Keine Vorteile durch Corona

Göttinger Ökonom mit düsterer Prognose: Harte Zeiten für Gastronomie und Bauern

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Seit 2011 an der Privaten Fachhochschule Göttingen (PFH): Prof. Dr. Julian Voss, Agrarökonom und Betriebswissenschaftler, erwartet einen Preisdruck auf Lebensmittel.

Julian Voss von der Privaten Fachhochschule (PFH) Göttingen prognostiziert schwierige Zeiten für Betriebe in der Gastronomie und Landwirtschaft. 

  • Die Corona-Krise sorgt für Hamsterkäufe und geschlossene Restaurants
  • Laut einem Ökonom ausGöttingen profitiert die Landwirtschaft nicht von den Hamsterkäufen
  • Der Trend, zuhause zu kochen, wird auch nach der Krise anhalten

Die Folgen der Corona-Krise: hier die Schließungen, Kurzarbeit, Umsatzeinbrüche – dort boomende Verkäufe und Umsätze in der Lebensmittelbranche, enorme Nachfrage in der Landwirtschaft. Letztere profitiert nicht vom Nachfrageboom.

Diese düstere Prognose wagt der Agrarökonom und Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre Dr. Julian Voss von der Privaten Fachhochschule (PFH) Göttingen und nennt Gründe.

Corona in Göttingen: Landwirtschaft profitiert nicht von Hamsterkäufen

„Viele Konsumenten haben in den vergangenen Wochen erhebliche Vorräte an Lebensmitteln eingekauft, da sie Lieferengpässe oder die Schließung des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland befürchtet haben.“ Der Boom durch die Corona-Krise werde sich aber dennoch für die Landwirte nicht auszahlen.

„Die drohende Rezession wird in Deutschland sicherlich nicht zu einer Verteuerung von Lebensmitteln führen, von welcher die Landwirtschaft profitieren könnte. Ganz im Gegenteil – der Preisdruck auf Lebensmittel wird in Zukunft eher steigen“, sagt Voss von der PFH Göttingen. Ergeht  davon aus, dass stagnierende Löhne und der erhöhte Druck auf den Arbeitsmarkt die Konsumlaune in Deutschland eintrüben und damit auch den Markt für Lebensmittel beeinflussen werden.

Corona in Göttingen: Harte Zeiten für Gastronomie auch nach Corona-Krise  

Auch für die Gastronomie erwartet der Agrarökonom  von der PFH Göttingen nach Ende der Kontaktbeschränkungen keine wesentliche Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation. Der Experte beobachtet bereits jetzt, dass die Corona-Krise das Einkaufsverhalten bei Lebensmitteln und die Ernährungsstile beeinflusst. „Ich erwarte, dass die Konsumenten zukünftig verstärkt zu Hause kochen werden. Trends wie ‘Meal Prepping’, also das Vorkochen und der spätere Verzehr am Arbeitsplatz, würden weiter an Bedeutung gewinnen.

Corona in Göttingen: Viele Kochen jetzt zu Hause

Eine wirtschaftliche Verlangsamung, beziehungsweise Rezession, hatte früher immer Einfluss auf den Außer-Haus-Verzehr, welcher in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten besonders unter Druck steht. „Kochen zu Hause mit Freunden ist dann angesagter als der Besuch im Restaurant“, weiß Voss, der auch zu Food-Management in der Corona-Krise forscht. Zudem erfahren Konsumenten, dass Genuss mit digitalen Geschäftsmodellen funktioniert.

Corona in Göttingen: Digitale Koch-Events gehen viral

So boomen in der Corona-Krise virtuelle Tasting-Events, bei denen die Teilnehmer die Produkte per Versand erhalten und dann gemeinsam virtuell und real verkosten. Auch in Göttingen. „Der Klick-Boom von Koch-Videoclips im Internet ist ebenso ein Indikator dafür, dass Genuss von zu Hause mit Hilfe digitaler Tools an Bedeutung gewinnen wird“, sagt der Ökonom.

Corona in Göttingen: Chance Digitalisierung

Die Corona-Krise berge in dieser Hinsicht die Chance, die Agrar- und Ernährungswirtschaft zu digitalisieren. Agile Unternehmen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft könnten ihre Produkte direkt an Konsumenten verkaufen – und damit Handelsstufen umgehen. Das eröffne laut Voss  von der PFH Göttingen „spannende Ertragspotenziale“.

Corona in Göttingen: Keine Engpässe in der Lebensmittelversorgung

Engpässe in der Versorgung mit Lebensmitteln erwartet der Experte  von der PFH Göttingen nach der Corona-Krise nicht. „Die deutsche Bevölkerung profitiert von einem hohen Selbstversorgungsgrad bei relevanten Lebensmitteln und Agrarprodukten und der Leistungsfähigkeit der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft“, sagt Voss. Die mehr als 6000 Unternehmen in der deutschen Ernährungswirtschaft und die über 250 000 landwirtschaftlichen Betriebe würden zuverlässig produzieren. „Ein Engpass im Lebensmittelhandel ist derzeit die Personalverfügbarkeit.“

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