Pandemie

Corona: Impfung für Schüler vor den Sommerferien? Niedersachsen muss zurückrudern und erhebt Vorwürfe

Kinder ab 12 Jahren sollen laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon bald eine Corona-Impfung erhalten. Dieses Vorhaben sorgt derzeit für viel Diskussion.
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Kinder ab 12 Jahren sollen laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon bald eine Corona-Impfung erhalten. Dieses Vorhaben sorgt derzeit für viel Diskussion.

Schüler in Niedersachsen können nicht, wie bislang angenommen, mit Corona-Impfungen vor den Sommerferien rechnen. Das hat die Landesregierung bekannt gegeben.

Update vom Samstag, 29.05.2021, 12.46 Uhr: Das Land Niedersachsen kann die angekündigten Corona-Impfungen von Schülerinnen und Schülern vor den Sommerferien nicht durchführen. Grund dafür sei fehlender Impfstoff. Das teilte die Landesregierung am Freitag der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) mit. Erst am Dienstag (25.05.2021) hatte das Land ein Konzept zur Immunisierung der Schüler in der Altersgruppe von 12 bis 19 Jahren vorgestellt. Die rund 450.000 Kinder und Jugendlichen sollten noch vor Beginn und zum Ende der Sommerferien gegen Corona mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin geimpft werden.

Von Anfang an schien der Plan der Landesregierung unsicher zu sein. Die Voraussetzung für die Umsetzung war zum einen die Zulassung des Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahre durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA). Diese ist mittlerweile erfolgt. Zudem werden auch eine Anwendungsempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) sowie ein zusätzliches Kontingent von rund einer Million Impfdosen vom Bund benötigt. Diese zusätzlichen Impfdosen wird es aber nicht geben, wie am Donnerstag (27.05.2021) auf dem Impfgipfel klar wurde.

Niedersachsen: Corona-Impfung für Kinder – Tonne spricht von einem Wortbruch des Bundes

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sprach nun gegenüber der HAZ von einem Wortbruch des Bundes. „Anfang Mai hat der Bundesgesundheitsminister zugesagt, dass die Länder, die ein Impfkonzept für Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren vorlegen, die notwendigen Impfdosen für diese Personengruppe zusätzlich erhalten“, sagte der Kultusminister der Zeitung.

Das sei eine klare Vereinbarung gewesen, heißt es weiter. Auf dem Impfgipfel sei diese Zusage vom Bund aber „sang- und klanglos einkassiert worden“. Die niedersächsische Landesregierung will nun weiter an einem Konzept für die Schüler arbeiten - auch wenn dies ohne die Impfdosen schwer werden könnte.

Niedersachsen: Corona-Impfung für Kinder – Weil greift Impfkommission an

Erstmeldung vom Donnerstag, 27.05.2021, 11.03 Uhr: Göttingen – In vielen Bundesländern sollen auch Kinder und Jugendliche schon bald gegen Corona geimpft werden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) sieht diese Pläne allerdings skeptisch und stößt damit auf allerlei Kritik in politischen Reihen.

Besonders Niedersachsens Landeschef Stephan Weil (SPD) griff die jüngsten Aussagen der Stiko vehement an. Aktuell plane das Land allen Schülerinnen und Schülern ab zwölf Jahren noch vor den Sommerferien in Niedersachsen ein Corona-Impfangebot zu machen, heißt es demnach. Ein Konzept wurde bereits entwickelt und dem Bundesgesundheitsministerium vorgelegt.

Corona in Niedersachsen: Stiko sieht Impfungen für Kinder skeptisch - Weil reagiert mit scharfer Kritik

„Dass die Ständige Impfkommission nun plötzlich den Sinn einer flächendeckenden Impfung von Schülerinnen und Schülern grundsätzlich infrage stellt, irritiert mich und auch viele andere Menschen“, sagte Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Vor ein paar Wochen hieß es noch, Schulen seien Brutstätten der Pandemie. Jetzt heißt es plötzlich, Kinder und Jugendliche stellen so gut wie gar kein Risiko dar. Beides ist falsch“, kritisierte der SPD-Politiker.

Auch Kinder und Jugendliche könnten sich mit dem Coronavirus infizieren und es zudem weitergeben, weshalb sie ein Impfangebot bekommen müssten, „sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden.“ Weil forderte daher die Bundesregierung auf, die nötigen Impfdosen für Kinder und Jugendliche bereitzustellen. „Der Bundesgesundheitsminister hat die klare Erwartung geweckt, dass allen Schülerinnen und Schülern ein Impfangebot gemacht wird, sobald der Impfstoff für sie zugelassen ist. Ich erwarte, dass der Bund dann auch die entsprechenden Impfstoffdosen in ausreichender Zahl zur Verfügung stellt“, so der niedersächsische Ministerpräsident.

„Notwendig sind zusätzliche Kontingente für Kinder und Jugendliche, es darf nicht zu einer Umverteilung zulasten prioritär Impfberechtigter kommen. Das ist einer der wichtigsten Punkte, die es bei dem Impfgipfel zu klären gibt.“

Im Video: Die Stiko mahnt bei Corona-Impfungen für Kinder zur Geduld

Corona-Impfung für Kinder: Nicht nur in Niedersachsen geplant

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich bereits deutlich für eine baldige Impfung von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen. Dies solle auch ohne eine allgemeine Impfempfehlung der Stiko durchgesetzt werden. Eltern könnten dann jeweils „mit ihren Kindern, den Ärztinnen und Ärzten die konkrete Entscheidung treffen, ob jemand geimpft wird oder nicht“, sagte Spahn.

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) betonte, allen Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren bis zum Ende der Sommerferien ein Corona-Impfangebot machen zu wollen. Dasselbe plant auch das Land Mecklenburg-Vorpommern. Dort sollen 65 Prozent der Kinder und Jugendlichen ab einem Alter von zwölf Jahren zeitnah eine Impfung erhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird sich am Donnerstagnachmittag (27.05.2021) mit den Länderchefs unter anderem bei dem Impfgipfel über Corona-Impfungen für Kinder beraten. (Alina Schröder)

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