Coronavirus in Stadt und Landkreis Göttingen

Kampf gegen Corona-Pandemie: Sartorius aus Göttingen hilft Impfstoff-Forschern

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Um- und neugebauter Firmencampus der Sartorius AG im Industriegebiet Grone, neu ist auch das Logo des Konzerns. Momentan herrscht Hochbetrieb in den Produktionshallen. Viele arbeiten sonst im Home-Office.

Trotz der Corona-Pandemie läuft das Geschäft für die Sartorius AG weiter. Der Konzern aus Göttingen beliefert Unternehmen, die in der Corona-Forschung führend sind.

Göttingen - Die Sartorius AG ist trotz Corona-Krise weiter gut im Geschäft. Der Göttinger Konzern mit weltweit etwa 9000 Mitarbeitern ist gefragt. Der Grund: Sartorius beliefert die Unternehmen in der Pharmabranche und Forschungseinrichtungen, die nach Wirkstoffen, Medikamenten und Impfstoffen gegen das Coronavirus suchen. „Tatsächlich gibt es kaum einen Impfstoff auf der Welt, der ohne Sartorius entwickelt oder hergestellt wird“, sagt Dr. Joachim Kreuzburg selbstbewusst.

Dieser Satz solle aber nicht großspurig daherkommen, wiegelt der Vorstandsvorsitzende im Gespräch ab. Es sei einfach so. Man habe exzellente, langjährige Kundenbeziehungen zu Unternehmen, wie CureVac in Tübingen, die in der Corona-Forschung führend sind. Sie beziehen aus der Sartorius-Laborsparte Zellanalytik-Instrumente und aus der Bioprocess-Sparte auch Fermentationsprodukte und Aufreinigungssysteme.

Corona in Göttingen: „Es passiert weltweit unheimlich viel“

„Die Nachfrage ist dementsprechend groß“, berichtet Kreuzburg, der weiß, was zurzeit in der Corona-Forschung los ist: „Es passiert weltweit unheimlich viel.“ So hätten sich viele kluge Köpfe in der Pharma-Industrie mit ihrem geballten Know-How auf dieses Gebiet fokussiert, auch solche, die dort vorher nicht unterwegs waren. Das macht Kreuzburg Hoffnung: „Es wird jetzt auch fix mit weiteren Testverfahren vorangehen, also auch Antikörpertests. Das läuft“, sagt er am Freitag. Gestern stellte ein Göttinger Labor den Start eines Antikörper-Schnelltests vor.

Bezüglich der raschen Verfügbarkeit eines Corona-Impfstoffes ist er aber zurückhaltend: „Impfstoffe werden noch Monate auf sich warten lassen, das liegt an den notwendigen Entwicklungs-, Test- und Zulassungszyklen.“ Medikamente aber könnten schneller nutzbar sein, „vor allem, wenn sich ein zugelassenes Medikament auch für diese Indikation als wirksam erweist“. Das hätte laut Kreuzburg massive positive Folgen für Entscheider in Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen: „Das würde das Szenario sofort ändern, wenn schwer Erkrankte therapiert werden können.“

Corona in Göttingen: „Zusätzliche Aufträge von Forschungseinrichtungen“

Denn momentan tappen Lenker von Großunternehmen ebenso wie jeder Mitarbeiter im Dunkeln, wenn es darum geht, die Dauer und Folgen der Krise einzuschätzen. Niemand weiß um die konkreten Auswirkungen des Runterfahrens der (Welt-) Wirtschaft – auch nicht Sartorius-Chef Kreuzburg, der keine Prognose abgeben kann. „Die nächsten Wochen werden mehr Klarheit bezüglich der Auswirkungen bringen, wenn in der gesamten westlichen Welt die Räder nahezu stillstehen.“

Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender Sartorius AG.

Eine neue Situation ist das auch für Kreuzburg, der seit 2003 Vorstandschef ist und Krisen erlebt hat. „Aber das Coronavirus traf uns doch alle überraschend.“ Die Auswirkungen auf Sartorius seien aber noch gering – in Bezug auf Produktion und Absatz: „Unser Geschäft läuft weiter sehr gut, aber es zeichnen sich wachsende Herausforderungen ab.“ So hätten Kunden die Produktion eingeschränkt oder mussten, wie kurzzeitig in Indien, ganz schließen. „Gleichzeitig erhalten wir aber auch zusätzliche Aufträge von Forschungseinrichtungen und Medikamentenherstellern.“

Corona in Göttingen: „Wir müssen darauf reagieren können“

Für die nächsten Wochen bereite man sich dennoch auf mögliche Einschränkungen vor. „Wir müssen darauf reagieren können.“ Positiv verbucht Kreuzburg, dass Sartorius in allen Ländern, mit Ausnahme von Indien, mit Beschränkungen in der Wirtschaft dank Ausnahmegehmigungen weitermachen kann – „aufgrund der Relevanz unserer Produkte für die Gesundheitssysteme“.

Entscheidend für das Geschäft seien die laufenden Lieferketten. Noch sei das „recht gut – aber gebe es Auswirkungen, wenn Frachtkapazitäten geringer werden, der Flugverkehr deutlich eingeschränkt ist.

Viel verändert hat sich am super-modernen Sartorius-Campus: Richtig viel los ist dort nur in den Produktionshallen. Kreuzburg trifft auf seiner Etage aber nur wenige Leute. „Meist sind wir zu zweit.“ Der Rest, wie generell viele Mitarbeiter, ist im Home-Office. Auf den Aktienkurs schaut der Vorstandschef jetzt nur beiläufig. Der spiele bei Entscheidungen keine Rolle. Wichtig sei zuerst das Wohl der Mitarbeiter. „Das würde ich jedem Aktionär so sagen.“

Von Thomas Kopietz

Die neuesten Entwicklungen zu Corona in Göttingen gibt es im News-Ticker.

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