Corona-Pandemie und chronische Erkrankungen

Mukoviszidose: Johanna Scheilin schränkt ihr Leben seit Corona konsequent ein

Eine junge Dame mit langen Haaren und Brille steht vor einem großen Banner.
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Freudestrahlend vor dem Impfzentrum Siekhöhe: Johanna Scheilin (37) aus Göttingen, ist an der Erbkrankheit Mukoviszidose erkrankt und nicht nur in Corona-Zeiten Hochrisikopatientin. Umso glücklicher ist sie, nachdem sie ihre Impfung gegen Covid-19-Erhalten hat.

Menschen mit chronischen Erkrankungen sind durch das Corona-Virus besonders gefährdet. So auch die 37-jährige Johanna Scheilin. Sie hat die Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose.

Göttingen – Wie geht es Menschen, die seit der Corona-Pandemie, mit einem lebensgefährlichen Risiko leben müssen, weil sie an chronischen Erkrankungen leiden, wie Johanna Scheilin? Sie lebt mit dem Risiko.

Eine Infektion und Covid-19-Erkrankung könnte lebensgefährlich sein – wie auch eine „normale“ Grippe. Deshalb vermeidet sie Risiken, arbeitet zudem täglich an der Gesunderhaltung samt Fitnessprogramm.

Konsequente Kontaktvermeidung und Impfung als Lösung

„Mein Leben hat sich vor einem Jahr drastisch verändert, wurde von 100 auf Null runtergefahren. Ich schränke mich und meine Sozialkontakte massiv ein“, sagt Scheilin. Sie hat Mukoviszidose – ihre Lungenfunktion beträgt nur noch 40 Prozent.

Und sie sagt: „Manchmal fühle ich mich stark bedroht.“ Dann hilft nur die Konsequenz: die Kontaktvermeidung. Und bald die Wirkung der Impfung, die Johanna jetzt bekommen hat.

Entmutigen lässt sich die ansteckend optimistische 37-Jährige von der Krisensituation, der Gefahr an Covid 19 zu erkranken, aber nicht. Sie lebt also strikt die Regeln, trifft sich mit wenigen Freundinnen und Freunden, wenn, dann draußen, meist beim Spaziergang. Der Weg in die Natur ist kurz, sie wohnt in der Südstadt, hat den Kiessee praktisch vor der Haustür.

Manche Freundschaften durch Nachrichten wieder aufgelebt

„Die Kontakte sind weniger geworden, aber ich pflege diese und habe höchst verständnisvolle Freunde, die mit mir auch bei minus zehn Grad rausgingen“, schmunzelt Scheilin. Feste Zoom-Konferenzen gibt es auch. Manche Freundschaften sind so auch wieder aufgelebt, „weil man einfach Leute mal wieder angeschrieben hat“.

Gute Freunde verloren hat Johanna jedenfalls nicht. Und dass, obwohl sie konsequent ist im Einhalten der Hygiene-, Abstands- und allgemeinen Corona-Regeln. Eine Konsequenz, für die sie sich manchmal rechtfertigen muss, vor anderen Menschen, die es lockerer sehen.

Im Büro hat sich das Zusammenspiel von Home-Office und Präsenz eingespielt. Home-Office werde als normal gesehen, die Möglichkeiten sind vorhanden, sagt Scheilin, die für das Uni-Gebäudemanagement arbeitet.

Konsequenz und Disziplin seit jeher Teil Scheilins Lebens

Grundsätzlich geht es der 37-Jährigen wie vielen in der Corona-Krise: Ihr fehlen die Gemeinschaftserlebnisse, das Essengehen, der spontane Besuchen von Freunden, der übliche Urlaub mit einer Freundin.

„Die ganze Situation zerrt doch an den Nerven. Das Leben fühlt sich an wie ein langer, lahmer Sonntag, wenig passiert. Es fehlen Umarmungen oder das in der Wohnung Zusammensitzen mit ein, zwei Leuten. Es macht wenig Spaß.“

Doch Johanna ist ein pragmatischer, optimistischer Typ: „Es geht nicht anders.“ Wie die Feier des Geburtstages mit Gästen, die im Schichtwechsel zum Anstoßen in den Garten kamen.

Konsequenz und ein hoher Grad an Disziplin gehört für Johanna Scheilin seit jeher zu ihrem Leben, seit die genetisch bedingte Krankheit früh diagnostiziert wurde.

Spazierengehen bei jedem Wetter als neue Leidenschaft

Deshalb fällt ihr die Konsequenz im Umgang mit den Corona-Regeln und der Pandemie auch nicht schwer: „Ich habe immer aufgepasst.“ So hat sie stets zu Zeiten von Grippewellen Menschenansammlungen gemieden, besonders auf Hygiene und Desinfektion geachtet.

Seit einem Jahr vermeidet sie Treffen in Räumen, und das aus Überzeugung: „Nicht nur ich als Hochrisikopatient muss mich schützen, wir müssen das alle tun.“ Bis jetzt ist ihr eine Quarantäne und Infektion erspart worden.

Eine Leidenschaft hat sie durch Corona auch entwickelt: das Spazierengehen bei jedem Wetter. „Ich habe es lieben gelernt, es hat mich auch am Leben gehalten – das kann man so sagen.“

Mukoviszidose-Betroffene waren eigentlich nicht priorisiert

Ein Glücksfall ist auch, dass ihre Krankheit keinen Schub bewirkt hat. „Mir geht es gut.“ Aber es bleibt ein Leben mit dem Risiko, sich eine Infektion einzufangen.

Nur: Johanna kannte das bereits, war auf das Leben mit Corona vorbereitet, eines, das viele Menschen erst lernen und annehmen mussten – mit allen Konsequenzen. Null Verständnis hat sie für Querdenker oder solche, die auf Partys mit mehreren hundert Menschen gehen, sich und andere gefährden.

Nun, nach langem Warten, hat Johanna Scheilin ihren Nadelpieks im Impfzentrum Siekhöhe spüren dürfen. „Endlich!“ Auch darum hatte sie gekämpft, wie Mukoviszidose e.V. – denn eigentlich waren die Betroffenen nicht prisorisiert worden. Zunächst. „Ein Witz!“, sagt Johanna Scheilin. Ein schlechter Witz. (Thomas Kopietz)

Die Erkrankung Mukoviszidose

Mukoviszidose ist eine angeborene Stoffwechselerkrankung. In Deutschland leiden etwa 8000 Menschen an der Krankheit. Sie wird durch eine Veränderung im Mukoviszidose-Gen, dem CFTR-Gen, verursacht.

Die Mutation im CFTR-Gen führt zu einem defekten Kanal in der Zelloberfläche. Die Beschwerden können bei den Patienten unterschiedlich aussehen.

Meistens sind die Lunge und die Bauchspeicheldrüse oder auch weitere Organe betroffen. Erkrankte leiden vor allem unter Symptomen der Atemwege.

Typische Merkmale sind daher ständiger Husten, um den zähen Schleim loszuwerden, sowie Atemnot, weil die Lunge in ihrer Funktion beeinträchtigt ist. 

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