Finanzen

Steuererklärung 2020: Corona-Kurzarbeitergeld erhalten? Das kann teuer werden

Wer Kurzarbeitergeld erhalten hat, muss eine Steuererklärung abgeben.
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Wer Kurzarbeitergeld erhalten hat, muss eine Steuererklärung abgeben.

In Niedersachsen müssen wohl Tausende Menschen für das Corona-Jahr 2020 eine Steuererklärung machen. Grund ist laut Finanzamt das Kurzarbeitergeld.

Göttingen/Northeim – Für mehr als 10.000 Steuerbürger in den Kreisen Göttingen und Northeim besteht in diesem Jahr voraussichtlich die Pflicht, eine Einkommensteuererklärung zu machen, wenn sie mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld bezogen haben.

„Das Finanzamt bekommt die Zahlungen von Kurzarbeitergeld in jedem Fall mit, weil sie automatisch an das Amt übermittelt werden“, sagt Andreas Pohlmann, Vorsteher des Finanzamtes Göttingen. Hintergrund: Die Arbeitgeber haben alle Lohndaten für 2020 per Datenaustausch bis Ende Februar an die Finanzverwaltung gemeldet. Entscheidend ist dabei Zeile 15 in der Lohnsteuerbescheinigung.

Finanzamt: Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, wird aber mit anderen Einkünften verrechnet

Dort ist unter anderem der Betrag des ausgezahlten Kurzarbeitergeldes ausgewiesen. Dort tauchen aber auch andere Zahlungen auf. Der Einkommenssteuererklärung ist notwendig, weil für das Kurzarbeitergeld der sogenannte Progressionsvorbehalt greift. Zwar ist das Kurzarbeitergeld steuerfrei, wird aber bei der Berechnung des persönlichen Steuersatzes für die übrigen Einkünfte mit herangezogen.

„Diese Heranziehung ist nichts Neues. Das gab es schon immer, zum Beispiel beim Bezug von Krankengeld oder anderen Lohnersatzleistungen“, sagt Jacqueline Hunold, Einkommenssteuerhauptsachbearbeiterin beim Finanzamt Göttingen.

Andreas Pohlmann leitet seit März 2015 das Finanzamt Göttingen. Nach einer Ausbildung beim Finanzamt Oldenberg und einem Jura-Studium in Göttingen und dem anschließenden Referendariat kam er zur Steuerverwaltung zurück. Pohlmann ist verheiratet, lebt in Northeim und hat zwei erwachsene Kinder.

Video: Kurzarbeitergeld - Vereinfachte Regeln werden erneut verlängert

Steuererklärung rechtzeitig beim Finanzamt abgeben, sonst droht ein Verspätungszuschlag

Mit der Steuererklärung kann man sich nicht ewig Zeit lassen: Die Abgabefrist fürs Steuerjahr 2020 wurde für Betroffene ohne Steuerberater corona-bedingt bereits von Ende Juli auf Ende Oktober verlängert. Wer bis dahin nicht abgegeben hat, wird dazu aufgefordert, kündigt Hunold an. Unter Umständen kann auch ein Verspätungszuschlag fällig werden.

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Die Finanzverwaltung mit ihren etwa 550 Mitarbeitern in den Landkreisen Göttingen und Northeim, die pro Jahr mehr als 100.000 Steuererklärungen bearbeiten, stellt sich auf eine deutliche Mehrarbeit ein. „In diesem Jahr müssen einfach Bürger eine Steuererklärung abgeben, die es sonst nie mussten“, sagt Peter Bierwag, Sachgebietsleiter beim Finanzamt Göttingen.

Darüber hinaus gibt es einiges, was man für die Steuererklärung des Corona-Jahrs 2020, bedenken sollte: Dazu zählen neben der Verlängerung der Abgabefrist auch die Anrechnung von Homeoffice-Kosten und die Einbeziehung etwaiger Corona-Hilfen.

Elektronische Steuererklärung überwiegt

Fast zwei Drittel aller Arbeitnehmer geben ihre Steuererklärung inzwischen elektronisch ab. Dabei hilft unter anderem das kostenlose Programm „Mein Elster“ der Finanzverwaltung. Nach doppelter Freischaltung kann man die Vorteile einer vorausgefüllten Steuererklärung nutzen. Dabei werden alle Daten, die dem Finanzamt bereits vorliegen, automatisch eingefügt. Außerdem läuft im Hintergrund eine vorläufige Steuerberechnung. Weitere Infos gibt es hier.

Steuererklärung: Der Computer des Finanzamtes prüft jeden Fall

Wer Kurzarbeitergeld bezogen hat, muss in der Regel eine Einkommensteuererklärung abgeben – dazu Fragen und Antworten.

Wie hoch fällt der Progressionsvorbehalt beim Kurzarbeitergeld aus?
Das kann man im Voraus nicht sagen. Das hängt von der individuellen Situation des Steuerpflichtigen und seinen sonstigen Einkommensverhältnissen ab.
Wie bekomme ich Hilfe beim Ausfüllen der Steuererklärung?
Kostenlose Unterstützung bekommt man beim Service-Center der Finanzämter. Außerdem gibt es eine Service-Hotline der Niedersächsischen Steuerverwaltung, die unter 0800/9980997 zu erreichen ist.
Gibt es auch Steuererleichterungen mit Blick auf Corona?
Ja, Arbeitnehmer können eine Pauschale für Tage ansetzen, die ausschließlich im Home-Office verbracht werden. Sie beträgt für maximal 120 Arbeitstage fünf Euro je Tag.
Was ist beim Thema Fahrtkosten zu beachten?
Für Tage im Home-Office kann natürlich nicht zusätzlich die Fahrt zum Betrieb von der Steuer abgesetzt werden. Die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter des Finanzamtes werden die Angaben wie immer auf Schlüssigkeit prüfen.
Wie werden Steuererklärungen grundsätzlich behandelt?
Jede Erklärung läuft vorab durch ein elektronisches Risikomanagementsystem, das die angebenen Daten auf ihre Plausibilität überprüft. Werden dabei Unstimmigkeiten festgestellt, so werden die Fälle von Sachbearbeitern gecheckt.
Wie werden die zu prüfenden Fälle ausgewählt?
Zahlreiche Fälle ploppen durch das Risikomanagement auf. Es gibt aber auch eine gewisse Anzahl an Erklärungen, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden. Das bedeutet: Auch wenn es im Vorjahr keine Rückfragen zur Steuererklärung gab, kann es im Folgejahr anders sein.
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte den Zinssatz von sechs Prozent auf Erstattungen und Nachzahlungen für verfassungswidrig erklärt. Wie wirkt sich das aus?
Alle Verzinsungen, die ab dem Jahr 2019 angefallen sind, werden voraussichtlich korrigiert. Das passiert automatisch. Der Steuerbürger muss sich aktuell nicht darum kümmern.

(Bernd Schlegel)

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