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Maßnahmen-Kritiker demonstrieren in Göttingen gegen geplante Corona-Impfpflicht

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Von: Michael Caspar

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Fürchten Nebenwirkungen einer Corona-Schutzimpfung: Demonstranten ziehen durch die Göttinger Bühlstraße.
Fürchten Nebenwirkungen einer Corona-Schutzimpfung: Demonstranten ziehen durch die Göttinger Bühlstraße. © Michael Caspar

Maßnahmen-Gegner demonstrieren Montagabend im Göttinger Ostviertel gegen eine Corona-Impfpflicht. Gegendemonstranten versuchen, sie daran zu hindern.

Göttingen – Bei kalten Regenwetter sind am Montagabend (04.04.2022) in der Spitze 90 Göttinger gegen eine Corona-Impfpflicht im Ostviertel in Göttingen auf die Straße gegangen. Gegendemonstranten versuchten mit einer Blockade den Aufzug zu stoppen. „Diesmal muss niemand mehr eine Maske tragen“, erklärte der Ordner über Megaphon.

Applaus brandete bei den Kritikern der Corona-Schutzmaßnahmen auf, die sich am Albaniplatz versammelt hatten. Doch obwohl viele Vorgaben auch in Niedersachsen Anfang April gefallen sind, fühlen sich die Demonstranten weiter in ihren Grundrechten beschränkt. Vor allem die Impfpflicht für Menschen ab 50 Jahren, über die der Bundestag am Donnerstag abstimmt, empört sie.

Corona-Demo in Göttingen: Maßnahmen-Kritiker demonstrieren gegen geplante Impfpflicht

Die Impfstoffe seinen „nicht ausreichend“ auf Nebenwirkungen getestet worden, erklärte ein 64-jähriger Tischler und Holztechniker. Über die „Risiken der Impfung“ wisse er aus Beiträgen des – umstrittenenen – Online-Magazins „Tichys Einblick“ sowie aus Veröffentlichungen des AfD-nahen Vereins Europäisches Institut für Klima und Energie, der die Erderwärmung bestreitet.

Jeder sollte sich frei für oder gegen eine Impfung entscheiden können

Göttinger Lehramtsstudentin

„Jeder sollte sich frei für oder gegen eine Impfung entscheiden können“, meinte eine 27-jährige Lehramtsstudentin. Sie lehne Impfungen nicht ab, habe sich vor einer Reise in die USA gleich gegen mehrere Krankheiten impfen lassen. Sie wolle sich aber von der Bundesregierung „nichts vorschreiben“ lassen.

Corona-Demonstranten wählen oftmals FDP und Die Basis

Aber gibt es in Deutschland nicht seit 2020 bereits eine Impfpflicht gegen Masern? Nach einer Impfung gegen Masern könne eine Person – im Unterschied zur Corona-Impfung – die Krankheit nicht weiter verbreiten, sagte dazu eine 47-Jährige. Sie habe früher die CDU gewählt, gebe ihre Stimme aber mittlerweile der „Bürgerrechtspartei FDP“.

Einem 37-jährigen Sporttrainer war die FDP dagegen „nicht eindeutig genug positioniert“. Die AfD wähle er nicht, weil sie ihm „zu weit rechts“ stehe. Er habe bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr für die 2020 gegründete Kleinpartei Die Basis gestimmt, die der Querdenker-Bewegung nahe steht. Dort sind umstrittene Ärzte wie Wolfgang Wodarg und Sucharit Bhakdi aktiv.

Einige Maßnahmen-Gegner distanzieren sich zu rechten Parteien

Zum Basis-Kanzlerkandidaten, dem Göttinger Rechtsanwalt Reiner Fuellmich, ging ein 43-jähriger Mitdemonstrant auf Distanz. Fuellmich sei ihm „zu unsachlich“, erklärte er. Er wies auch Vorstellungen zurück, wonach das Virus nur der Vorwand einer „globalen Elite“ für einen Great Reset („großen Neustart“) zur Errichtung einer Neuen Weltordnung sei.

Mangelnde Abgrenzung gegenüber Rechtsextremen und Verschwörungserzählungen warf Hannah Dißelbeck, die Vorsitzende des Juso-Unterbezirks Göttingen, den „Spaziergängern“ vor. Sie gehörte zu rund 20 Gegendemonstranten vom gewerkschaftsnahen Bündnis gegen Rechts. Die Gruppe stand weiträumig getrennt von den Kritikern der Schutzmaßnahmen. (Michael Caspar)

Bei Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen in Göttingen kommt es immer wieder mal zu gewalttätigen Übergriffen. So auch erst Anfang April 2022, als Unbekannte einer Demonstrantin ins Gesicht geschlagen haben. Und Mitte März 2022 schloss die Polizei Maskenverweigerer von Demos aus.

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