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Normalität nach dem Corona-Lockdown? Virologe Streeck mit vorsichtiger Prognose

Virologe Hendrik Streeck kritisiert die Corona-Strategie in Deutschland. Gleichzeitig warnt er vor möglichen Auswirkungen der Mutationen.

  • Wie geht die Politik mit der Corona-Pandemie um?
  • Hendrik Streeck fordert offenere Diskussionen und probeweise Öffnungen in der Gastronomie.
  • Der Lockdown sei auf Dauer keine Lösung - der Virologe empfiehlt ein Corona-Ampel-System.

Update vom Montag, 22.02.2021, 15.16 Uhr: Besuche im Restaurant und mehr soziale Kontakte: Viele sehnen sich nach einem Ende des Corona-Lockdowns in Deutschland. Dieser wird aber mindestens noch bis zum 07.03.2021 andauern. Der Virologe Hendrick Streeck schaut nun vorsichtig in die Zukunft.

Wie viele Virologen warnt auch Streeck vor den auftretenden Corona-Mutationen. „Wir müssen die Mutationen ernst nehmen“, erklärt er gegenüber RTL. Dennoch plädiert der Virologe für einen langfristigen Stufenplan, „um eine Perspektive zu erstellen“. So könne man die Entwicklungen im Lockdown besser einschätzen - auch in Hinblick auf potenzielle Öffnungen. Er verwies erneut auf sein Ampel-System, welches abhängig vom Infektionsgeschehen, den Inzidenzen und dem R-Wert Öffnungen in bestimmten Bereichen möglich machen soll.

Gleichzeitig mahnt er auch zur Vorsicht, denn die Mutationen sollten nicht außer Acht gelassen werden. Wegen der Corona-Varianten sollte der Inzidenzwert laut Streeck für allgemeine Öffnungen niedriger als bisher angesetzt werden. So etwas hatte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geäußert: In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ sprach Spahn von einer erstrebenswerten Corona-Inzidenzzahl von unter 10.

Virologe Hendrik Streeck verweist erneut auf das von ihm entwickelte Ampelsystem - und mahnt zur Vorsicht bei den Corona-Muntanten (Archivfoto).

Corona in Deutschland: Virologe Streeck will Restaurants testweise öffnen

Update vom Freitag, 19.02.2021, 11.30 Uhr: Insgesamt geht die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland zurück, doch die hochansteckenden Corona-Mutationen aus Südafrika und Großbritannien breiten sich weiter aus. Trotz allem fordert der Virologe Hendrik Streeck eine schrittweise Öffnung der Restaurants.

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus zufolge hat sich Streeck dafür ausgesprochen, Betriebe in der Gastronomie probeweise wieder aufzumachen. „Man sollte jetzt testweise Restaurants öffnen und diverse Hygienemaßnahmen, von der Distanz zwischen den Tischen über die Lüftung bis hin zur Kontaktnachverfolgung auf den Prüfstand stellen“, so der Virologe. Er betont, dass Restaurants mit guten Corona-Vorkehrungen sicherer sein könnten als der häusliche Bereich.

Corona-Lockdown in Deutschland: Virologe Streeck spricht sich für Ampelsystem aus

Auch die Bundesregierung hat sich für schrittweise Öffnungen und Lockerungen ausgesprochen. Diese sollen allerdings erst unterhalb des vereinbarten Inzidenzwerts von 35 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen erfolgen. Hendrik Streeck sieht diese Vereinbarung skeptisch: „Das Problem an diesen Richtwerten ist, dass sie keine wissenschaftliche Grundlage haben, sondern eher politischer Natur sind.“

Der Virologe empfiehlt daher ein Vorgehen nach einer Corona-Ampel. Diese soll abhängig von den Situationen in den Krankenhäusern und von der Zahl der Neuinfektionen jeweils auf Rot, Gelb oder Grün gestellt werden.

