Ansteckung

Corona-Virus: Göttinger Wissenschaftler sieht Gefahr durch Aerosole

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Forscher am Institut für physikalische Chemie der Uni Göttingen über Feinstaub-Aerosole: Prof. Thomas Zeuch.

In schlecht gelüfteten Räumen droht die Übertragung des Corona-Virus durch sogenannte Aerosole. Davor warnt der Göttinger Chemiker Thomas Zeuch. Hohe Luftfeuchtigkeit steigere die Ansteckungsgefahr zusätzlich.

„Aerosole sind Gemische fester und flüssiger Schwebeteilchen in einem Gas“, erläutert der außerplanmäßige Professor. Er forscht am Institut für Physikalische Chemie der Uni Göttingen über Feinstaub-Aerosole. Die Partikel in einem Aerosol sind kleiner als fünf Mikrometer. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von 50 bis 70 Mikrometern. Die leichten Teilchen trotzen der Schwerkraft und sinken nicht zu Boden. So schweben sie stundenlang in der Luft und können eine Ansteckung über die Atemwege bewirken, auch wenn die infektiöse Person bereits den Raum verlassen hat.

„Allerdings ist bisher noch weitgehend unerforscht, wie lange die neuartigen Corona-Viren in Aerosolen ansteckend bleiben“, betont Zeuch. Austrocknung zerstört sie. Das geht um so schneller, je geringer die Luftfeuchtigkeit ist. Durch Lüften von Räumen sinkt zudem ihre Konzentration in der Luft, was das Infektionsrisiko ebenfalls deutlich verringert. Deshalb raten Virologen zu Treffen unter freiem Himmel.

„Schutz gegen das Einatmen von Aerosolen bieten Spezialmasken, wie wir sie etwa in den von mir geleiteten Chemie-Werkstätten der Universität tragen“, sagt Zeuch. Allerdings erschwerten solche Masken das Atmen so sehr, dass niemand sie freiwillig länger als eine halbe Stunde tragen wolle.

„Die beste Maske nützt zudem nichts, wenn nicht auch die Augen geschützt werden – etwa durch eine spezielle Brille“, sagt Zeuch. Über die Bindehaut komme es nämlich ebenfalls zu Infektionen. Deshalb solle man sich nicht mit den ungewaschenen Händen die Augen reiben.

„Die heute vorgeschriebenen Mund-Nasen-Masken aus Stoff bieten dem Träger keinen Schutz“, betont Zeuch. Deshalb rät er unbedingt dazu, einen Sicherheitsabstand von anderthalb bis zwei Metern zu halten. Soweit fliegen Tröpfchen bei normalem Sprechen. Weil es beim Niesen sogar bis zu acht Meter sind, soll man die Armbeuge verwenden. Mehr als fünf Mikrometer große Tröpfchen sinken im Gegensatz zu Aerosol-Partikeln zu Boden.

„Die Masken sind sinnvoll, weil sie beim Ausatmen die meisten Tröpfchen zurückhalten“, führt der Professor aus. Der Träger schützt so Mitmenschen vor einer Ansteckung. Klinikpersonal trägt daher immer Masken, wenn es Kontakt zu geschwächten Patienten hat.

„Diese Gefahr ist zu Beginn der Corona-Pandemie unterschätzt worden“, meint Zeuch. Erst mit der Zeit sei klar geworden, dass Infizierte zum Teil bis zu 14 Tage lang keine Symptome zeigten. In dieser Zeit vermehre sich aber das Virus in ihrem Mund-Rachen-Raum. Über Tröpfchen und Aerosole gelangten sie in die Umgebung.

„Masken sollten täglich bei 60 Grad gewaschen oder im Backofen sterilisiert werden“, rät Zeuch. So würden Viren getötet.

VON MICHAEL CASPAR

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