Corona in Göttingen

Beobachtungen in der Innenstadt: Die Rückkehr der Langsamkeit

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Selbstverordnete Auszeit: Das Göttinger Café Auszeit nimmt dieser Tage Abstand vom Trubel – und vom Geschäft. Die Innenstadt ist beinahe menschenleer.

In Göttingen sind wegen Corona die meisten Geschäfte und Betriebe zu. Auch die Innenstadt wird immer leerer. Die Beschränkungen dienen der Eindämmung des Coronavirus.

Seit Mittwoch, 0 Uhr, greifen in Göttingen strengere Vorschriften, um generell Menschenansammlungen und viele Kontakte zu minimieren, damit die Coronavirus-Ausbreitung eingedämmt werden kann. Zu sehen, aber auch zu spüren ist das bei einem spontanen Rundgang.

In der Weender Straße, „der“ Einkaufsmeile, wo sonst bis zu 5000 Besucher pro Stunde gezählt werden, sind es am Mittwochmittag wenige Hundert.

Der sonnenbeflutete Platz vor dem Alten Rathaus ist wie leer gefegt. Ein paar Einkäufer hasten vorbei. Zwei ältere Herren sitzen auf dem Rand des Brunnens zu Füßen des Gänseliesels und unterhalten sich – über „das“ Thema: Corona und die Risiken. Aber: Sie wirken entspannt, richten ihre Gesichter immer mal wieder zur Sonne aus. Das tut gut.

Dort, wo „Bullerjahn“ und „Colosseum“ normalerweise zu dieser Stunde kaum freie Plätze zu bieten haben, herrscht Leere (Bullerjahn) und dominieren Stapel mit Stühlen (Colosseum). Dort wird zwar Eis nach draußen verkauft, aber von Andrang ist so gar nichts zu sehen.

Ein paar Meter weiter, vor dem Café Alfredo sitzen etwa 30 Gäste bei Espresso und Cappuccino. Die Tische stehen in vorbildlichem Abstand zueinander. Kein Gast kommt sich näher als auf 1,50 Meter. Das ist Vorschrift, so wird es eingehalten, auch beim Kult-Konditor Cron&Lanz sowie im Eiscafé „La testa bionda“ (Ex „San Marco“).

Die Shopping Tour aber entfällt seit heute: Alle Bekleidungs- und Einzelhandelsgeschäfte, auch Telekommunikationsläden haben geschlossen. Die großen Drogeriemärkte haben geöffnet, Apotheken ebenfalls, vor denen bilden sich Warteschlangen. Auch dort halten – die meisten Menschen – den gebotenen Abstand ein.

Andere begrüßen sich, als sei nichts gewesen, per Handschlag oder gar Umarmung. „Corona – ist doch nur ne Grippe“, sagt ein junge Mann lachend.

Den Ernst der Lage haben viele Geschäftsbetreiber aber längst verstanden: Auf den Schildern, die in den Schaufenstern und Türen hängen, begründen sie die Schließung mit den klaren Vorschriften, aber auch damit, ihre Mitarbeiter schützen zu wollen. Ein starkes Verhalten, das auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler lobt: „Vorbildlich, wie sich viele Betriebe und Firmen verhalten.“

Dass es in die Bevölkerung noch einsickern muss, zeigt die oben genannte Bemerkung des jungen Mannes, vor allem aber der Blick in soziale Netzwerke, wo sich vor allem junge Menschen verabreden, sich in Gruppen treffen, auch zum Feiern. Noch nichts gelernt haben sie, werden es aber tun müssen, wenn drastischere Maßnahmen kommen, wie Ausgangssperren.

Ein uneinheitliches Auftreten bieten am Mittwoch die Bäckereien, die meisten haben geöffnet. Sitzplätze aber sind gesperrt, wie bei „Kamps“ in der Groner Straße, der Straßenverkauf läuft.

Hier backt Hermann derzeit nicht: Das Geschäft an der Weender Straße zur Mittagszeit.

Ausnahme ist die Bäckerei Hermann im Erdgeschoss des Karstadt-Sport-Gebäudes. Dort sind alle Rollläden heruntergelassen, Kein Verkauf. Man ist vorsichtig.

Vorsichtig sind auch viele in den offenen Geschäften, man hält Abstand. Die sehr freundlichen Kassiererinnen bei „DM“ am Marktplatz bitten um Bezahlung mit der Karte. Bargeld muss auf einer Fläche abgelegt werden.

Und sonst: Viele genießen auch die Ruhe, das nicht vorhandene Getümmel, die Sonne und die Rückkehr einer gewissen Langsamkeit. Manche lesen Zeitung oder auf dem Handy die Online-Nachrichten: sicher auch über „das“ Thema dieser Tage und Wochen. Corona ist überall.

Die Polizei patrouilliert in einer fast leeren Göttinger Innenstadt (Weender Straße).

Das Virus aber soll eben nicht überall sein. Ein Polizei-Bulli fährt im Schritttempo durch die Fußgängerzone. Der Beamte grüßt freundlich. Er schaut nach dem Rechten. Wie sonst auf, aber heute fällt es mehr auf - in der leeren Weender Straße, der Flanier- und Einkaufsmeile.

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