Wichtiges Gesprächsangebot

Corona-Krise erreicht die Göttinger Telefonseelsorge

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Leitet die Göttinger Telefonseelsorge: Pastor Uwe Hobuß steht den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Einrichtung jederzeit zur Seite.

Bei immer mehr Gesprächen der Telefonseelsorge in Göttingen geht es um das Coronavirus. Bei etwa 40 Prozent der Kontakte steht die Krise inzwischen im Mittelpunkt.

Das entspricht einer bundesweiten erkennbaren Tendenz. „Die Anzahl der Anrufe ist aber nicht signifikant gestiegen“, sagt Uwe Hobuß, Leiter der Telefonseelsorge, die für ganz Südniedersachsen zuständig ist. Das liegt auch daran, dass in Göttingen und wie auch in vielen anderen Telefonseelsorgestellen nur ein Apparat besetzt sei.

Inhaltlich geht es in den Gesprächen um die zwiespältigen Gefühle bei Hamstereinkäufen, den Ärger über leere Regale und die Sorge, selbst keinen eigenen Vorrat zu haben, berichtet der 63-jährige Pastor. Aber auch die Angst vor Ansteckung und davor, welche Auswirkungen weitere Maßnahmen wie eine allgemeine Ausgangssperre haben könnten, bewegt die Anrufer. Der wahrzunehmende Redebedarf brauche einen geschützten Raum, macht Hobuß deutlich. Die Telefonseelsorge biete genau diesen geschützten, „infektionsfreien“ Raum und ein „lebendiges, aktives Zuhören“ am Telefon.

Gleichzeitig stellt das Team der Telefonseelsorge fest, dass die Themen, die die Anrufer schon immer stark umgetrieben haben, wie „Umgang mit der eigenen Angst“, die „Niedergeschlagenheit“, der Umgang mit der eigenen Einsamkeit“, „problematische familiäre Beziehungen“ und „problematische Alltagsbeziehungen“, weiterhin wichtig sind.

Grundsätzlich stehe bei den meisten Gesprächen der Wunsch nach emotionaler Entlastung, nach Annahme, Ermutigung und Kontakt im Mittelpunkt, so Hobuß. Die Mitarbeiter im aktiven Dienst am Telefon beschäftigt außerdem die Frage, ob die Arbeit der Telefonseelsorge während der Corona-Krise als „systemrelevant“ eingestuft wird oder nicht.

60 Ehrenamtliche gehen regelmäßig ans Seelsorgetelefon

Die Göttinger Telefonseelsorge gibt es seit 45 Jahren. Bis August 2017 bestand sie als eingetragener Verein. Seitdem wird die Einrichtung, in der sich etwa 60 Ehrenamtliche engagieren, vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Göttingen getragen. Die Finanzierung wird durch Spenden und durch die Landeskirche sichergestellt. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos aus dem Festnetz und den Mobilfunknetzen unter Tel. 0800/111 0 111 erreichbar. Der Kontakt erfolgt absolut anonym.

Weitere Infos gibt es hier.

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