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Corona-Impfteams beenden ihre Arbeit: Letzte Impfungen unterm Christbaum

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Von: Bernd Schlegel

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In Kürze ist im Impfzentrum am Göttinger Bahnhof Schluss: Bei vielen Mitarbeitern herrscht Wehmut. In den letzten Tagen sind (von links) Erika Lehmann, Gordon Ahrendt, Stefan Wilhelmi, Monika Behr, Sebastian Rosenberger, Dr. Fritz Jähn und Ulrike Schlösser für die Impfwilligen da. In der Wartezone steht ein geschmückter Christbaum.
In Kürze ist im Impfzentrum am Göttinger Bahnhof Schluss: Bei vielen Mitarbeitern herrscht Wehmut. In den letzten Tagen sind (von links) Erika Lehmann, Gordon Ahrendt, Stefan Wilhelmi, Monika Behr, Sebastian Rosenberger, Dr. Fritz Jähn und Ulrike Schlösser für die Impfwilligen da. In der Wartezone steht ein geschmückter Christbaum. © Bernd Schlegel

Die mobilen Impfteams im Landkreis Göttingen beenden in Kürze ihre Arbeit. Auch der Impfstützpunkt in der Alten Post am Göttinger Bahnhof schließt bald.

Göttingen – Der Impfstützpunkt in der Alten Post am Göttinger Bahnhof schließt am Dienstag, 20. Dezember, seine Pforten. Auch die mobilen Impfteams beenden ihre Arbeit – dazu Fragen und Antworten.

Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern der Teams?

„Viele der Kolleginnen und Kollegen sind wehmütig, weil sie in den vergangenen Jahren von einem bunt zusammengewürfelten Haufen zu einem engagierten Team zusammengewachsen sind“, sagt Dr. Fritz Jähn, der zusammen Dr. Sabine Sievers die ärztliche Leitung der Impfteams hat.

Wie viele Impfungen wurden von den mobilen Impfteams verabreicht?

In den vergangenen zwölf Monaten waren es mehr als 72.500 Immunisierungen in Stadt und Landkreis Göttingen. Seit Januar 2021 wurden in der Region mehr als 200.000 Impfungen vorgenommen.

Wo bekommt man zukünftig Impfungen gegen das Corona-Virus?

Dafür sind zukünftig die niedergelassenen Ärzte zuständig, weil das Impfen in Niedersachsen ausschließlich in die sogenannte „Regel-Versorgung“ überführt wird. Hintergrund: Bund und Land ziehen sich aus der Finanzierung zurück. Einige Apotheken bieten den Service an. In einigen anderen Bundesländern gibt es zumindest für den ländlichen Raum noch einige mobile Impfteams, um ärztliche Versorgungslücken zu schließen.

Wird es flächendeckend jederzeit Impfungen geben?

Das hängt von der jeweiligen Situation in den Praxen vor Ort ab. Für diese niedergelassenen Mediziner ist der logistische Aufwand für Impfungen hoch. Außerdem müssen Dokumentation und Aufklärung einem gewissen Standard entsprechen.

Wie hat sich die Arbeit bei den Impfteams in den vergangenen Monaten verändert?

Sie ist deutlich komplexer geworden, weil der Impfstatus der einzelnen Interessenten immer unterschiedlicher wird. Auch individuell durchgemachte Infektionen müssen bei der Beratung vor der Impfung berücksichtigt werden. In der Regel wird eine durchgemachte Infektion als „eigenständiges Immunereignis“ behandelt und ist damit faktisch einer Impfung gleichgesetzt.

Lohnt es sich, mit den anpassten Impfstoffen gegen die momentan vorherrschend Omikron-Variante (BA.4/5) impfen zu lassen?

„Seit September ist das der Standard für Auffrischungs- oder Booster-Impfungen“, sagt Dr. Jähn. Nach seinen Erfahrungen wird der Impfstoff gut vertragen, deshalb rät er in der Regel zu dieser Variante.

Was ist mit Impfwilligen, die noch keine Immunisierung erhalten haben?

Sie müssen bislang weiterhin die „Ur-Impfstoffe“ bekommen, weil die angepassten Impfstoffe erst in für Erst- und Zweitimpfungen zugelassen werden.

Was ist mit Impfwilligen, die erst eine oder zwei Immunisierungen per Spritze bekommen haben?

„Sie sollten unbedingt einen Arzt kontaktieren, um fehlende Corona-Impfungen nachzuholen“, sagt Dr. Jähn. Als vollständig geimpft gilt seit Kurzem nur, wer drei Immunereignisse (Impfungen oder nachgewiesene Infektionen) durchgemacht hat – also beispielsweise drei Impfungen oder zwei Impfungen und eine Infektion. Weitere Infos gibt es hier. Weitere Informationen gibt es hier.

Was ist mit Impfwilligen, die erst kürzlich eine Corona-Infektion durchgemacht haben?

Bei der Beratung müssen die Abstände zwischen den Immunereignissen, also Infektion bzw. Impfung, genau ausgelotet und berücksichtigt werden. Nach einer Infektion ist in der Regel erst nach sechs Monaten wieder eine Impfung erforderlich.

Was ist bei Impfungen grundsätzlich zu beachten?

Dr. Jähn: „Jede Impfung ist ein medizinischer Eingriff mit möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Nutzen und Risiko müssen deshalb genau abgewogen werden.“

Welche außergewöhnlichen Erfahrungen haben die Impfteams gemacht?

„Es gab zum Teil die Auffassung, dass viele Impfungen besonders gut helfen und ein sorgenfreies Partyleben ermöglichen“, sagt Dr. Jähn. Er stellt klar: „Eine Impfung gegen Corona schützt nicht vor einer Infektion, aber in mehr als 90 Prozent der Fälle vor schweren Verläufen.“ Deshalb sind aus seiner Sicht auch die normalen Schutzmaßnahmen, zum Beispiel das Tragen einer Maske bei größeren Menschenansammlungen in schlecht belüfteten Räumen, weiterhin sinnvoll.

Was machen die Mitarbeiter der Impfteams künftig?

Nicht alle der etwa 120 nichtärztlichen Mitarbeiter, also Pflege- und Verwaltungskräfte, haben eine Anschlussbeschäftigung, einige werden voraussichtlich arbeitslos. Die etwa 50 ärztlichen Mitarbeiter waren ohnehin nur auf stundenbasierter Honorarbasis als Ruheständler oder im Nebenberuf tätig.

Wie laufen die letzten Tage im Impfzentrum ab?

Alle Impfstoffvorräte, die vorhanden sind, sollen noch aufgebraucht werden. Der Rest wird dann zurückgegeben. Ab Mittwoch, 21. Dezember, beginnt das große Aufräumen. Das meiste Inventar, zum Beispiel Stühle, Tische und verschiedene Verbrauchsmaterialien, geht an die Stadt zurück.

Wann ist das Impfzentrum am Bahnhof in den nächsten Tagen noch geöffnet?

Das Impfzentrum kann man am Freitag (16.12.), Montag (19.12.) und Dienstag (20.12.) jeweils noch von 9 bis 18 Uhr besucht werden. Bereits beendet wurden die Impfungen für Mädchen und Jungen von fünf bis elf Jahren. Diese gibt es in der Regel nur noch bei Kinderärzten. (Bernd Schlegel)

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