Juristische Aufarbeitung geht weiter

Corona-Randale in Göttinger Hochhaus im Juni 2020: Bisher 20 Menschen verurteilt

Randale im Juni 2020 in Göttingen: Mehrere Bewohner des damals unter Quarantäne stehenden Hochhaus-Komplexes an der Groner Landstraße hatten versuchte, die Absperrungen zu überwinden.
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Randale im Juni 2020 in Göttingen: Mehrere Bewohner des damals unter Quarantäne stehenden Hochhaus-Komplexes an der Groner Landstraße hatten versuchte, die Absperrungen zu überwinden. (Archivfoto)

Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen an einem im Vorjahr wegen Corona unter Quarantäne gestellten Göttinger Hochhaus sind bisher 20 Menschen verurteilt worden.

Göttingen – In zwei Fällen sprachen die Richter Freiheitsstrafen auf Bewährung aus, wie Oliver Jitschin, Sprecher am zuständigen Amtsgericht Göttingen, sagte. In den meisten Fällen gab es Geldstrafen, unter anderem wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung. Ein Verfahren stehe noch aus. Das erste Urteil war bereits im April gefallen – wir berichteten.

Der Hochhauskomplex in der Nähe des Bahnhofs war im Juni 2020 wegen eines Corona-Ausbruchs mit Zäunen abgeriegelt worden. Ihrem Unmut darüber machten die Bewohner teilweise mit Angriffen auf die Polizei Luft, die das Gelände sicherte. Unter anderem bewarfen sie die Beamten mit Brettern. Das zeigen Videoaufnahmen unter anderem der Polizei.

Durch Videoaufnahmen waren die Täter leicht zu überführen

Entsprechend leicht seien die Täter zu überführen gewesen, sagte Jitschin. „Oft bestand die Beweisaufnahme nur aus der Vernehmung eines Beamten und dem Anschauen von Videos“, sagte der Jurist. Für einen der Rädelsführer der ausgeuferten Proteste legten die Richter am Göttinger Amtsgericht den Angaben zufolge ein Jahr und neun Monate auf Bewährung als Strafmaß fest.

In einem anderen Fall gab es ein Jahr und vier Monate auf Bewährung, unter anderem wegen des Werfens von Gegenständen auf Polizisten. In dem Verfahren hat die Staatsanwaltschaft jedoch Berufung eingelegt, weil ihr das Urteil zu milde sei, sagte Jitschin.

Richter versuchten „außergewöhnliche Situation“ zu berücksichtigen

Die meisten Randalierer erhielten Geldstrafen im Bereich von 100 bis 150 Tagessätzen. „Die Richter haben versucht, die außergewöhnliche Situation zu berücksichtigen“, sagte der Gerichtssprecher. Einige jüngere Täter seien nach dem Jugendstrafrecht verurteilt worden.

Die Urteile wurde hauptsächlich wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung sowie Körperverletzung oder versuchter Körperverletzung gesprochen. Auf Anklagen wegen eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sei in den meisten Fällen verzichtet worden, da eine juristische Beurteilung dieses Vorwurfes knifflig sei. Jitschin erklärte: „Außerdem fällt das gegenüber dem Landfriedensbruch nicht wirklich ins Gewicht.“ (lni/Bernd Schlegel)

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