Fahrt über Göttingen fiel aus

Corona-Verdacht: InterCity-Express endet in Braunschweig

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Der Fahrtverlauf von ICE 1191 am Freitag: Der Zug wurde in Braunschweig gestoppt. Der Rest der Fahrt in Richtung Frankfurt am Main entfiel.

Wegen des Corona-Virus können inzwischen auch Züge von der Bundespolizei gestoppt werden. Eine unangenehme Überraschung dieser Art erlebte am Freitag Sören G. aus Göttingen bei seiner Reise von Berlin in die Uni-Stadt.

Wegen eines Corona-Verdachts wurde sein ICE 1191 am Braunschweiger Hauptbahnhof gestoppt. Die Weiterfahrt nach Frankfurt am Main über Göttingen und Kassel entfiel komplett.

Ohne Fahrschein im ICE

Der Göttinger fuhr um 9.31 Uhr am Berliner Ostbahnhof los und saß im Wagen 6. Zunächst verlief die Reise ganz normal. Am Bahnhof Braunschweig wurde der Corona-Verdacht schließlich akut. Der betroffene Fahrgast saß zuvor auf der Toilette und wurde dort von einem Schaffner ohne Fahrschein erwischt. „Da es dem Fahrgast offensichtlich gesundheitlich schlecht ging, alarmierte Schaffner die Bundespolizei“, erzählt der 35-jährige Göttinger. Die Bundespolizei rief daraufhin den Notarzt, stoppte die Weiterfahrt und räumte in Braunschweig den kompletten Bahnsteig am Gleis 5/6.

„Wir haben dann anderthalb Stunden auf den Arzt gewartet. Derweil durften wir den Waggon nicht verlassen“, sagt Sören G..

Untersuchung durch einen Arzt

Schließlich traf der Arzt ein und untersuchte den Patienten. Er konnte aufgrund der Messung der Körpertemperatur nicht ausschließen, dass der Fahrgast im Alter zwischen 20 und 30 Jahren infiziert ist.

Der Göttinger Fahrgast musste einen Zettel ausfüllen und seine Personalien hinterlassen, damit ihn die Bundespolizei kontaktieren kann, falls sich der Verdacht bestätigen sollte.

„Eigentlich sollte ich gegen 12 Uhr in Göttingen ankommen“,. Ich werde erst gegen 15 Uhr in Göttingen sein“, sagt der 35-Jährige. Fazit des Fahrgastes: „Das Zugpersonal war mega bemüht und hat uns mit freien Getränken versorgt. Aber ich hatte das Gefühl, die Schaffner werden mit ihren Entscheidungen allein gelassen. Sie bekommen nur wenige Informationen von den Vorgesetzten.“

Die Bundespolizei bestätigte auf Anfrage, dass der Zug gegen 11.15 Uhr in Braunschweig gestoppt wurde. Der betroffene Fahrgast ist inzwischen im Krankenhaus. Der Zugchef wurde von der Bundespolizei nach Hause in vorsorgliche Quarantäne geschickt. Von 16 weiteren Fahrgästen habe die Polizei die Personalien für eine mögliche spätere Kontaktaufnahme aufgenommen, hieß es am Freitag.

Deutsche Bahn ist vorbereitet

Die Deutsche Bahn AG ist nach eigenen Angaben auf mögliche Verdachtsfälle gut vorbereitet. „Bei einem von Behörden festgestellten Corona-Verdacht wird der betroffene Bereich im Zug gesperrt und nach der Fahrt professionell gereinigt und desinfiziert“, heißt es auf der Homepage.

Die Fahrgäste werden durch das Zugpersonal gebeten, dass sie ihre Kontaktdaten hinterlegen, um von den Behörden im Bedarfsfall kontaktiert werden zu können, heißt es von der Deutschen Bahn weiter. Dafür stehen inzwischen Aussteigekarten zur Verfügung. Zusätzlich können Fahrgäste zum Hinterlegen der Kontaktdaten die kostenlose Hotline 0800/5 14 15 14 anrufen. Außerdem können die Daten auf einer speziellen Internetseite online direkt eingegeben werden.

VON BERND SCHLEGEL

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