Evangelische Krankenhaus Weende (EKW) behandelt aktuell viele Patienten, die Auslastung ist hoch. Und das EKW nimmt auch Patienten aus anderen Bundesländern auf.

Am Freitag wurden dort 27 Corona-Patienten, behandelt, drei davon auf Intensivstation. Beatmete Intensivpatienten, die einer externen Beatmung an ECMO-Geräten bedürfen, werden in die Universitätsmedizin Göttingen verlegt, was aufgrund der räumlichen Nähe einfach zu bewerkstelligen ist. „Die Zahl dieser verlegten Patienten liegt im niedrigen einstelligen Bereich“, so Pressesprecher Stefan Rampfel. Das EKW hat auch bereits Patienten aus anderen Bundesländern aufgenommen, so wurde an Heiligabend ein Patient aus Chemnitz eingeflogen.

Zur Situation im Weender Krankenhaus sagt Rampfel: „Wir haben derzeit eine ziemlich hohe Zahl an Corona-Patienten und hier nur noch wenige Kapazitäten. In den Nicht-Corona-Bereichen hingegen sind genügend Betten vorhanden, so dass wir weiterhin Patienten aufnehmen und versorgen.“ (Thomas Kopietz)

Kommentar von Thomas Kopietz: „Die Decke wird knapper“

Seit Beginn der Corona-Pandemie sah es in den Krankenhäusern der Region Südniedersachsen meist besser aus, als in vielen Häusern des Landes – auch während der zweiten Welle. Im Zentrum eines funktionierenden Netzwerks zusammenwirkenden Kliniken der Region steht die Göttinger Uni-Klinik. Sie funktionsfähig zu halten – auch für „Normalpatienten“ und die permanenten Notfallbehandlungen – das war seit Februar das vorrangige Ziel.

Die UMG aber ist als ausgestattete Vollversorgungsklinik auch eingebunden in das gesamte Räderwerk der medizinischen Versorgung in Deutschland. So kommen mehr und mehr Anfragen zur Behandlung schwerster Covid-Fälle aus anderen Bundesländern. Sie werden aufgenommen, aber nicht alle. Entschieden wird von Fall zu Fall und nach Kapazitätslage.

Das zeigt: Die Pandemie bringt das System an die Grenze. Auch die UMG muss sich nun nach der Decke strecken. Wenn jetzt Stationen umgewandelt werden, um mehr Covid-Patienten aufnehmen zu können, dann ist das unumgänglich, hat aber Konsequenzen: Für Patienten mit anderen Erkrankungen ist kein Platz. Das mag oft vertretbar sein, manchmal aber auch in Härtefälle münden. So bleibt zu hoffen, dass im Zusammenspiel der Kliniken in der Region die medizinische Versorgung weiterhin funktioniert.

Auch in Göttingen haben die ersten Corona-Impfungen begonnen. Die Uni-Stadt zieht eine erste positive Zwischenbilanz. Alle aktuell wichtigen Informationen zur Corona-Lage in Niedersachsen lesen Sie in unsere News-Ticker.

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