Stimmung bei Händlern und Kunden

Corona und Weihnachtseinkäufe: „Das Bummeln macht keinen Spaß“

Nicht nichts los in Göttingen: Am ersten langen Samstag vor Weihnachten war die Innenstadt, hier in der Weender Straße am „Nabel“ durchaus belebt. Das Bummeln aber bereitete einigen Gästen wenig Spaß.
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Nicht nichts los in Göttingen: Am ersten langen Samstag vor Weihnachten war die Innenstadt, hier in der Weender Straße am „Nabel“ durchaus belebt. Das Bummeln aber bereitete einigen Gästen wenig Spaß.

Die vier Adventssamstage zählen für Einzelhändler normalerweise zu den umsatzstärksten Tagen des Jahres. In der durchaus belebten Göttinger Innenstadt blieb der Ansturm der Einkäufer am Samstag aber aus.

Göttingen – Ich bin ziemlich enttäuscht“, sagt Stefan Witzel, der mit seiner Frau aus Nordhausen (Thüringen) angereist ist, um die ersten Geschenke zu kaufen, dies aber inzwischen bereut. „Normalerweise kommt man hier in der Göttinger Innenstadt in dieser Zeit so richtig in Weihnachtsstimmung, aber davon merke ich diesmal überhaupt nichts““, sagt er. Schuld daran sei nicht nur der fehlende Weihnachtsmarkt, die geschlossenen Cafés und Restaurants, sondern auch die Menschen mit ihren Masken. „Sie erinnern einen immer wieder daran, in was für einer ätzenden Zeit wir gerade leben“, sagt Stefan Witzel. Da mache das Bummeln einfach „überhaupt keinen Spaß“.

Modegeschäfte

Wenig Spaß haben aktuell auch die Einzelhändler. „Für Modegeschäfte ist es eine schwere Zeit, auch wenn ich mich persönlich generell eigentlich gar nicht beklagen kann“, sagt Susanne Schwieger-Zebracki, Inhaberin des Männermode-Geschäftes Herrlich.

Ihre Branche stehe schon lange durch den stetig wachsenden Online-Handel unter Druck. „Corona wirkt jetzt noch wie ein Brandbeschleuniger“, so Zebracki. Das zeige sich auch jetzt gerade wieder. „Normalerweise hätte ich in der Adventszeit überhaupt keine Gelegenheit, mit ihnen zu sprechen, weil der Laden sonst permanent voll ist“, sagt sie. „Jetzt ist schon seit einer halben Stunde kein einziger Kunde reingekommen.“

Damenwäsche

„Der November war für uns eine einzige Katastrophe, aber heute geht es zumindest einigermaßen“, sagt Cornelia Ringe, Inhaberin des Damenwäsche-Fachgeschäftes Liefländer. Zwar laufe ihr Geschäft im Winter sowieso zumeist schleppend, aber dieses Jahr setze noch einen drauf. „Vor allem das Geschäft mit der Bademode geht gegen Null, weil ja niemand in den Urlaub fährt, Schwimmbäder geschlossen sind und sogar Kur- und Rehamaßnahmen gestrichen werden.“

Wenig los in manchen Läden – so auch bei Liefländer, Geschäft für Damenwäsche.

Zudem komme Damenwäsche traditionell „ganz am Ende der Bekleidung“, sodass es auch ein Traditionsgeschäft wie Liefländer gerade nicht leicht habe. Für die als Geschäftsinhaberin sei dies „eine schlimme Situation“, weil sie ja mit ihrem eigenen Geld drinstecken würde.

Weniger Bummler

„In Zeiten von Corona sind diejenigen, die überhaupt in die Innenstadt kommen, sehr viel gezielter unterwegs“, sieht Susanne Heller, Inhaberin des gleichnamigen Betten-Fachgeschäftes, einen der Hauptgründe für die schwachen Umsätze im Innenstadt-Einzelhandel. „Es wird viel weniger gebummelt und damit fallen Gelegenheitskäufe einfach weg.“ Dabei müsse man die Situation der einzelnen Branchen jedoch differenziert betrachten.

„Wenn es um Ausstattung für das Homeoffice geht oder darum, das eigenen Zuhause zu verschönern, laufen die Geschäfte weiter gut oder sogar noch besser“, sagt Heller. Die Modebranche dagegen habe momentan ein echtes Problem.

Was ihr eigenes Weihnachtsgeschäft angehe, sei sie relativ entspannt, obwohl auch am Samstag in ihrem Geschäft eher wenig Kundenverkehr herrschte. „Das hat sich in den vergangnen Jahren mehr und mehr nach hinten verlagert“, sagt sie.

Aber Heller, die auch Vorsitzende vom Innenstadtverein Pro City ist, denkt auch positiv: „Außerdem denke ich, dass sich das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr entzerrt und die Menschen eher auch unter der Woche einkaufen gehen, um dem großen Gedränge aus dem Weg zu gehen.“ Aus diesem Grund biete sie in der Vorweihnachtszeit für besonders vorsichtige Kunden auch Termine außerhalb der Ladenöffnungszeiten an. (Von Per Schröter)

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