Neue Online-Angebote

Corona-Krise: Kulturzentrum Musa geht alternative Wege

Tanzt normalerweise hinter dem Pult in der Musa: DJ Albi. In der Corona-Krise schaltet er auf ein virtuelles Format um und legt an diesem Freitag online auf . Foto: Andreas Arens

In der Corona-Krise gehen das Kulturzentrum Musa und andere Einrichtungen in Göttingen alternative Wege. Das Publikum soll mit Online-Angeboten erreicht werden.

  • Coronavirus breitet sich weiter in der Region Göttingen aus
  • Kulturzentrum geht neue Wege
  • Online-Konzerte und Live-Übertragungen werden angeboten

Göttingen - „Ach, was bin ich aufgeregt“, begrüßt DJ Albi Ende März pünktlich nach der Tagesschau um 20.15 Uhr sein Publikum. Auf dem Programm steht Rock gegen Rheuma, eine Veranstaltung, die normalerweise jeden zweiten Freitag im Kulturzentrum Musa in Göttingen stattfindet.

Corona in Göttingen: Live auf YouTube-Chanel 

Diesmal ist alles anders. Statt wie gewohnt im Hagenweg sehen die Rock gegen Rheuma Fans ihren Albi diesmal live in seinem Wohnzimmer – und auf dem extra neu eingerichteten YouTube-Chanel „Albi Di Bongo“.

Wie der Göttinger DJ, der 2018 sein 50-jähriges Jubiläum an den Plattentellern gefeiert hat, gibt es viele Kulturschaffende, die sich online an ihr Publikum richten – bundesweit. Eine Entwicklung, die nicht nur zeigt, dass Not erfinderisch macht, sondern auch, dass gerade eine Krise durchaus kreatives Potenzial in sich tragen kann. Das Streaming von Live-Veranstaltungen ist zwar nicht völlig neu, neu ist jedoch die Häufigkeit, mit der Künstler die Möglichkeiten von YouTube, Facebook und anderen Plattformen nutzen.

Corona in Göttingen: Auftritt von Pfeffer + Salz

Auch Rock gegen Rheuma ist nicht das einzige Event dieser Art, das von der Musa in diesen Tagen angeboten wird. Das in Südniedersachsen äußerst beliebte Elektro-, House- und Techno-Format „Pfeffer & Salz“ hat am 2. April ebenfalls sein Streaming-Debüt gegeben und live bei Facebook aus dem großen Saal in der Musa gesendet. Ab 18 Uhr gab es satte vier Stunden Beat auf die Ohren von den DJs KOCH:R, Ralf Uhrlandt und Disscut, die bei ihrer Arbeit von drei Kameras begleitet wurden. Die Veranstaltung, die sich in den vergangenen zehn Jahren erst im Göttinger JT-Keller etabliert hat und dann in die Musa umgezogen ist, begrüßt normalerweise zwischen 500 und 700 tanzwütige Besucher und gilt als DIE Party in Südniedersachsen unter Szene-Kennern.

Bis zu zehn DJs, die überwiegend aus Göttingen und der Region stammen, aber wie Ralf Uhrlandt zum Teil auch international gefeiert werden, legen dann auf zwei Dancefloors auf. Mit dem Streaming geht es dem Pfeffer+Salz-Team vor allem darum, am Ball zu bleiben. „Auch wenn die Welt gerade wie eingefroren ist, möchten wir trotzdem irgendetwas zur Gesamtsituation beitragen […] um euch mit Musik zumindest für eine Zeit lang abzulenken“, heißt es auf der Veranstaltungsseite bei Facebook.

Corona in Göttingen: Unterhaltung für alle

Eine Ablenkung dürfte auch der Auftritt von DJ Albi für seine Fans gewesen sein, die sich bei YouTube sogar aus Tansania und Atlanta dazu geschaltet haben. Anders als erwartet, hat Albi nämlich nicht sein gewohntes Rock gegen Rheuma Programm gespielt, sondern tief in der Kreativitätskiste gegraben und sich nicht allein als DJ, sondern vielmehr als Gesamtkunstwerk und Entertainer präsentiert. Einfach nur Musik aufzulegen war ihm zu „öde“ und zu nah am „Radio-Machen“. Ihm ging es um die Unterhaltung und die Überraschungsmomente. Und die gab es nicht zu knapp – sei es in Form von Tanzeinlagen, selbstgeschriebenen Gedichten und Songs oder mit einem interaktiven Quiz.

