Ein Jahr im Zeichen des Coronavirus

Ministerpräsident Weil blickt auf das Corona-Jahr 2020 zurück: Zwischen Lockern und Lockdown

Ministerpräsident Stephan Weil
+
Hoffen auf 2021: Ministerpräsident Stephan Weil blickt auf ein schwieriges Corona-Jahr 2020 zurück.

Ein außergewöhnliches Jahr geht zu Ende – auch für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Er zieht Bilanz.

  • Corona bestimmte das Jahr 2020 und auch die Politik in Niedersachsen.
  • Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil blickt zurück auf das Corona-Jahr.
  • Aktuell wurden an Silvester (31.1202020) 2107 Neuinfektionen gemeldet.

Göttingen/Hannover – „2020 werde ich keine Träne nachweinen“, bekennt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil im Gespräch mit unserer Zeitung. Seine Landesregierung hat im Corona-Jahr aus Sicht vieler Niedersachsen einen ordentlichen Job gemacht – Weil als Krisenmanager vorneweg.

Der von Kritikern gerne als farblos bezeichnete Jurist machte zudem in Interviews nach den Runden der Landeschefs mit der Kanzlerin sowie als Talk-Show-Gast eine gute Figur, gewann an Renommee.

Nicht so rund lief es bei Stephan Weils Lieblingsklub Hannover 96. Das Fähnchen im Schrank seines Büros in der Staatskanzlei symbolisiert das – es hängt schlaff herunter. Doch Weil löst das Problem, drückt auf einen Knopf: „96, alte Liebe“, scheppert es durch das MP-Büro – und der Fan freut sich wie ein Kind. „Ich war so lange nicht im Stadion, das fehlt mir.“

Nachgewiesene Corona-Infektionen (31.12.2020)107.871 (+2107)
Verstorbene Personen1993 (+47)
Geschätzte genesene Personen86.298 (+1764)
7-Tage-Inzidenz93,2
Quelle: Land Niedersachsen

Rückblick auf das Corona-Jahr in Niedersachsen: „Das werden wir alle nicht vergessen“

Gefühle, mit denen er nicht allein ist, in einem Jahr, „das wir alle nicht vergessen werden“. Täglich habe er dazu gelernt, Entscheidungen wurden gefällt, präzisiert oder gar revidiert. Der Schutz vor dem Coronavirus, der Erkrankung Covid-19, dem Herunterbringen der Infektionszahlen – diese Ziele bestimmen das Handeln der Politik – und der Menschen.

Ohne die gehe es nicht. Deshalb hallten die Appelle des Regierungschefs von Niedersachsen regelmäßig aus der Staatskanzlei: Abstand halten, Mund-Nase-Schutz tragen, Kontakte reduzieren. „Anders geht es nicht!“, sagt Stephan Weil auch zum Jahresende, denn er fürchtet nach den Lockerungen um Weihnachten wieder steigende Infektionszahlen im Januar. Am 5. Januar 2021 zur nächsten Runde der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel werde man aber keine klaren Zahlen haben. Die harten Bandagen werden wohl angelegt bleiben – über diesen Termin hinaus. Niedersachsen hat seine Regeln bis zum 10. Januar 2021 festgezurrt, dem Ferienende.

Nichtstun macht die Sache nicht besser.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil

Corona in Niedersachsen: Dynamik und Aggressivität der zweiten Corona-Welle hat Weil überrascht

Stephan Weil gesteht ein, dass er zwar einen „anstrengenden Winter samt zweiter Corona-Welle erwartet“ habe, dann aber „von der Dynamik und der Aggressivität“ überrascht worden sei. Das Frühjahr sei eine „vergleichsweise geringe Herausforderung“ gemessen an der jetzigen Situation gewesen – „das hätte ich so nicht erwartet, es tröstet mich, dass es vielen Wissenschaftlern ähnlich geht“.

