Coronavirus in Göttingen

Corona sorgt für tiefe Einschnitte ins öffentliche Leben - Viele Läden dicht

Coronavirus Göttingen: Ab Mittwoch (18.03.2020) viele Läden dicht
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Sicherheitsabstand: Bei der Pressekonferenz zu weiteren Restriktionen verhielten sich vorbildlich, von links: Martin Schäfer (Berufsfeuerwehr), Petra Broistedt (Dezernentin für Soziales und Kultur), Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und Dr. Eckart Mayr (Gesundheitsamt) 

Das Coronavirus wirkt sich stark auf das öffentliche Leben in Göttingen aus. Viele Läden sind geschlossen.

  • Das Coronavirus grassiert auch in Göttingen.
  • Das Virus wirkt sich auf das öffentliche Leben aus.
  • Ab Mittwoch (18.03.2020) sind viele Läden geschlossen.

Die Einschnitte für die Bürger in Göttingen werden spürbar tiefer: mit Beginn des Mittwochs greifen zahlreiche Einschränkungen, die die Stadt per Allgemeinverfügung anordnet.

Sie wurden am Dienstagnachmittag während einer Pressekonferenz im Neuen Rathaus vorgestellt und beginnen um null Uhr. Kernpunkt sind die Schließung von Einrichtungen, öffentlichen Sport- und Spielstätten, sowie vieler Einzelhandelsgeschäfte.

Coronavirus in Göttingen: Die Risikolage

„Wir fahren das öffentliche Leben immer weiter herunter, greifen sehr stark in das Leben der Menschen ein“, sagte ein aufgeräumter, klar argumentierender Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. „Die Risikolage ist nicht unerheblich und wir müssen alles tun, um den Anstieg der Fallzahlen zu verlangsamen, um das Gesundheitssystem intakt zu halten.“

Coronavirus in Göttingen: Verwaltung und Rathaus

Heruntergefahren wird laut Sozialdezernentin Petra Broistedt auch der Rathausbetrieb. Manche Dienste seien nur eingeschränkt nutzbar, aber alle wichtigen, auch dort wo Geld- und Sozialleistungen beteiligt seien, liefen weiter: „Jeder bekommt das Geld, was er sonst bekommt und braucht“, versprach Broistedt. 

Rolf-Georg Köhler verwies indes auch darauf, dass möglichst Termine angemeldet werden und Kontakte vermieden, also auch vieles per Mail und am Telefon geklärt werden sollte. „Wir sind schließlich Arbeitgeber von 2200 Menschen, wir wollen sie gesund erhalten.“

Coronavirus in Göttingen: Die Geschäfte sind zu

Massiv zu sehen und spüren sein wird, dass viele Einzelhandelsgeschäfte am Mittwoch zu sein werden. Auch diesbezüglich beruhigt Petra Broistedt: „Nicht betroffen ist die Versorgung für den täglichen und medizinischen Bedarf.“ Und zudem würden eben für jene Ausnahmen die Verkaufszeiten erweitert – auch auf die Sonntage. Die Versorgung werde gewährleistet, sagte Broistedt. Auch mit Bargeld über Automaten, ergänzte Köhler.

Coronavirus in Göttingen: Spiel- und Sportplätze

Treffen werden Verbote auch die Kinder – und natürlich deren Eltern: Denn die „hochgradig für Infektionen riskanten“ Spielplätze und Sportstätten werden geschlossen. „Wir können nicht alles abzäunen und kontrollieren, bitten aber um ein Befolgen der Anordnung“, sagt Petra Broistedt. Und sie bekommt sofort Unterstützung vom „Chef“: „Es geht darum Regeln, die zum Schutz der Allgemeinheit aufgestellt werden, einzuhalten, eigene Wünsche zurückzustellen und letztlich solidarisch zu handeln, damit wir die Infektionszahlen zeitlich strecken können“, fasste Oberbürgermeister Köhler zusammen. 

Es gehe auch darum, Ältere und Kranke zu schützen, aber auch das Pflege- und medizinische Personal, was dringend gebraucht wird, so Köhler, der sich zusammen mit seiner Sozialdezernentin schlicht wünscht, „dass alle Menschen Verständnis haben“.

Coronavirus in Göttingen: Privatfeiern

Das wird schwer zu erreichen sein, denn ab sofort sind auch Vereins- und Kirchenaktivitäten untersagt. Auch Privatfeiern mit mehr als 50 Personen sind verboten.

Das alles jedenfalls sei kein Spaß, wer sich nicht daran hält und erwischt wird, dem drohen Sanktionen, Geldstrafen. Kontrollieren werden Polizei und Ordnungsamt. Allerdings gehe es zu weit, andere zu denunzieren. „Die Menschen im Umfeld überzeugen, im Sinne aller zu handeln“ – das ist für Rolf-Georg Köhler wichtig, ebenso, dass sich die Menschen gegenseitig helfen: „Achtet aufeinander in der Nachbarschaft, helft älteren Menschen. Da ist sehr wichtig."

Positiv ist bislang auch, dass sich viele Menschen sehr umsichtig und kooperativ verhielten: In vielen Betrieben würde man ohne Rücksicht auf eigene, finanzielle Verluste im Sinne der Gemeinschaft handeln, würdigt Köhler, der, wie Broistedt aber sicher ist, dass uns das Coronavirus noch lange beschäftigen wird. „Es ist unter uns. Und wir sind wie Babys, noch unvorbereitet, ohne Schutz.“

Corona-Testzentren in Göttingen

Einen Appell hat auch noch Dr. Eckart Mayr, der Chef des Göttinger Gesundheitsamtes, zuständig für 320 000 Menschen im Landkreis: „Die Corona-Testzentren sind nicht dazu da, direkt dorthin zu gehen. Ein Arzt muss dass verordnen.“ Die Kapazitäten reichten schon jetzt nicht aus. Auch dabei gelte es, die Regeln einzuhalten. In Kürze sollen zwei mobile Zentren dazukommen, in Hann. Münden und Herzberg.

Coronavirus in Göttingen: Ausnahmen bei Geschäften

Ausgenommen bei Schließungen von Geschäften sind:

Einzelhandelsgeschäfte für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Friseure, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel.  

Weitere Infos zum Coronavirus in Göttingen

Gaststätten im Sinne des Gaststättengesetzes sind zu schließen. Davon ausgenommen sind Speiselokale, Cafés und Betriebe, in denen überwiegend Speisen zum Verzehr an Ort und Stelle abgegeben werden, Personalrestaurants, Kantinen sowie Speiselokale im Beherbergungsgewerbe (wie beispielsweise Hotelrestaurants): Diese Speiselokale und Betriebe können unter folgenden Auflagen geöffnet bleiben: Der Sicherheitsabstand zwischen den Tischen muss 1,5 Meter betragen. Am Eingang sind Hygienehinweise nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts anzubringen. Es sind namentliche Besucherlisten zu führen mit Uhrzeit und Dauer des Aufenthalts. Das Personal soll mit Hygieneschutz arbeiten. 

Der Abstand zwischen Nutzern und Personal soll möglichst groß gehalten werden. Der Zahlungsverkehr soll möglichst bargeldlos erfolgen. Geöffnet werden darf frühestens ab 6 Uhr, die Schließung muss spätestens bis 18 Uhr erfolgen. Alle Regelungen sind vorläufig. 

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