Auch Albis legendäre Trommeleinlage auf der Conga zu Birth Controls „Gamma Ray“ durfte bei der Streaming-Premiere nicht fehlen – ein Ritual, das offensichtlich nicht nur bei original Rock gegen Rheuma-Abenden in der Musa funktioniert. Ist es trotzdem dasselbe Gefühl, als würde man live vor Publikum auflegen? „Es ist schon anders. Normalerweise beobachte ich die Leute, aber bei YouTube ist es ja so, dass die Leute mich beobachten. Deshalb war ich auch so aufgeregt und es ist mir auch schwergefallen, die Titel bis zum Ende auszuspielen, weil ich immer dachte: Mensch, jetzt musst du doch mal wieder was für die Leute machen“, erzählt Albi, dem der direkte „Applaus“ seiner Gäste gefehlt hat. Den gab es diesmal in Form von Kommentaren bei YouTube. Dort heißt es unter anderem „Albi, rock das Haus“, „Sehr geil“ und „Legendär“.

Corona in Göttingen: Rocken gegen Rheuma im Netz

Trotz anfänglicher technischer Schwierigkeiten, die dank Musa Mitgeschäftsführer Stefan Rieder schnell behoben werden konnten, steht für Albi schon nach der Premiere fest: „Es wird auch nach der Krise online für mich weitergehen, selbst wenn es das ‘richtige’ Rock gegen Rheuma dann wieder gibt. Ich habe noch jede Menge Ideen, was ich machen könnte, zum Beispiel Bands vorstellen oder ähnliches.“

Einen Vorgeschmack auf die „vielen Ideen“ gibt Albi bereits am kommenden Karfreitag, 10. April, wenn er in Zusammenarbeit mit der Musa sein Publikum zur zweiten Ausgabe von Rock gegen Rheuma als Live-Stream begrüßt. Diesmal wird es nicht nur eine kleine Instrumentenkunde und ein weiteres Quiz geben. Die Zuschauer werden auch live dabei sein, wenn Albi ein Wasser-Himmel-Aquarell entstehen lässt. Um 20.15 Uhr geht’s auf Albis YouTube-Chanel „Albi Di Bongo“ los. Das Angebot kann hier aufgerufen werden.

"Stubenhocker-Session" der Musa startet am 7. April

Die Musa startet am Dienstag, 7. April, um 18 Uhr auf ihrer Facebook-Seite zusätzlich mit der neuen Reihe „Stubenhocker-Session“ und bringt damit Konzerte live aus der Musa nach Hause zu den Fans aufs Sofa, in die Badewanne oder in den Hobbykeller. „Menschen vor Ort mit Kultur zu versorgen wird auch in Zeiten wie diesen die Mission der Musa bleiben.“ Zur Premiere steht Singer- und Songwriter Bodo von Zitzewitz alias „Komparse“ auf der Bühne, am Dienstag, 14. April, begrüßt die Musa dann „Frau Pauli“ zur zweiten Stubenhocker Session.

Corona in Göttingen: Zoom-Party von „Reis Against The Spülmachine“

Wer andere Möglichkeiten als YouTube und Facebook nutzen möchte, um sich Kultur ins Wohnzimmer zu holen, kann sich am Gründonnerstag, 9. April, ab 18 Uhr bei „Zoom“, einer Online-Plattform für Videokonferenzen, zu einer virtuellen Privatparty verabreden, bei der sich das Musik-Comedy-Duo „Reis Against The Spülmachine“ spontan für ein paar Songs dazu schalten wird. „Schon in der kostenfreien Version von ‚Zoom’ können bis zu 100 Leute gleichzeitig an einer Konferenz teilnehmen und auch in einem ‚Breakout Room’ ihr Séparée genießen. Leider muss man große Räume alle 40 Minuten in der Freeversion neustarten, aber das schaffen wir. Anmelden könnt ihr eure Truppe unter: www.reisagainstthespuelmachine.de/zoom“, so die Band.

Vielleicht ein kleiner Vorgeschmack für den geplanten Auftritt im Göttinger Exil, wo Reis Against The Spülmachine am Samstag, 13. Juni – sofern es die Krise erlaub – spielen werden. Dann mit echtem Publikum statt mit virtuellem Applaus. Weitere Infos gibt es hier.

VON ANKE HEIDENREICH

Andere Neuigkeiten rund um das Thema Coronavirus in der Region Göttingen lesen Sie im News-Ticker. 

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