Internationales Forscherteam

Suche nach Corona-Medikament: Forscher aus Göttingen identifizieren neue Wirkstoffe

Direkter Blick auf die Probe in der Protein-Röntgenkristallographie: Der winzige Stift (Spitze in der Mitte) trägt die Kristallprobe und ist fest fixiert im Probenhalter an der Messstation P11.
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Direkter Blick auf die Probe in der Protein-Röntgenkristallographie: Der winzige Stift (Spitze in der Mitte) trägt die Kristallprobe und ist fest fixiert im Probenhalter an der Messstation P11.

Ein internationales Team mit Wissenschaftlern aus Göttingen hat mehrere Kandidaten für Wirkstoffe gegen das Corona-Virus identifiziert. Gibt es bald ein Medikament?

Göttingen – Ein internationales Team, dem auch Forscher des Max-Planck-Instituts (MPI) für biophysikalische Chemie Göttingen angehören, hat mithilfe der Röntgenlichtquelle PETRA III des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) mehrere Kandidaten für Wirkstoffe gegen das Corona-Virus identifiziert.

Darunter sind auch zwei vielversprechende Substanzen, die zurzeit in präklinischen Studien untersucht werden. Zudem entdeckte das Forschungsteam eine neue Bindungsstelle am Virus, an der Medikamente ankoppeln könnten. Gelingt jetzt also der Durchbruch ein Corona-Medikament zu finden?

Corona-Medikament: Forscher aus Göttingen identifizieren neue Wirkstoffe

Im Gegensatz zu Impfstoffen, die gesunden Menschen bei der Abwehr des Virus helfen, werden bei der Wirkstoffforschung Medikamente gesucht, die bei erkrankten Personen die Vermehrung des Virus im Körper bremsen oder sogar stoppen können. Ein vielversprechender Ansatzpunkt dafür ist ein wichtiges Protein von Sars-Cov-2, die sogenannte Hauptprotease. Sie zerschneidet Proteinketten, die die Wirtszelle nach dem Bauplan des Viruserbguts herstellt, in kleinere Teile. Diese nutzt der Erreger, um sich zu vermehren. Gelänge es, diese Hauptprotease zu blockieren, ließe sich der Vermehrungszyklus des Virus möglicherweise unterbrechen.

„Die Wirkstoffe Calpeptin und Pelitinib zeigten die deutlich höchste Antiviralität bei guter Zellverträglichkeit. Unsere Kooperationspartner haben daher bereits präklinische Untersuchungen mit diesen beiden Wirkstoffen begonnen“, erklärt DESY-Forscher Sebastian Günther, Erstautor der jetzt im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlichten Arbeit.

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Medikament gegen Corona: Internationale Forscher an Entwicklung beteiligt

„Vom Ausbruch der Pandemie bis zum Auffinden der ersten Wirkstoffkandidaten, die dann in Zellkulturen validiert werden konnten, vergingen nur drei bis vier Monate. Dies war nur wegen der Kooperation vieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit unterschiedlichsten Expertisen möglich“, betont Ashwin Chari, Forschungsgruppenleiter des MPI für biophysikalische Chemie.

An den Arbeiten sind Forscherinnen und Forscher der Universitäten Hamburg und Lübeck, des DESY, des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, des Fraunhofer-Instituts für Translationale Medizin und Pharmakologie, des Heinrich-Pette-Instituts, des European XFEL, des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie EMBL, des MPI für biophysikalische Chemie, des MPI für die Struktur und Dynamik der Materie, des Helmholtz-Zentrums Berlin und weiteren Institutionen beteiligt. (Bernd Schlegel)

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