Coronavirus in Niedersachsen

Minister Althusmann zur Corona-Krise: Hafenwirtschaft in Niedersachsen ist systemrelevant

Zwei Container-Riesen am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven: Auch die Hafenwirtschaft in Niedersachsen leidet an den Folgen der Corona-Krise.Jade-Weser-Port/nh

Die Corona-Krise hat Auswirkungen auf alle Wirtschaftszweige, im Küstenland Niedersachsen also auch auf die See-Häfen.

Wir haben mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) über die Corona-Folgen für die Häfen – speziell dem Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven – gesprochen.

Herr Dr. Althusmann, landen derzeit überhaupt noch Containerschiffe im Jade-Weser-Port an?

Ja, aber spürbar weniger. Im Januar und Februar 2020 waren es durchschnittlich 29 Schiffe pro Monat, im vergangenen Jahr lag der Wert noch bei 35 Schiffen monatlich.

Das klingt nicht ermutigend.

Ohne Zweifel verzeichnen die niedersächsischen Seehäfen infolge der Corona-Krise einen erheblichen Umsatzrückgang und deutliche Volumeneinbrüche. Die bremische Hafenvertretung beziffert den Rückgang des Güterumschlags im März und April auf 20 bis 30 Prozent.

Wie sieht es in Wilhelmshaven aus?

Am Jade-Weser-Port haben wir die gleiche Situation. Sieben der zehn größten Containerhäfen der Welt liegen in China. Aufgrund des Ausnahmezustands der Weltwirtschaft, der Produktionsausfälle, Schließungen in der Industrie und den Exportbeschränkungen in den betroffenen Ländern gehen natürlich auch die Schifffahrten deutlich zurück.

Wie hoch war der Container-Umschlag in Wilhelmshaven 2019, und womit rechnen Sie schlimmstenfalls im laufenden Jahr?

Wir hatten 2019 einen Umschlag von 639 084 TEU, also Standardcontainern. Das war nach den jeweils zweistelligen Wachstumsraten von 2016 bis 2018 ein leichter Rückgang von 2,5 Prozent. Das war schon vor Corona und hing mit der weltweit schwachen Konjunktur im Wesentlichen infolge des Handelskonflikts zwischen China und den USA zusammen. Dieser Trend hat sich auch im ersten Quartal 2020 fortgesetzt, dazu kommen jetzt die Folgen der Corona-Krise.

Können die Häfen diese Krise überstehen?

Auch die Hafenwirtschaft wird unter Druck kommen und möglicherweise Kurzarbeitergeld, Kredithilfen und Bürgschaften in Anspruch nehmen müssen, um durch diese schwierigen Zeiten zu kommen. Güterverkehr über Staatsgrenzen hinweg ist nicht mehr ungehindert möglich. Die Hafenwirtschaft ist systemrelevant, diese brauchen wir zur Versorgung der Bevölkerung in Deutschland mit Lebensmitteln, mit Medikamenten, mit Gütern des täglichen Bedarfs.

Und was passiert jetzt mit den ankommenden Containerfrachtern? Müssen Kapitäne und Mannschaften in Quarantäne?

Natürlich gelten strenge Corona-Auflagen. Es sind Krisenstäbe bei der landeseigenen Hafengesellschaft N-Ports und beim Jade-Weser-Port eingerichtet; die haben Notfallpläne zur Eindämmung des Virus und zur Aufrechterhaltung des Hafenbetriebs in Gang gesetzt. Alle Mitarbeiter sind angehalten, die Hygieneregeln einzuhalten und den Kontakt wie in anderen Bereichen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

Und an Bord?

Die Schiffe sind verpflichtet, sich mindestens 24 Stunden vor Erreichen eines niedersächsischen Hafens anzumelden. Diese Meldung beinhaltet die Auflistung der zehn zuletzt angelaufenen Häfen. So können wir die letzten drei Monate des Reiseverlaufs erkennen. Und die Schiffe müssen eine Meldung über den Gesundheitszustand der Besatzung abgeben. Vor dem Einlaufen in die Häfen erteilt der hafenärztliche Dienst aufgrund der Seegesundheitserklärung eine Freigabe. Oder aber eben nicht. Dann wird auch über Quarantäne-Maßnahmen zu entscheiden sein.

Ist das schon passiert?

Meines Wissens noch nicht. Natürlich haben wir die Schiffe aus China, Deutschlands wichtigstem Handelspartner, besonders im Blick. Diese haben aber in aller Regel eine über vierwöchige Fahrtzeit auf See hinter sich. Da ist die zweiwöchige Inkubationszeit von Corona weit überschritten.

Müssen die Container abgesprüht werden?

Das ist offenbar nicht notwendig, da nach Erkenntnissen der Wissenschaftler das Virus in der Umwelt nicht lange überlebt, schon gar nicht über Wochen.

Wagen Sie einen wirtschaftlichen Ausblick auf den Hafen?

Es gibt einige Lichtblicke in der aktuellen Krise. Die Liniendienste der beiden großen Reederei-Allianzen 2M und Ocean Alliance werden nach dem Fahrplanwechsel jetzt im April weiter den Jade-Weser-Port anlaufen. Damit behalten wir in Wilhelmshaven eine gute geschäftliche Grundlage. Der Produktionssektor in China hat nach dem Abflauen der Corona-Krise dort inzwischen wieder ein Volumen von 60 bis 75 Prozent nach unserer Information erreicht. Das ist für uns ein äußerst wichtiges Signal. Denn das wirkt sich positiv auch auf die Schiffsabfahrten aus. Die Lieferketten von China nach Deutschland, die für etwa sechs Wochen unterbrochen waren, beginnen wieder anzulaufen.

Zur Person: Althusmann ist seit November 2017 Niedersächsischer Wirtschaftsminister

Bernd Althusmann (53) ist seit November 2017 Wirtschaftsminister in Niedersachsen und leitet in dieser Funktion auch den Aufsichtsrat der Jade-Weser-Port-Gesellschaft.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU)

Der Diplom-Betriebswirt und Pädagoge ist Vorsitzender der Niedersachsen-CDU und Abgeordneter des Landtags. Zwischen 2010 und 2013 war Althusmann Kultusminister. Er lebt mit seiner Familie im Landkreis Lüneburg

Von Peter Mlodoch

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