Kulturveranstaltungen sind abgesagt

Corona: Soundcheck und KWP-Festival fallen in Göttingen aus

+
Kommt der Soundcheck nach der Absage 2020 zurück? Das Festivalformat von NDR 2 war in Göttingen überaus erfolgreich – Stars wie Lena und Nico Santos 2019 oder Newcomer wie Ed Sheeran, die danach Weltkarrieren hinlegten, lockten massenweise Fans in die Uni-Stadt. Jetzt kippt die Corona-Krise das Festival. Zudem muss der NDR massiv sparen.

Zehntausende Musikfans aus Göttingen und weit darüber hinaus werden über diese Doppelnachricht enttäuscht sein: Das NDR-2-Soundcheck-Festival Neue Musik und das Open-Air im Kaiser-Wilhelm-Park (KWP) werden 2020 nicht über Göttinger Bühnen gehen.

Die Stadt Göttingen hat die Absage der überaus beliebten Pop- und Rock-Festivals am Freitag bekannt gegeben.

Um Planungssicherheit für Veranstalter, Künstler und die Stadt Göttingen zu schaffen, wird das ursprünglich für 17. bis 19. September terminierte Soundcheck-Festival aufgrund der Corona-Lage abgesagt, heißt es offiziell. Bereits gekaufte Tickets für das Finale „Musikszene Deutschland“ in der Lokhalle können ab kommenden Dienstag, 2. Juni 2020, bei den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. Der Kaufpreis wird erstattet.

Corona-Folgen offen

„Wir sind natürlich sehr traurig, aber die Gesundheit der Besucherinnen und Besucher und aller, die zum Gelingen des Festivals beigetragen hätten, hat für uns oberste Priorität“ sagt Programmchef Torsten Engel. Sowohl Veranstalter als auch Stadtverwaltung hängen zudem weiter in der Luft, was den Zeitraum der verhängten Restriktionen angeht: „Es lässt sich im Moment nicht abschätzen, ob das generelle Verbot von Großveranstaltungen über den 31. August hinaus verlängert wird“, sagt Engel.

„Natürlich hätten wir das Festival gern im September in Göttingen erlebt“, betont Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. „Die Absage schmerzt auch uns, aber selbstverständlich hat die Sicherheit der Gäste absoluten Vorrang.“

Auch organisatorische Aspekte spielten eine Rolle bei der Absage. Viele Künstlerinnen und Künstler, die für das Soundcheck-Festival in Göttingen vorgesehen waren, stammen aus dem europäischen Ausland oder den USA. Nach heutigem Stand ist davon auszugehen, dass einige Acts ihren Auftritt in Göttingen wegen möglicher Reisebeschränkungen hätten absagen müssen. Einige Bands hatten zudem signalisiert, dass sie in diesem Jahr aufgrund der Corona-Lage in ihrem Heimatland bleiben möchten, berichtet Engel.

NDR muss sparen

Das sehr erfolgreiche Festival steht zudem generell auf dem Prüfstand, auch die Austragung 2021 ist noch unsicher. Denn der NDR steht aktuell vor gewaltigen finanziellen Herausforderungen, muss, wie kürzlich beschlossen und verkündet, in den kommenden vier Jahren etwa 300 Millionen Euro in seinem Etat einsparen. 200 Stellen sollen nicht nachbesetzt, Formate gestrichen und Veranstaltungsreihen abgesagt werden. Auch weniger NDR- „Tatort“-Folgen, Unterhaltungsshows und Fernsehspiele sollen produziert werden. Bei den Sendern NDR 2 und N-Joy werden Formate und Festivals wie „stars@ndr2“ gestrichen, hieß es. Davon betroffen ist die NDR Media GmbH, die Veranstalter des Soundcheck-Festivals in Göttingen ist. „Wir werden in den kommenden Monaten die Konzeption überarbeiten müssen, um eine Kostenreduzierung zu erzielen“, schildert Torsten Engel die Lage. „Darüber hinaus sind wir dringend darauf angewiesen neue Partner zu gewinnen, die sich auch finanziell an dem Festival beteiligen.“

Stadt will helfen

Die Stadt Göttingen wird NDR 2 bei dieser Suche tatkräftig unterstützen, wir arbeiten gemeinsam und partnerschaftlich für den Erhalt dieser großartigen Veranstaltung“, sagt Rolf-Georg Köhler, „ob uns dies am Ende tatsächlich gelingt, können wir heute noch nicht absehen.“

Mittlerweile hat auch das Unternehmen Sartorius angekündigt, den kulturellen Bereich in Göttingen stärker unterstützen zu wollen, um auch dazu beizutragen, dass „bestehende Veranstaltungen in der Stadt längerfristig gesichert werden können“, wie Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg gegenüber unserer Zeitung sagte. Ob damit auch ein Sponsoring des Soundcheck-Festivals gemeint ist, ist unklar. Man werde zu gegebener Zeit sagen, um welche Förderprojekt es ginge, sagte Kreuzburg.

KWP erst 2021 wieder

Unterstützung benötigt auch das Open-Air Musik im Wald, im dortigen Kaiser-Wilhelm-Park (KWP). In diesem Jahr hätten aufgrund der Auflagen statt mehr als 2000 Plätze für Zuschauer nur etwa 1000 zur Verfügung gestanden.

Rock mitten im Wald: Eine der schönsten Konzertarenen lockt alljährlich im August Tausende in den Kaiser-Wilhelm-Park (KWP). Hier 2019 der Auftritt von Nina Attal. Die Corona-Auflagen verhindern das Festival 2020.

Zu wenig, um zwei Abende lang Top-Musiker aus der Region und der Welt der Pop- und Rockmusik zu finanzieren, wie die Stadtverwaltung mit Bedauern mitteilt. Dort plant man nun für 2021.  tko

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.