Niedersachsen

Jetzt 32 Coronafälle in Stadt und Landkreis Göttingen

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Gesundheitsamt-Leiter: Dr. Eckart Mayr.

In Niedersachsen gibt es mehr als 700 Corona-Infizierte. 32 Fälle davon in Stadt und Landkreis Göttingen.

  • Mehr als700 Corona-Infizierte in Niedersachsen
  • 32 Fälle davon in Stadt und Landkreis Göttingen
  • Krisenstab in Göttingen: Vertreter von Stadt, Landkreis, Feuerwehr, Gesundheitsamt und Universitätsmedizin

Im Landkreis Göttingen gibt es Stand Mittwochabend (19.03.2020) 32 mit dem Coronavirus infizierte Menschen. Das gab die Stadt bekannt. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Vortag um 13 erhöht. Das ist bislang der höchste Anstieg, verursacht maßgeblich durch infizierte Mitglieder einer Reisegruppe aus dem Altkreis Osterode. Die Verläufe und Symptome seien „in der Regel mild“, sagte ein Sprecher. Weiterhin wird ein Corona-Patient in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) behandelt.

Corona im Landkreis Göttingen: Krisenstab

Täglich zwischen 15 bis 17 Uhr erfährt der Krisenstab, in dem Vertreter von Stadt, Landkreis, Feuerwehr, Gesundheitsamt und Universitätsmedizin sitzen, die aktuellen Zahlen. Dabei sei zu Bedenken, dass generell eine Verzögerung nach Abstrichnahme von bis zu drei Tagen zurzeit zur berücksichten sei, wie Dr. Eckart Mayr, Leiter des Gesundheitsamtes, erklärt.

Ein wenig stolz sei er auch, dass von den bis Dienstag Erkrankten sich keiner bei „von uns betreuten Kranken angesteckt hat“. Das zeige auch, dass man nah und erfolgreich beratend an den Kranken dran sei.

Er berichtete auch von einem neuen Textverfahren, das an der UMG zum Einsatz kommt und bis zu 1000 Tests pro Tag ermöglicht.

Corona im Landkreis Göttingen: Fallzahl-Prognose

Generell erwartet Mayr auch aufgrund dieser deutlich höheren Zahl von Tests eine weiter steigende Zahl von Infizierten. Die Fallzahl bewertete Eckart Mayr am Dienstag für Stadt und Landkreis Göttingen mit insgesamt 320 000 Einwohnern als „vergleichsweise gering“.

Corona im Landkreis Göttingen: Gesundheitsamt-Arbeit

Im Gesundheitsamt arbeite man von morgens bis abends unter Hochdruck, vor allem in der Recherche bezüglich der Kontaktpersonen von Infizierten. Das sei manchmal einfach, wenn nur eine Familie in Frage käme, manchmal aber auch hochkomplex und extrem arbeitsreich: „Wir hatten einen Studierenden, bei dem wir über unsere Hygieneinspektoren und deren Mitarbeiter 400 mögliche Kontakte nachverfolgen mussten, sie erstreckten sich über die Bereiche Studium, Mensa, Sport und Reise, schildert Mayr. Grundsätzlich nimmt das Gesundheitsamt nach der Meldung durch die Ärzte oder die UMG schnell Kontakt auf zu den Kranken, informiert und führt Recherchegespräche. Konkret wird dabei nach Kontakten gefragt, diese Kontakte werden kategorisiert, um letztlich entscheiden zu können, wann für wen eine Quarantäne angeordnet werden müsse.

Corona im Landkreis Göttingen: Kontakt-Kategorien

Höchste Kategorien sind Face-to-face-Kontakte mit mehr als 15 Minuten Dauer und der direkte Austausch von Sekreten. „Bei den Reiserückkehrern war letztendlich die gemeinsame Reisegruppe sehr entscheidend.“ Diese Kategorie-1-Zugeordnete erhalten eine Verfügung zur Quarantäne, die eingehalten werden müsse, „wenn Symptome auftreten sollten, sind sie kränker, müssen sie in die Klinik“. Sie müssen zudem ein Tagebuch führen und mehrmals täglich Fieber messen. Treten Krankheitssymptome auf, müssen sie sofort Nachricht geben.

Kategorie 2sind „kumulative Kontakte“. Beispiel: Ein Mitarbeiter geht durch Büroräume und begrüßt Kollegen mit Handschlag. „Auch das müssen wir erfassen und melden“, sagt Mayr.

Corona im Landkreis Göttingen: Ruf-Bereitschaft

Von Vorteil sei, dass seit der Ebola-Welle eine 24-Stunden-Rufbereitschaft vorhanden sei – bestehende aus Hygieneinspektoren und Arzt im Hintergrunddienst. „Die Anrufe kommen auch regelmäßig nachts“, sagt Mayr. „Deshalb arbeiten wir seit drei Wochen hoch intensiv.“ Zur Aufgabe des Gesundheitsamtes gehört auch die Information der Bevölkerung. Am Dienstag waren 14 Leute im Einsatz – bis hinein in den Abend. „Am Montag hatten wir 520 Anrufe.“ Diese seien zudem oft zeitintensiv, wie die Gespräche mit den niedergelassenen Ärzten, die vom Amt auch beraten werden.

Corona im Landkreis Göttingen: Feuerwehr

Bei den Tests ist auch die Berufsfeuerwehr beteiligt. Sie hat mittlerweile ein Fahrzeug eingerichtet, das zu Menschen fährt, die Schwierigkeiten haben, nach Göttingen zur UMG zu kommen, wie Berufsfeuerwehr-Chef Dr. Martin Schäfer berichtet, der aber auch kritisch anmerkt, dass das Göttinger Testzentrum viel früher hätte starten können. „Es wäre fertig gewesen“, sagt Schäfer.

Corona im Landkreis Göttingen: Kritik an Organisation

Aber auf Weisung des Sozialministeriums in Hannover durften Fahrzeuge und Zelte nicht eingesetzt werden.

Feuerwehr-Chef: Dr. Martin Schäfer.

„Es dauert viel länger Container-Lösungen zu schaffen“, ergänzt Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, der anfügt: „Bei uns in Deutschland stehen wir uns manchmal selbst im Weg - auch beim Einrichten der Testzentren.“ Martin Schäfer jedenfalls sagt noch: „Bei uns wären sie schon da.“

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