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Göttinger Wissenschaftler forschen: So kann die Corona-Pandemie bekämpft werden

Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS): Die Corona-Pandemie und Wirkung von regionalen Maßnahmen zur Eindämmung, ein Modell.
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Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS): Die Corona-Pandemie und Wirkung von regionalen Maßnahmen zur Eindämmung, ein Modell.

Die Corona-Pandemie kann laut Forschern aus Göttingen auch ohne einen nationalen Lockdown eingedämmt werden. Dafür muss allerdings einiges gegeben sein.

Göttingen – Das haben Forscher am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) ermittelt. Dafür sollten regionale Schwellenwerte für lokale Einschränkungen aber tiefer liegen als die derzeit in Deutschland festgelegten Werte, nämlich bei etwa zehn Infektionen pro 100.000 Einwohner statt der aktuell geltenden 50 Infizierte pro 100.000 innerhalb von sieben Tagen. Vorteil auch: über einen einheitlichen Maßnahmenkatalog könnte man regional schneller auf steigende Infektionszahlen reagieren als national.

Forscher aus Göttingen haben mögliche Verläufe der Pandemie auf fünf Jahre simuliert

Ein wichtiges Instrument, so die MPI-Forscher, sei die möglichst lückenlose Nachverfolgung, über die auch die Zahl überregionaler Infektionen beobachtet und diese möglicherweise gesenkt werden könnten. Außerdem empfehlen die Forscher eine deutliche Ausweitung von Tests, bereits bevor Schwellenwerte erreicht werden.

Die MPIDS-Forscher haben mögliche Verläufe der Pandemie auf fünf Jahre und für Deutschland, England, Italien, New York State und Florida simuliert. Sie berücksichtigt dabei die aktuellen Infektionszahlen, die individuelle regionale Struktur und die jeweilige Effektivität der bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie.

Göttingen: Der Anteil der überregionalen Kontakte bestimmt die sogenannte „Durchlässigkeit“

Viele Länder haben die erste Welle der Sars-CoV-2-Epidemie durch weitreichende Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens unter Kontrolle gebracht. Dazu zählten landesweite Kontaktverbote, Reisebeschränkungen und die Schließung von Geschäften und Schulen. Anstelle solcher drastischen nationalen Beschränkungen ergreifen inzwischen viele Länder örtlich und zeitlich begrenzte Maßnahmen.

Ramin Golestanian, Direktor der Abteilung „Physik lebender Materie“ am MPIDS, Philip Bittihn und Team haben ein Modell entwickelt, das zwei Kontaktarten erlaubt: Solche innerhalb einzelner Regionen – wie Landkreise – und solche mit der Gesamtbevölkerung über die Kreisgrenzen hinaus. Der Anteil der überregionalen Kontakte bestimmt die sogenannte „Durchlässigkeit“, das heißt, wie leicht sich Infektionen zwischen den Regionen ausbreiten können.

Göttingen: Deutschland könnte besonders einfach von lokalen Maßnahmen profitieren

Das Reagieren in kleineren Gebieten könnte zunächst unangenehme Folgen haben: „Natürlich könnte solch eine strikte Kontrolle mit niedrigen Schwellenwerten zunächst zu mehr Lockdowns führen“, sagt Ramin Golestiona. Langfristig würde die Gesamtdauer der Einschränkungen aber geringer ausfallen. „Um solch niedrige Schwellenwerte umzusetzen, sollten zudem umfangreich Corona-Tests durchgeführt werden, damit die Zahl unentdeckter Fälle gering ist“, sagt Golestanian.

Im Vergleich zu anderen Ländern könnte Deutschland besonders einfach von lokalen Maßnahmen profitieren und den Zeitraum von Kontaktbeschränkungen möglichst kurz halten. „Staaten mit einer kleingliedrigen Regionalstruktur können leichter bestehende Verwaltungsstrukturen nutzen, um lokale Eindämmungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen.“ (tko)

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