Virologe Hendrik Streeck kritisiert die Vorgehensweise der Regierung im Corona-Lockdown

Erstmeldung vom Dienstag, 16.02.2021, 18.30 Uhr: Göttingen - „Mir fehlt der Langzeitplan“, betont Virologe Hendrik Streeck. Die fehlende Strategie für den Corona-Lockdown in Deutschland bereitet ihm Sorgen. Entscheidungen diesbezüglich seien derzeit politisch getrieben und nicht wissenschaftlich begründet.

Am Mittwoch (10.02.2021) verabschiedeten Kanzlerin und Länderchefs eine Verlängerung des Corona-Lockdowns. Virologe Streeck hatte sich schon zuvor kritisch zu diesem Unternehmen geäußert. Die Menschen in Deutschland bräuchten Ziele, an denen sie sich orientieren könnten.

Vermisst einen „Langzeitplan“ in der Corona-Pandemie: Virologe Hendrik Streeck (Archivfoto).

Verschärfungen und Lockerungen im Corona-Lockdown - Virologe Streeck fordert Langzeitplan

Gegenüber RTL erklärte er: „Die Infektionszahlen zu drücken, ist natürlich gut und richtig und da ein bisschen Puffer einzubauen in jedem Fall auch. Mir fehlt der Langzeitplan, so wie unter anderem Schleswig-Holstein das vorgeschlagen hat, einen Stufenplan zu entwickeln.“

Die Landesregierung von Schleswig-Holstein legte Ende Januar einen Plan vor, welche Maßnahmen in der Corona-Krise wann angewendet werden könnten: Dabei ging es sowohl um Verschärfungen als auch um Lockerungen der herrschenden Regeln. Einen ähnlichen Corona-Stufenplan hatte Stephan Weil (SPD) in Niedersachsen vorgestellt.

Skalpell statt Hammer - Hendrik Streeck will andere Herangehensweise im Corona-Lockdown

Die politischen Entscheidungen in der Corona-Pandemie vergleicht Hendrik Streeck mit einem Hammer. Die Infektionsketten könnten nur unzureichend zurückverfolgt werden. Man wisse nicht, wer sich wo ansteckt. Demnach könnte man nur mit flächendeckenden Maßnahmen arbeiten.

PersonHendrik Streeck
Akademischer GradProf. Dr. med.
FachbereichVirologie und HIV-Forschung
Ort der ProfessurMedizinische Fakultät der Universität Bonn
Geburtsdatum07.08.1977
GeburtsortGöttingen (Niedersachsen)

„Wir müssen verstehen, wer sich wo infiziert, damit wir endlich anfangen können, auch mit dem Skalpell arbeiten können“, erklärt der Virologe der Universität Bonn Focus Online. Er fordert damit eine differenziertere Herangehensweise an den Lockdown in Deutschland.

Corona: Virologe Streek fordert Einbeziehung von Psychologen, Soziologen und Kinderärzten

Dazu gehöre auch die Einbeziehung von Psychologen, Soziologen, Kinderärzten und anderen Experten aus verschiedensten Lebensbereichen. Diese würden in den aktuellen Diskussionen meist außen vor gelassen. „Wo sind die Kinderärzte, die fundiert etwas über Kinder sagen können?“, fragt Streeck im Gespräch mit Focus Online. Er führt weiter aus: „Im Beraterteam von Kanzlerin Merkel sollten Experten gehört werden, die sich genau mit diesen Themen beschäftigen.“

Der in Göttingen geborene Virologieprofessor setzt auf differenzierte Maßnahmen, die durch wissenschaftliche Aussagen unterstützt werden. Die Infektionszahlen nahe Null zu drücken, hält Streeck für „illusorisch“. Das Coronavirus Sars-CoV-2 in seiner Gänze zu kontrollieren sei „nicht machbar“. Man müsse vielmehr einen Plan erstellen, „mit einer klaren Basis und Orientierung an festen Richtwerten.“

In unseren News-Tickern finden Sie alle neuen Informationen zu Corona in Deutschland und zu Corona in Niedersachsen. (Jennifer Greve, Alina Schröder)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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