Städte bleiben Sperrzone

Corona-Regeln an Silvester: Feuerwerk-Hersteller laufen Sturm gegen Verbote - „Ganzer Branche droht...“

Aufgrund der Corona-Pandemie stehen private Feuerwerk-Spektakel zu Silvester auf der Kippe. Hersteller fürchten um ihre Existenz und kritisieren die Verbote.

  • Die Bundesländer haben sich für Silvester auf ein Verbot von Feuerwerk auf belebten Plätzen und Straßen geeinigt
  • Ein generelles Verbot des Böllerns gibt es in der Corona-Pandemie nicht - Das liegt in den Händen der Städte und Gemeinden.
  • Feuerwerk-Hersteller fürchten in um ihre Existenz und kritisieren zu harte Verbote

Hannover/Göttingen – Private Silvesterfeuerwerker werden es in diesem Jahr schwer haben. Die öffentliche Diskussion über Verbote, ob allgemein oder gebunden an bestimmte Örtlichkeiten – ist im Gange. Aber braucht es aus Gründen des Corona-Infektionsschutzes und dem Verhindern von Massenversammlungen überhaupt ein Verbot? Die Meinungen darüber gehen – nicht nur in Niedersachsen – auseinander.

Geht es nach Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), dann „sollten an belebten Straßen und Plätzen Feuerwerke verboten werden“. Dort dürfe es auch kein öffentliches Feuerwerk geben. Darauf hätten sich die Bundesländer verständigt, sagte Weil im „ZDF-Mittagsmagazin“. Die Lebenswirklichkeit zeige, dass es nicht beim Böllern bleibe. „Dann kreisen auch die Flaschen, aus denen man dann trinkt.“ Alkohol führe dazu, dass Grenzen fallen. „Solche Feiern, das sind echte Risikopunkte insgesamt für das Infektionsgeschehen.“

Corona-Regeln an Silvester: Auch in Göttingen soll es Verbot für Feuerwerk geben

Ähnlich sieht es auch Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Innerhalb des Stadtwalls werde es auch zum Jahreswechsel 2020/2021 ein Verbot zum Abbrennen von Feuerwerk geben. „Wir hatten das schon in den Vorjahren, auch aus Brandschutz- und Sicherheitsgründen, nun werden wir es beibehalten, auch aus Gründen des Infektionsschutzes“, sagte Köhler auf Anfrage der HNA.

Mit dem Verbot zu Silvester ist Göttingen in Niedersachsen nicht die einzige Stadt. In Teilen von Hannovers Innenstadt gab es ebenfalls in den Vorjahren Böllerverbotszonen. Sie sind auch diesmal geplant. Auch Bremen behält sich angesichts der Corona-Pandemie vor, die Regeln für Böllerverbotszonen auszudehnen.

Corona-Regeln an Silvester: Hersteller von Feuerwerk sehen keine erhöhte Infektionsgefahr

Ganz anders ist die Meinung von Unternehmen aus der Feuerwerksbranche: Feuerwerk an Silvester sollte auch in der Corona-Pandemie möglich sein. Ein Aufruf zum Verzicht sei nicht nachvollziehbar, teilte die Firma Comet Feuerwerk (Bremerhaven). „Unserer Ansicht nach wäre es sinnvoller, den Menschen zu empfehlen, dass sie Feuerwerk mit Bedacht und im kleineren Kreis der Familie nutzen sollten“, sagte Comet-Sprecher Norman Edelmann.

Das Unternehmen Rohr Feuerwerke aus der Gemeinde Wedemark bei Hannover bewertet ein Feuerwerk vor der eigenen Haustür als unbedenklich, so Johannes Sewening. „Für uns ist wichtig, dass sich die Leute an die Anweisungen halten, Abstand halten und nur legales Feuerwerk kaufen.“ Menschenansammlungen sollten vermieden werden.

Silvesternacht in Göttingen: Wie in den vergangenen Jahren wird innerhalb des Stadtwalls ein Verbot zum Abbrennen von Feuerwerkskörpern geben. Wie es außerhalb des Walls aussieht, ist noch offen.

Corona-Maßnahmen an Silvester: Feuerwerk-Herstellern droht bei Verboten das Aus

Im Fall eines Verbots von Feuerwerk an diesem Silvester müsste die Politik aus Sicht der beiden Unternehmen die finanziellen Einbußen ausgleichen. Andernfalls drohe einer ganzen Industrie in Deutschland das Aus, sagte Comet-Sprecher Edelmann.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft Niedersachsen ist für ein Verbot. „Es gilt in erster Linie, vernünftig zu sein, daher halte ich ein generelles Verbot in diesem Jahr für notwendig“, sagte der Vorsitzende Patrick Seegers. Wo ausgelassene Stimmung herrsche und Alkohol hinzukomme, würden Abstands- und Corona-Hygieneregeln weniger ernst genommen. Auch erste Supermärkte wie Aldi, Lidl und Co. haben sich schon zum Verkauf von Silvester-Feuerwerk geäußert.

Mit Blick auf die Krankenhäuser könne ein Verbot zu einer Entlastung der arg gebeutelten Intensivmedizin führen - bereits Mitte November war die Zahl der Intensivpatienten in Niedersachsen auf einen Rekordhoch (Von Thomas Kopietz mit dpa)

Rubriklistenbild: © Hubert Jelinek

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