Schlechte Stimmung im Team

Corona: Göttinger Theater im OP muss Betrieb einstellen

Online Team-Treffen statt Premiere: Das ThOP sagte alle geplanten Vorstellungen ab. Davon betroffen ist auch das Ensemble der „Unendlichen Geschichte“.
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Online Team-Treffen statt Premiere: Das ThOP sagte alle geplanten Vorstellungen ab. Davon betroffen ist auch das Ensemble der „Unendlichen Geschichte“.

Das Aus kam acht Tage vor dem Ziel: Wegen Corona musste das Universitäts-Theater in OP (ThOP) seinen Proben- und Aufführungsbetrieb einstellen. Abgesagt sind alle Vorstellungen im Dezember, so auch die für den vergangenen Freitag ursprünglich geplante Premiere des Stücks „Die unendliche Geschichte – Teil 1“.

Göttingen – Für das Team sind zwei Jahre Arbeit gekappt. Wie es im Januar weitergeht, ist unklar.

Am letzten Donnerstag im November habe sie eine interne Mitteilung über das drohende Aus erhalten, erzählt Regisseurin Findus Leichtfuß (Künstlername). Weil abends das gesamte Ensemble mit 24 Darstellern und vielen weiteren Helfern vor Ort war, konnte sie die Nachricht gleich weitergeben, eine Abschiedsprobe ging über die Bühne.

Für Findus – so heißt König im Ensemble – sind damit mehr als zwei Jahre von der Konzeption an abgeschnitten. Vor rund einem Jahr begannen die Proben: Zunächst habe das Team sich einmal pro Woche – im Lockdown digital – getroffen.

Ab Januar seien sie zweimal in der Woche in verschiedenen Räumen zusammengekommen. Oft probierten sie unter freiem Himmel. In der Einzugsphase ins ThOP im November sind laut Findus Leichtfuß einige Akteure fast rund um die Uhr dabei gewesen.

Einer davon ist Lennart Kanitz. Sein erstes Stück sei „Publikumstheater“ im Februar 2020 gewesen. Schon die Inszenierung „Zaungastgeber“ ist Corona-bedingt nur als Film veröffentlicht worden. Vor eingeschränktem Publikum konnte „Die Glasmenagerie“ aufgeführt werden. Doch Kanitz kann sich kein schöneres Ensemble vorstellen.

Das bestätigt Ursula König, die nun seit zwei Jahren dabei ist. In dieser Zeit habe sie „super viel“ gelernt. Dazu gehöre unter anderem die Gabe, Dinge erfolgreich zu delegieren. Denn sehr aufwendig seien Bühnenbild und Kostüme der „Unendlichen Geschichte“. So habe Gmork-Darsteller Oliver Eberhardt die Darsteller für 56 Rollen in liebevoller Kleinarbeit eingekleidet.

Im Februar will die Theologiestudentin König mit der Vorbereitung für ihr erstes Examen starten. Von einigen der Darsteller weiß sie, dass sie dann nicht mehr vor Ort sind. Wenn sie Anfang Januar die Nachricht bekäme, dass die Premiere zur Monatsmitte steigen könnte, wären alle dabei, ist sie überzeugt.

Doch angesichts der steigenden Corona-Zahlen hofft sie nicht auf eine Fortsetzung der Arbeit. So sieht es auch Darsteller Heiko Seibert, der das Ensemble in die Basics der Kampfkunst einwies. Schlimmer als das Aus sei es für ihn gewesen, sich immer weiter Hoffnungen zu machen. Dennoch: Nach dem Aus habe er für zwei Tage nichts mehr mit sich anfangen können.

„Als ich das gehört habe, habe ich geweint“, berichtet die Geschäftsführerin des Theaters im OP, Barbara Korte, wie die Nachricht vom Aus so kurz vor der Premiere bei ihr ankam.

„Der Weg bis dahin ist Teil des Ganzen“, spricht Lennart Kanitz vielen vom Ensemble aus der Seele. Bis November 2022 sei alles durchgeplant, kann Korte für das ThOP berichten. So „ist kein Ende abzusehen“. (Ute Lawrenz)

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