Klar waren die notwendigen Konsequenzen: „Die hohen Fallzahlen und die vielen Sterbenden zwingen uns, harte Entscheidungen zu treffen. Der zweite, harte Lockdown war und ist unumgänglich.“ Den wollten aber viele – auch Stephan Weil – zunächst gar nicht. Aus gutem Grund: Stand sein Land bei den Infektionszahlen doch oft besser da als viele andere Länder.

Der in ‘Welle 1‘ rigorose Lockdown-Befürworter Weil trat so noch im Oktober auf die Bremse, was für berechtigte Kritik sorgte. Das Niedersachsenross an die Kandare zu nehmen, zur Kehrtwende zu bringen, das war für den Regierungschef ein echtes Problem, wusste er doch um die Folgen: „Die Einschränkungen sind bitter für die Menschen und für die Wirtschaft. Viele ältere Menschen sind einsam. Die Besuche sind sehr wichtig für sie.“ Als Politiker diese Kontakte zu untersagen, gegen die eigentlich menschliche Notwendigkeit zu agieren, das fiel und fällt Stephan Weil schwer.

Stephan Weil zu Corona-Kontaktbeschränkungen: „Covid-19 bleibt eine tödliche Gefahr“

„Es ist ein Thema, was mich sehr umtreibt. Dieser Konflikt zwischen dem Anspruch auf Schutz der anderen Bewohner und dem eigenen Anspruch auf ein wenig Lebensqualität, also insbesondere auf Kontakt mit den Angehörigen – das war und ist ein riesiges Problem.“ Trotz besserer Ausstattung in den Pflegeheimen, der Maskenpflicht und Schutzmaterialien sowie der Pflicht zu Schnelltests für Personal und Besucher bleibt Covid-19 eine tödliche Gefahr für betagte Menschen.

„Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Risiken in den Alten- und Pflegeheimen sind weiter überdurchschnittlich“, stellt Stephan Weil fest, der betrübt anmerkt, dass täglich viel zu viele Menschen sterben, erfasst in nüchternen Zahlen. „An diese Statistik dürfe man sich nicht gewöhnen. „Das sind alles Menschenleben, Schicksale. Es gibt jeden Tag viele stille Tragödien.“

Trotz Corona: Stephan Weil schaut mit Hoffnung und Sorge ins Jahr 2021

Was bleibt für Weil zum Jahresabschluss? Neben der Zuversicht und Hoffnung auf die Impfung sowie auf eine Rückkehr zu mehr Normalität in 2021 auch die Sorgen: Viele Kinder erhalten laut Stephan Weil zu Hause nicht die Förderung, die sie brauchen, Menschen vereinsamen, tausende Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Doch wichtiger sei eines: „Wir dürfen nicht zulassen, dass täglich hunderte Menschen an Covid-19 sterben. Und wir sollten uns nicht vormachen, dass Nichtstun die Sache besser machen würde.“ Diese Mahnung an alle Niedersachsen vor Jahresende auszusprechen, das ist ihm wichtig. Er hätte in Richtung Verweigerer und Verschwörer auch sagen können: So geht es nicht!

Das dachte Stephan Weil des Öfteren auch über seine Kollegen in anderen Bundesländern, die sich nicht an Absprachen hielten. Spricht er darüber, wirkt er genervt. Die Stimmungsaufhellung und Problemlösung aber ist nicht per Knopfdruck möglich – wie im Fall der 96-Fahne. Wenn es so wäre, dann würde Stephan Weil den Daumen auf dem Knopf lassen. Zum Schluss sagt noch: „2021 kann eigentlich nur besser werden.“ (Thomas Kopietz)

Die Corona-Lage in Niedersachsen bleibt auch am Jahresende ernst - die Zahlen der Neuinfektionen steigen weiter. Zudem wurden zugesagte Lieferungen von Impfdosen abgesagt - hier alle Infos die Sie zum Impfstart in Niedersachsen wissen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.