Infektionen wirken sich aus

Corona-Krise: 348 Schulen in Niedersachsen nicht im Regelbetrieb

Unterricht mit dem iPad
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Unterricht mit dem iPad: So etwas wird in der Corona-Krise immer wichtiger, da oft nicht alle Schüler gemeinsam lernen können. (Symbolbild)

In Niedersachsen sind 14 von etwa 3000 Schulen coronabedingt geschlossen.

Hannover/Göttingen – 330 Schulen im Land haben insgesamt 50 Jahrgänge, 644 Klassen und Lerngruppen sowie 207 Kohorten aus dem Präsenz-Unterricht genommen und ins Homeschooling geschickt, wie das Kultusministerium in Hannover auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. 1900 Schüler sind seit Schuljahresbeginn positiv getestet worden.

333 Schulen, also etwas mehr als ein Zehntel aller, waren bis Donnerstag in das Wechselmodell umgestiegen, das sind gut 100 mehr als zu Wochenbeginn. Sie arbeiten im „Szenario B“, also mit und in geteilten oder verkleinerten Klassen und Lerngruppen. Die Schüler werden dabei in Teilgruppen und im Wechsel zu Hause (Homeschooling) und in Präsenz in der Schule unterrichtet.

Für eine Teilung von Schulklassen plädierte auch die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe. „So wie im Moment unterrichtet wird, sind die Gesundheitsrisiken zu hoch.“ Für die Schüler sei es besser, die Klassen rechtzeitig zu teilen als zu riskieren, die ganze Klassen in die Quarantäne zu schicken. Die GEW betonte erneut, dass es auch um den Schutz der Lehrer ginge. Viele Lehrer fühlten sich nicht mehr ausreichend geschützt, heißt es aus Gewerkschaftskreisen.

Wie viele Schüler und Lehrer in Quarantäne sind, ist nicht bekannt. Wohl aber, dass die Schüler zu Hause mit Aufgaben versorgt und unter Anleitung der Lehrer betreut werden – meist online.

Die Lage im Kreis Göttingen

Im Landkreis Göttingen sind nach Aussage der Krisenstabsleiterin Petra Broistedt zurzeit zehn Schulen von Corona-Fällen betroffen. In der Lehrerschaft gab es – Stand Donnerstag – zwei Verdachtsfälle und zwei Infektionen. „Diese Zahlen zeigen, das ist ein sehr kleiner Teil der Schulen und der dort arbeitenden Menschen“, sagt Petra Broistedt, die auch Sozial- und Kulturdezernentin der Stadt Göttingen ist. Das zeige auch, dass die Hygienekonzepte stimmen und eingehalten werden, laut Broistedt „die Schulen letztlich keine großen Infektionsherde sind“.

Für den Landkreis wolle man in Kürze die Regeln dafür ändern, welche Schüler wann in die Quarantäne gehen müssten: So sollten nicht mehr ganze Lerngruppen oder Klassen in Quarantäne geschickt werden, sondern nur die unmittelbaren Sitznachbarn. So soll vor allem das an der Belastungsgrenze arbeitende Gesundheitsamt entlastet werden, weil die Zahl der Nachverfolgungen massiv sinken würde. „Das würde helfen“, sagt Broistedt.

In Niedersachsen gibt es 3000 Schulen mit 35 000 Klassen und mehr als einer Million Schülern, die von 100 000 Lehrern und pädagogischen Mitarbeitern unterrichtet und versorgt werden – zurzeit auch verstärkt mit außerunterrichtlichen Bildungsangeboten.

In Deutschland wurde am Mittwoch 3240 Schulen nicht mehr im Regelbetrieb unterrichtet. Das geht aus Zahlen aus 14 Bundesländern (ausgenommen Hessen und Bremen) hervor. In Nordrhein-Westfalen befänden sich Schüler an 552 Schulen auf Anordnung der Gesundheitsbehörden in Quarantäne und würden digital unterrichtet. NRW hatte am Mittwoch einen früheren Beginn der Weihnachtsferien verkündet. Das Kultusministerium in Hannover hält sich damit noch zurück.  (Thomas Kopietz/mit epd)

Kommentar: Gute Zahlen sind kein Grund zur Entwarnung

Schulen sind offensichtlich – aktueller Zahlen zu Folge – keine Hotspots für Corona-Infektionen. Das ist eine positive Erkenntnis für Schulen, Lehrer, Schüler, Eltern und noch weitaus mehr Menschen. Sind diese Ergebnisse aber auch eine Entwarnung? Nein, denn ein genaues Bild über das Ausmaß der Infektionen und die Wirkung des milden Lockdowns lässt sich noch nicht zeichnen, das sagen auch Virologen, Epidemiologen und Intensivmediziner. Die Zahlen zu Infektionen und Quarantänepersonen in Schulen zeigen aber auch, dass dort die Hygienekonzepte und Strategien mit wachsendem Homeschooling-Anteil meist greifen – trotz aller Unwägbarkeiten, die das nicht immer regelkonforme Verhalten von manchen Lehrern und Schülern mit sich bringt.

Wichtig ist aber auch die stetig geäußerte konstruktive Kritik von Politikern und Interessenverbänden der Lehrer, Eltern und Schüler an den Landes-Vorgaben. Denn der Schutz von Schülern, Lehrern und Mitarbeitern ist – neben dem formulierten Ziel der Aufrechterhaltung des Schulbetriebs – vordringlichste Aufgabe der Politik.

So gilt es, Tempo zu machen beim Einbau von Lüftungs- und Filteranlagen in Schulräumen. Auch die Schülerbeförderung benötigt Impulse, oft sind die Busse proppevoll, Abstandsregeln eine Farce. (Thomas Kopietz)

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