Pandemie forderte zehn Opfer

Coronavirus in 15 Pflegeheimen im Landkreis Göttingen

Ein schwer betroffenes Altenheim: 29 Bewohner der Einrichtung Villa-Juesheide und zehn Mitarbeiter sind bislang mit dem Corona-Virus infiziert worden. Foto: Hans-Joachim Oschmann

Auch im Landkreis und in der Stadt Göttingen grassiert das Coronavirus zunehmend - betroffen sind 15 Einrichtungen. Zehn Menschen mit Vorerkrankungen sind gestorben.

So meldete der Krisenstab des Landkreises über Sprecher Ulrich Lottmann, dass Infektionen von Menschen in 15 Alten- und Pflegeheimen bestätigt worden seien - bislang sind dort zehn Menschen gestorben. Auf Nachfrage unserer Zeitung meldete Lottmann am Montag, welche Einrichtungen betroffen sind. Dabei ist der Landkreis aber auf die Zusammenarbeit mit den Betreibern und Leitern der Pflegeheime angewiesen. „Für einen transparenten Umgang mit der Situationen, den Verdachts- und Infektionsfällen“ stehen laut Lottmann folgende Einrichtungen – alle sind betroffen:

Villa Juesheide

Am Ostermontag war die Villa Juesheide in Herzberg besonders betroffen. Dort gab es 29 Bewohner/-innen und zehn Beschäftigte mit Covid-19-Infektionen. Drastische Folge: Sieben Bewohner/-innen waren bis Montag an den Folgen der Infektion gestorben. Sie alle hatten multiple Vorerkrankungen. Geschäftsführer Andreas Kern arbeitet eng mit Krisenstab und dem Gesundheitsamt zusammen. Auch sei das komplette Personal ausgetauscht worden, um Bewohner/-innen und Beschäftigte vor Infektionen zu schützen.

Seniorenheim Diedrich

Stark betroffen ist auch das Seniorenheim Diedrich in Herzberg. 16 Bewohner/-innen und vier Beschäftigte sind positiv getestet. Sie sind innerhalb der Einrichtung separiert worden, werden versorgt. Der Gesundheitszustand wird ständig überwacht. Betreiber Martin Diedrich betont, dass das „gesamte Personal eine hervorragende Arbeit leiste und unermüdlich“ sei. Ein Infizierter ist inzwischen genesen und gesundheitlich in guter Verfassung. Zwei erkrankte Bewohner/-innen mit schwersten Vorerkrankungen sind in Folge der Infektion leider verstorben.

Pflegeheim Müller

Von den zwei positiv getesteten Beschäftigten ist ein Mitarbeiter genesen und kehrt in Kürze aus der Quarantäne zurück. Bewohner/-innen und weitere Beschäftigte wurden getestet – mit negativem Befund. Heimleiter Markus Müller ist erleichtert darüber und betont, dass die erfolgreichen Vorsichtsmaßnahmen konsequent beibehalten würden.

Residenz Stiemerling

Ein erkrankter Bewohner aus der Senioren-Residenz Stiemerling inHerzberg ist inzwischen verstorben. Er war zuvor nach Entlassung aus der Helios-Klinik Herzberg in der Einrichtung separiert und wurde von Beschäftigten in Schutzausstattung versorgt sowie lückenlos überwacht. „Aufgrund von Vorerkrankungen war die Person zu geschwächt, um der Infektion etwas entgegensetzen zu können“, teilen Geschäftsführer Karsten Stiemerling und Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann mit.

Ambulante Pflege nicht betroffen

Ein Beschäftigter der Senioren-Residenz Stiemerling in Hattorf war nach Feststellung erster Symptome, noch vor Bekanntwerden des – positiven – Testergebnisses, aus der Tätigkeit genommen worden und ist in häuslicher Isolation, erklärte Geschäftsführer Karsten Stiemerling. Die ambulanten Pflegedienste in Hattorf und Herzberg seien nicht betroffen. Es gebe keine personellen Verflechtungen.

Mit allen von Covid-19 betroffenen Einrichtungen sind das Gesundheitsamt und Krisenstab in Kontakt. Sie erhalten bei Bedarf Schutzausstattung, Beratung und Schulung. Zudem finden mit Priorität Tests auf Infektionen in diesen Einrichtungen statt.

Positives Engagement

Beispielhaft ist laut Lottmann der selbstlose Einsatz von Dr. Andreas Philippi und Ehefrau Dr. Michaela Philippi. Die beiden Ärzte haben mehrfach Tests bei Menschen in Pflege-Einrichtungen gemacht – und werden das weiter tun.

Positiv ist auch: Die hartnäckige Arbeit des Landkreises sei erfolgreich: 70 000 Schutzmaterialien konnten an betroffene Einrichtungen ausgeliefert werden. (tko)

Nach Stand Ostermontag 7 Uhr waren im Landkreis und in der Stadt Göttingen 538 Frauen und Männer von einer Infektion mit dem Coronavirus betroffen. 138 der Infizierten leben in der Stadt Göttingen, 400 im Kreisgebiet. Bei 8 Fällen ist der Wohnort noch nicht erfasst. Die Zahlen:

Im Altkreis Osterode (Städte Osterode, Bad Lauterberg, Herzberg und Bad Sachsa sowie Samtgemeinde Hattorf am Harz und Gemeinden Bad Grund (Harz) und Walkenried) waren es 317 Fälle. Im Altkreis Duderstadt (Stadt Duderstadt, Samtgemeinde Gieboldehausen) inklusive Samtgemeinde Radolfshausen waren 25 infizierten Personen gemeldet. Im Altkreis Hann. Münden (Stadt Hann. Münden, Samtgemeinde Dransfeld und Gemeinde Staufenberg) waren es 27 Fälle. Im Bereich des früheren Altkreises Göttingen (Flecken Bovenden, Gemeinden Rosdorf, Gleichen und Friedland – ohne Stadt Göttingen) sowie des Fleckens Adelebsen waren es 23 infizierte Personen.

Alle Details zum Coronavirus und zur Lage in Stadt und Landkreis Göttingen gibt es im Liveticker. Für Fragen und Hinweise zum Thema Coronavirus haben Stadt und Landkreis Göttingen ein Bürgertelefon eingerichtet: Telefon 0551 70 75-100. Es ist von Montag bis Sonntag täglich von 8 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr erreichbar. Eine medizinische Beratung findet nicht statt. (tko)

Lesen Sie alle News zum Coronavirus in Göttingen in unsere Ticker. 

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