28 Anklagen sind anhängig

Randale während Corona-Quarantäne vor Göttinger Wohnkomplex: Nachspiel vor Gericht

Randale im Juni 2020 in Göttingen
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Randale im Juni 2020 in Göttingen: Mehrere Bewohner des damals unter Quarantäne stehenden Hochhaus-Komplexes an der Groner Landstraße hatten versuchte, die Absperrungen zu überwinden. Sie wurden zurückgedrängt. Jetzt werden die Vorfälle von damals juristisch aufgearbeitet. (Archivfoto)

Vor acht Monaten kam es nach einem Corona-Ausbruch in einem Hochhaus in Göttingen zu schweren Ausschreitungen. Jetzt ist deshalb ein Prozess gestartet.

Göttingen – Wütende Bewohner attackierten Polizeibeamte mit Flaschen, Pflastersteinen, Metallstangen und Holzlatten, einige versuchten auch, mit Möbeln und brennenden Mülleimern die Absperrungen rund um den Gebäudekomplex zu durchbrechen.

Die Menschen waren aufgebracht, weil die Stadt Göttingen über das gesamte Hochhaus eine Quarantäne verhängt hatte, nachdem mehr als 120 Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren. Inzwischen ist die strafrechtliche Aufarbeitung der gewalttätigen Ausschreitungen rund um den damaligen „Corona-Hotspot“ angelaufen. Insgesamt seien derzeit 28 Anklagen wegen der Vorfälle am 20. Juni vor dem Amtsgericht Göttingen anhängig, sagt Gerichtssprecher Oliver Jitschin.

Die angeklagten Fälle sind nach Jitschins Angaben durch Videoaufnahmen dokumentiert. Einige dieser Verfahren sollen in der kommenden Woche verhandelt werden. Die Angeklagten müssten sich zumeist wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, gefährlicher oder versuchter gefährlicher Körperverletzung sowie schweren Landfriedensbruchs verantworten.

Inzwischen sind auch einige Verfahren abgeschlossen worden. Bei leichteren Fällen hätten die Angeklagten Geldstrafen von bis zu 100 Tagessätzen erhalten, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, Sebastian Zwiebel.

In einem Fall habe ein Angeklagter eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten erhalten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dieser habe zu den Hauptakteuren gezählt. Einige Angeklagte seien auch der Verhandlung ferngeblieben. Diese hätten dann einen Strafbefehl von bis zu 140 Tagessätzen erhalten.

Bei der Urteilsfindung habe man stets zugunsten der Angeklagten berücksichtigt. dass sie sich in einer Ausnahmesituation befunden hätten, sagt Gerichtssprecher Oliver Jitschin. Die Situation war eskaliert, nachdem eine von der Gruppe Basisdemokratische Linke angemeldete Demonstration gegen „Mietenwahnsinn“ zu dem Gebäudekomplex gezogen war. Nach Angaben der Polizei hatten sich daraufhin rund 200 Bewohner draußen versammelt und versucht, die Absperrung zu durchbrechen.

Die Polizei musste daraufhin Verstärkung hinzuziehen, in der Spitze waren 300 Beamte im Einsatz. Elf Polizisten sollen verletzt worden sein, drei von ihnen seien dienstunfähig gewesen.

Der Wohnkomplex gilt als sozialer Brennpunkt, viele der hier lebenden Menschen befinden sich am untersten Ende der Sozialskala, darunter auch zahlreiche Drogenabhängige. (Heidi Niemann)

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